In der Westschweiz gibt es schätzungsweise hundert Microfermes. Obwohl ihre Verbreitung zunimmt, verfügen wir bisher nur über sehr wenige Daten. Foto: FiBL
Der Gemüseanbau ist der wichtigste Betriebszweig von 32 der 33 untersuchten Microfermes. Quelle: Prométerre. *Paralandwirtschaftliche Aktivitäten: alle Betriebszweige, die nicht in direktem Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Produktion stehen (z. B. Agrotourismus, Schulungen, therapeutische Aktivitäten usw.)
Microfermes – zu Deutsch Mikrofarmen oder Kleinstbetriebe – sind mit zahlreichen Hindernissen konfrontiert, wie dem Zugang zu Land, zu Direktzahlungen oder zur Errichtung von Gemüsetunneln. Nichtsdestotrotz werden in der Schweiz insbesondere seit 2010 zahlreiche Initiativen ins Leben gerufen, deren Zahl seit 2020 weiter zugenommen hat. In der Westschweiz gibt es schätzungsweise hundert solche Kleinstbetriebe. «Es entstehen verschiedene Microfermes mit Systemen, über die wir nur sehr wenig wissen und für die wir keine Referenzen haben», erklärt Delphine Piccot von Proconseil.
Um diese Lücke zu schliessen, haben die landwirtschaftliche Beratungszentrale Agridea und Proconseil – ein Beratungsdienst von Prométerre – das Projekt «Références pour l'agriculture sur petite surface (ApeRsu)» (Referenzen für die kleinflächige Landwirtschaft) lanciert. Finanziert wird das Projekt aus eigenen Mitteln sowie mit Unterstützung des Bundesamtes für Landwirtschaft. Die ersten Ergebnisse wurden im Mai 2025 veröffentlicht. Das Projekt umfasst die Erhebung technisch-wirtschaftlicher Daten von 33 Westschweizer Microfermes. Die endgültigen Analysen werden 2026 veröffentlicht. Laut der bei Agridea tätigen Projektinitiatorin Claire Asfeld gibt es oft Vorurteile hinsichtlich der Tragfähigkeit solcher Strukturen: «Microfermes werden häufig als utopische Projekte bezeichnet, die weder die Bevölkerung ernähren noch ein echtes Einkommen erzielen können.»
Keine gewöhnlichen Bauernhöfe
Im Jahr 2022 veröffentlichte das FiBL mit Unterstützung der Agridea und des Kantons Waadt Porträts von neun Westschweizer Microfermes. Dies gab den Anstoss für das gross angelegte Projekt ApeRsu. «Wir haben über 3 Jahre hinweg mehr als 500 Daten gesammelt, die wir nun analysieren und organisieren müssen», erklärt Claire Asfeld. Dabei verweist sie auf die Zusammenarbeit mit der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen BE, die sich um die Statistiken kümmert.
Die ersten Ergebnisse des Geschäftsjahres 2022 wurden bereits analysiert. Dadurch konnten allgemeine wirtschaftliche Indikatoren und gemeinsame Determinanten ermittelt werden. Die kleinflächige Landwirtschaft zeichnet sich natürlich in erster Linie durch die sehr geringe Grösse der Betriebe aus sowie durch die Bedeutung, die den Prinzipien der Agrarökologie beigemessen wird. Davon zeugen die zahlreichen Massnahmen zur Förderung der Flora und Fauna. Dieses Engagement spiegelt sich auch in der Zertifizierung wider: 24 der 33 untersuchten Microfermes werden biologisch bewirtschaftet (22 Knospe- und 2 Bundesbio-Betriebe). Charakteristisch für diese Strukturen ist auch die Diversifizierung der Betriebszweige: Ein Drittel der untersuchten Betriebe übt ein bis zwei Erwerbstätigkeiten aus, ein weiteres Drittel drei Tätigkeiten und das verbleibende Drittel zwischen vier und sieben Tätigkeiten. Weitere gemeinsame Merkmale sind ein direkter Draht zu den Konsument*innen, kurze Vertriebswege und der Gemüseanbau, der von 32 der 33 Microfermes betrieben wird. Typisch ist auch die aktive Suche nach Alternativen zu fossilen Energieträgern: Mehr als die Hälfte der Betriebe verwendet keinen Traktor und ein Drittel verfügt nicht einmal über einen Einachser.
