Um die 70 Teilnehmende besuchten die diesjährige Bioobstbautagung am 22. Januar am FiBL in Frick, AG. Wie üblich wurde ein breites Spektrum an Themen diskutiert.
Marktsituation – keine Flächenerweiterung mehr für Tafeläpfel
Sabine Haller von Bio Suisse begann mit einem ausführlichen Bericht über die Saison 2025 und die aktuelle Marktsituation. Mehrfach wurde betont, dass die Lagermengen an Biotafeläpfeln jährlich zunehmen, während die Nachfrage seit 2024 tendenziell rückläufig ist. Folglich besteht kein Bedarf mehr an zusätzlichen Anbauflächen. Gesuchte Kulturen sind hingegen Tafel- und Mostbirnen, späte Zwetschgensorten, frühe oder späte Beeren und allgemein Verarbeitungsobst (ausser Äpfeln). Die Richtpreise konnten 2025 gehalten, und bei den Himbeeren und Brombeeren erhöht werden.
Als Reaktion auf das Überangebot an Tafeläpfeln hat die Fachgruppe Obst von Bio Suisse die Sorten und Preisklassen angepasst. Zudem wurde ein Übermengenkonzept erstellt und die Sortiervorschriften werden demnächst überarbeitet. Ausserdem ist Umstellware grundsätzlich für die Vermarktung im Knospe-Kanal ab der Ernte 2026 nicht mehr erlaubt. Je nach Marktsituation können einige Sorten allerdings zugelassen werden. Wer Umstellware hat, soll sich bis 28. Februar bei Agrosolution für die Kontrolldienstleistung «Nachhaltigkeit Früchte (NHF)» des Schweizer Obstverbandes (SOV) anmelden. Durch die Mitgliedschaft der Bioproduzent*innen beim SOV ist grundsätzlich der Zugang zu Suisse Garantie (SGA) gewährt, welcher eine Voraussetzung für die NHF darstellt.
Kupfer bleibt unersetzlich
Sowohl Sabine Haller von Bio Suisse als auch Hans-Jakob Schärer vom FiBL bestätigten, dass aktuell keine Aussichten auf Alternativen zu Kupfer bestehen. Die Richtlinien von Bio Suisse und die Direktzahlungsverordnung wurden angepasst und ermöglichen mehr Flexibilität im Pflanzenschutz. Bei Kernobst sind neu 2 Kilogramm Kupfer im Durchschnitt über einen Zeitraum von fünf Jahren zulässig. In Ausnahmejahren können maximal 3 Kilogramm Kupfer eingesetzt werden. Dies wird erst ab dem Kontrolljahr 2031 kontrollrelevant. Beim Steinobst können weiterhin 3 Kilogramm und bei den Beeren 2 Kilogramm eingesetzt werden.
Diverse Versuche für Pflanzenschutz
Laut Schärer gab es 2025 keine relevanten Neuzulassungen für den biologischen Pflanzenschutz. Die revidierte, neu in Kraft tretende Pflanzenschutzmittelverordnung habe bisher keine direkten Auswirkungen, das kläre sich aber noch im Verlauf der nächsten Jahre.
Das FiBL führte diverse Versuche zum Thema Pflanzenschutz durch. In Kirschanlagen wurden Blühreservoirs und Blühboxen zur Förderung von Nützlingen getestet. Da sich in zwei von drei Anlagen die gesäte Mischung nicht gut etablieren konnte und zu wenig blühende Pflanzen aufkamen, wird der Versuch nächstes Jahr mit einem überarbeiteten Aufbau wiederholt.
Auch wurde untersucht, ob der Vierfleckige Kugelmarienkäfer, welcher noch nicht zugelassen, aber einheimisch ist, gegen Blattläuse wirkt. Die Ergebnisse waren allerdings nicht sehr vielversprechend. Dahingegen erzielten Versuche mit Bittersalz in Himbeeren 50-80 Prozent Reduktion von Blattläusen. Ein Konidienmonitoring beim Birnenschorf hat gezeigt, dass ein starker Schnitt die Anzahl Konidien reduziert.
Thierry Suard vom FiBL stellte diverse Versuche von Agroscope und vom FiBL vor. Gegen die Kirschessigfliege (KEF) wurde der Nützling Trichopria drosophilae getestet, was allerdings nicht zuverlässig funktionierte. Ein unzureichender Effekt konnte auch bei Versuchen mit Holzessig gegen die KEF festgestellt werden, weswegen diese nicht weiterverfolgt werden. Für den Japankäfer empfahl Suard eine ausführliche Publikation von Agroscope - es werden momentan Bekämpfungsstrategien mit Nematoden und entomopathogenen Pilzen erforscht. Ein wachsendes Problem stellt auch die Fleckenminiermotte dar, welche mit ihren drei Millimetern Grösse leicht zu übersehen ist. Sie kann mit Pheromonfallen überwacht werden und mögliche Wirkstoffe sind Azadirachtin und Quassan.
Freiland-Aprikosenanbau in unseren Breiten nicht empfohlen
Am FiBL wurde ein mehrjähriger Versuch zum Anbau von Bioaprikosen in verschiedenen Anbausystemen – Tunnel, Regendach und Freiland – durchgeführt. Es wurden Methoden zur Frostbekämpfung und zur Behandlung von unter anderem Monilia und Mehltau getestet. Zur Blattlausregulierung wurden Blühstreifen angelegt und Versuche mit offener Nützlingszucht durchgeführt. Clémence Boutry fasste zusammen: «Bioaprikosen im Freiland empfehlen wir in unseren Breiten nicht. Ein Tunnel oder eine temporäre Abdeckung (Regendach) bieten allerdings einen guten Schutz gegenüber den Hauptkrankheiten. Ausserdem ermöglichen diese Systeme eine bessere Umsetzung des Frostschutzes. Im Tunnelsystem sind die Favoriten die Sorten Elsa und Mia.» Ausführliche Informationen gibt es in einem Video (siehe Link unten).
Vermarktungsstrategien
Michèle Hürner-Sandrin von Bio Suisse wies auf die neue Webseite «Declarino – Dein Etikettenhelfer» hin. Ab Mitte 2026 können dort Etiketten für die Direktvermarktung einfach und kostenlos online erstellt werden. Ausserdem kontrolliert Bio Suisse weiterhin kostenlos Etiketten. Weiter stellte Hürner die Webseite «Biomondo» vor, auf welcher Betriebe ihre Produkte online vermarkten und von durch Bio Suisse bezahlter Werbung profitieren können.
Ein gutes Beispiel für die Direktvermarktung gab Martin Meier vom Tempelhof in Rümlang, ZH. Dort wird Bioobst erfolgreich an die Stadtbevölkerung vermarktet in einem Hofladen mit Automaten. Besonders überzeugend ist die ansprechende Präsentation von verschiedenen Apfelsorten inklusive Probiererli. «Bei uns kommt niemand, um Gala zu kaufen,» so Meier.
Eva Föller, FiBL
Weiterführende Informationen
Film «Aprikosenanbau in kühlen Regionen: «Tunnel, Regendach oder Freiland?» (YouTube)
Merkblatt «Pflanzenschutz im Biokernobstanbau» (FiBL Shop)
Merkblatt «Pflanzenschutz im Biosteinobstanbau» (FiBL Shop)
Sortenliste Biokernobst (Rubrik Sortensuche)
Obstbau (Rubrik Pflanzenbau)
Biomarktplatz Biomondo (Website)
Merkblatt «Japankäfer» (Agroscope)
