Der Nebel lag dicht über dem Zürcher Unterland, aber davon liessen sich die gut 60 Teilnehmenden an der Wintertagung der IG Weidemilch bei Familie Maag in Oberglatt (Kanton Zürich) die Stimmung nicht verderben. Schon vor dem Beginn der Versammlung zeigte sich an den angeregten Gesprächen und freudigen Wiedersehens-Szenen, dass die Weidemilch-Produzent*innen eine eingeschworene Gemeinschaft sind und die IG mehr als ein Verein ist. Das ist auch daran erkennbar, dass mehr als ein Drittel der 160 Mitglieder an der Versammlung teilnahm. Etwa zwei Drittel der Mitglieder bewirtschaften Biobetriebe.
«Die Blähung ist die Geissel des Weidemilchbetriebs»
Unter der Leitung von Präsident Peter Trachsel gingen die traktandarischen Geschäfte schlank über die Bühne. Die IG ist finanziell gesund und unternehmungslustig. So findet neben den saisonalen Tagungen zu aktuellen Themen jedes Jahr eine Reise statt. Die nächste führt im kommenden Oktober nach Brandenburg in Deutschland, wo die irischen Gebrüder Costello einen grossen Weidemilch-Betrieb mit 880 Kühen bewirtschaften.
Für die ersten angeregten Diskussionen im Versammlungsrahmen sorgte die Präsentation eines neuen Merkblatts zum Thema Blähungen. Zusammengestellt hat es Rahel Kaufmann, die auf dem Betrieb Agrovision Burgrain im Hof-Team arbeitet. «Die Blähung ist die Geissel des Weidemilch-Betriebs», sagte ein Versammlungsteilnehmer im Gespräch.
Die Fütterung als wichtiges Element
Das Merkblatt habe sie aus Eigeninitiative erarbeitet, sagte Kaufmann auf Anfrage. Sie merke in Gesprächen auf Betrieben und anderswo immer wieder, wie stark das Thema beschäftigt. Dies zeigte sich auch in Oberglatt. Mehrere Tierhalter*innen äusserten sich zu den Verhältnissen auf dem eigenen Betrieb.
Themen die dabei angeschnitten wurden, sind die Unterschiede zwischen Schaum- und Gasblähung, die möglichen Interventionen und das Vorgehen, wie eine Blähung vorbeugend verhindert werden kann. Dabei ist auch die Fütterung ein grosses Thema, so meinte einer der anwesenden Produzenten. Man müsse beispielsweise darauf achten, im Herbst altes Gras zu füttern, da vermöge selbst ein Raureif den Kuhmägen nichts anzuhaben.
Fleisch-Vererbung oder scharfe Neuseeland-Genetik?
Remo Petermann vom BBZN Schüpfheim und der renommierte Biozüchter Hans Braun aus Rothrist präsentierten die neusten Erkenntnisse bezüglich der besten Anpaarungen. Beide Präsentationen zur Weidegenetik 2026 sind auf der Webseite der IG Weidemilch zu finden. Die von Hans Braun präsentierten Stiere finden sind auch auf der Bio-KB-Stieren-Seite detailliert beschrieben (Links s. unten).
Braun legte den Finger auf einen der Grundsatzkonflikte innerhalb der Vollweide-Szene: Der Fleischertrag des Nachwuchses und der abgehenden Kühe. Er warnte vor hohen Verlusten bei ungenügendem Augenmerk auf die Fleisch-Vererbung. Dabei dachte er vor allem an zu «scharfe» neuseeländische Genetik.
Andere Halter*innen wiederum halten den Fleischaspekt für weniger entscheidend. Ihnen ist viel wichtiger, dass die Tiere aggressiv weiden und durch das geringe Lebendgewicht eine hohe Effizienz haben, so wie das die Kiwi-Cross besonders schön vormachten, während gewisse traditionelle Schweizer Rassen hier weniger zu bieten hätten.
Adrian Krebs, FiBL
Weiterführende Informationen
Website IG Weidemilch (weidemilch.ch)
Stierenpräsentation von Remo Petermann (weidemilch.ch)
Stierenpräsentation von Hans Braun (weidemilch.ch)
Webseite für Bio-KB-Stiere (bio-kb-stiere.ch)
Website des Vollweidebetriebs der Gebrüder Costello (grasmilchbrandenburg.de)
Merkblatt Blähungen von Agrovision Burgrain (5.6 MB)
Lehrvideo zum Einsatz einer Schlundsonde bei geblähten Kühen (youtube.com)