Die untersuchten Betriebe zeichnen sich ausserdem durch eine grosse Vielfalt an Rechtsformen aus. Das Einzelunternehmen wird zwar von zahlreichen Produzent*innen gewählt, ist aber nicht so dominant wie in der traditionellen Landwirtschaft. Viele Microfermes entscheiden sich auch für kollektive Formen wie GmbH, Genossenschaft oder Verein. Des Weiteren besitzen die meisten Kleinstlandwirt*innen das Land, das sie bewirtschaften, nicht und nur 39 Prozent erhalten Direktzahlungen.
Ein Einkommen pro Stunde, das dem Schweizer Durchschnitt entspricht
Die wirtschaftlichen Kennzahlen beziehen sich im Wesentlichen auf den Gemüseanbau, der die Haupttätigkeit darstellt. Setzt man die Produktion zur Arbeitszeit ins Verhältnis und addiert dazu die Zeit für das Waschen der Produkte sowie die von Freiwilligen geleisteten Arbeitsstunden, ergibt sich für die Bruttomarge ein Medianwert von 22 CHF pro Stunde. Die Unterschiede sind jedoch erheblich: Die Werte reichen von weniger als 5 CHF bis mehr als 50 CHF pro Stunde. «Das liegt wahrscheinlich daran, dass einige Strukturen noch recht jung sind», erklärt Delphine Piccot. Die Hälfte der Microfermes wurde nämlich erst 2020 oder später gegründet. Laut der Landwirtschaftsberaterin dauert es mindestens drei Jahre, bis ein Betrieb ein stabiles Einkommen erzielt. Die wirtschaftlichen Kennzahlen stammen jedoch aus dem Jahr 2022. Die wirtschaftliche Analyse des landwirtschaftlichen Einkommens ergibt einen Medianwert von 16,93 CHF pro Stunde, ohne Berücksichtigung der von Freiwilligen geleisteten Arbeit. «Das hat uns am meisten überrascht», betont Claire Asfeld. Tatsächlich entspricht dieser Betrag in etwa dem Stundenlohn für landwirtschaftliche Arbeit in der Schweiz, der laut dem vom Bundesrat verabschiedeten Bericht über das Einkommen der Bauernfamilien bei 17 CHF liegt.
«Das zeigt, dass man nicht immer expandieren muss, um rentabel zu sein», meint Claire Asfeld vorsichtig. «In einer Welt, in der die Ressourcen knapp werden, gibt das ein wenig Hoffnung», fährt sie fort. Die ergänzenden und endgültigen Ergebnisse werden für die zweite Hälfte des Jahres 2026 erwartet. Sie werden fundierte wirtschaftliche Analysen sowie ein Finanzplanungstool für landwirtschaftliche Produzent*innen mit kleinen Anbauflächen liefern.
Emma Homère, Bio Suisse
Der französischsprachige Originalartikel ist im Magazin Bioactualités 6/25 erschienen.
Weiterführende Informationen
Website zum Thema (Prométerre)
Website Association Suisse des Microfermes (ASM)
FiBL Merkblatt «Organisation und Betriebsstruktur verschiedener Schweizer Microfermes» (FiBL Shop)
*Der Schweizer Verein der Microfermes (Association Suisse des Microfermes) veröffentlichte Ende 2025 seinen Leitfaden zur Gründung nachhaltiger Microfermes. Das 75-seitige Dokument ist in 4 Kapitel unterteilt: Zugang zu Land, Geschäftsmodell, Betriebsführung und nachhaltige landwirtschaftliche Praktiken. «Der Leitfaden vereint konkrete Anhaltspunkte, praktische Instrumente und Erfahrungsberichte, die auf den Schweizer Kontext zugeschnitten sind. Er sorgt für mehr Klarheit, hilft, bestimmte Stolpersteine aus dem Weg zu räumen, und stärkt die Glaubwürdigkeit der Projektinitiator*innen gegenüber Partner*innen und Institutionen», erklärt der Präsident des Vereins David Bichsel. Der Leitfaden ist auch Teil der französischsprachigen Ausbildung zum Praktiker bzw. zur Praktikerin auf einer Microferme.
Download des Leitfadens (Microfermes-Website, auf Französisch)
Informationen zur Ausbildung (Website Kanton Waadt, auf Französisch)
