Für den erfolgreichen Ausstieg aus dem Kükentöten braucht es geeignete Tiere. Zu den Hoffnungsträgerinnen gehört Sandy von Lohmann, eine Züchtung mit hervorragender Legeleistung und gutem Wachstum der Bruderhähne.
Der Betriebsleiter und Geschäftsführer der Eiermacher GmbH, Philipp Egger aus Deutschland, und die Betriebsleiter Andreas Braun und Markus Schütz aus der Schweiz stellten fest: Die Legeleistung ist vergleichbar mit der von weissen Hybriden, mit weniger Spitzenleistung, aber einer sehr guten Persistenz.
Beige ist das neue Weiss
Sandy legt beige Eier: «Eine sehr vorteilhafte Farbe», waren sich die Praktiker einig. Sie kann auch symbolisch für den Ausstieg aus dem Kükentöten stehen. Markus Schütz nutzte den Farbwechsel, um in der Direktvermarktung die Kundschaft zu informieren: «Die Kundschaft hat das interessiert, warum hast du jetzt ein beiges Ei. So sind wir ins Gespräch gekommen und konnten auch auf das Bruderhahnfleisch aufmerksam machen.» Neben Sandy gibt es auch andere Beigeleger wie Isabell von Hendrix oder Coral von H&N, für die aktuell erste Praxisversuche in der Schweiz laufen.
Das alte Huhn als neues Ziel
Sandy-Hennen haben sich auch bei verlängerten Umtriebszeiten von 14 bis 15 Monaten bewährt, berichtete Andreas Braun. Das hat gleich die nächste Diskussion eröffnet: «Ist eine noch viel längere Umtriebszeit die Zukunft?»
Zur Wirtschaftlichkeit verlängerter Umtriebe gab es auseinandergehende Meinungen. Tobias Wettler, Geflügelberater bei der Hosberg AG, war sich jedoch sicher: «Wir können Kosten bei den Junghennen und vor allem bei der Hahnenaufzucht einsparen». Weil im Moment die Eier die Bruderhahnaufzucht quer subventionieren, wäre das ein enormer Gewinn.
Die Tierärztin Karin Kreyenbühl von der Geflügelpraxis AG machte auf mögliche Schwierigkeiten aufmerksam: Erhöhte Risiken für Infektionen, Parasiten und Salmonellen. «Grundsätzlich wird eine gute Tiergesundheit bei verlängerten Umtriebszeiten immer wichtiger», so ihr Fazit. Eigentlich kein verkehrtes Ziel.
Optimale Aufzucht, sauberes Wasser
Zwei Themen nannten gleich mehrere Referent*innen als entscheidende Faktoren für die Tiergesundheit: Eine gute Hygiene beim Wasser und optimale Bedingungen bei der Aufzucht. «Das wichtigste Futtermittel für die Hühner ist das Wasser», stellte Andreas Schneider, Fachberater von der Futtermühle Lehmann, fest. Er empfahl mindestens eine wöchentliche Spülung der Wasserleitungen, um Verschmutzungen vorzubeugen.
«Die Aufzucht legt den Grundstein für eine gute Gesundheit. Sie geht bis zur 32. Woche, betrifft also nicht nur den Aufzuchtbetrieb», machte Karin Kreyenbühl deutlich. Bei der Information und Abstimmung zwischen Aufzucht- und Legebetrieb habe sich schon viel verbessert, aber es gäbe noch Potential.
Das deckte sich mit den Ausführungen von Philipp Egger: «Im Optimalfall sollte man im Legestall dieselben Beschäftigungsmassnahmen einsetzen wie im Aufzuchtbetrieb.» Ähnliche Bedingungen auch bei Licht, Temperatur und Aussenzugang reduzierten den Stress, der durch den Betriebswechsel enorm sein könne, waren beide überzeugt.
Eier sind stark gefragt
Bei der Bioeierproduktion spielt der Markt derzeit auf jeden Fall mit: 2025 war die Produktionsmenge der Schweizer Bioeier so hoch wie noch nie, fasste Katia Schweizer, Produktmanagerin bei BioSuisse, zusammen. Es wurden 225 Millionen Eier produziert und der Bioanteil am gesamten Eiermarkt betrug 19 Prozent.
Zum Jahreswechsel konnte eine historische Richtpreiserhöhung auf 55,4 Rappen pro Ei umgesetzt werden, berichtete Schweizer. Haupttreiber der aussergewöhnlichen Erhöhung seien die neu berücksichtigten Kosten für die Junghahnaufzucht sowie höhere Futter- und Arbeitskosten.
Positives Fazit bei Kontrollen
Eine Auswertung der beiden Kontrollstellen BTA und Bioinspecta vom Jahr 2025 ergab: nur bei 2,5 Prozent der Geflügelbetriebe wurden Abweichungen festgestellt.
Die meisten Abweichungen betrafen ungenügende oder fehlende Staubbäder oder Sitzstangen, Einstreu aus Nicht-Bioproduktion und schlecht bewachsene Weideflächen, erklärte Pius Allemann, Kontrolleur bei Bioinspecta.
Lob, Dank und Frauenquote
Urs Brändli schloss die Veranstaltung mit Lob und Dank zur Initiative «Alle Küken leben»: «Jetzt ab 2026 dürft ihr Freude haben und stolz sein, dass wir das gemeinsam geschafft haben. Ihr habt dafür sehr viel geleistet und auch sehr viele Herausforderungen damit gehabt».
Der Abschluss der Veranstaltung war überraschend humorvoll und Kabarettist Walter B. Grünspan brachte noch ein neues Thema ein: «Die Frauenquote ist ja doch eher im Stall erfüllt als unter den Betriebsleitenden», stellte er nüchtern fest.
Ein wunderbarer Übergang zum internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft 2026. Es bleibt offen, ob in der Bioeierbranche wenige Frauen arbeiten, nur weil bei der Biolegehennentagung wenige Frauen sichtbar waren?
Simona Moosmann, FiBL
Weiterführende Informationen
Verlängerter Umtrieb - Erfahrungen und Tipps aus der Praxis (305.8 KB)
(Ergebnisse der Podiumsdiskussion an der Biolegehennentagung 2026)
Geflügel (Rubrik Tierhaltung)
Frauen in der Landwirtschaft (Rubrik Grundlagen)
