ProBio ist ein Projekt von Bio Suisse und FiBL und fördert den Austausch unter Bäuerinnen und Bauern in Arbeitskreisen sowie an Fachanlässen. Das Angebot existiert bereits seit zehn Jahren. Die Arbeitskreise werden von geschulten Moderator*innen geleitet, die häufig selbst aus der Praxis kommen und teils bereits seit dem Projektstart dabei sind. Einmal jährlich treffen sich diese zum gemeinsamen Austausch.
Umfrage zeigt grosse Zufriedenheit
Geleitet wird ProBio von Léa Sommer, Ansprechperson bei Bio Suisse für die rund 56 aktiven Arbeitskreise. Im vergangenen Jahr führte Sommer eine Umfrage zum ProBio-Angebot durch und stellte die Ergebnisse am Treffen vor: 206 Personen nahmen teil, knapp 90 Prozent davon von Biohöfen.
«Die Mehrheit der Befragten profitiert von den ProBio-Treffen – besonders vom Einblick in andere Betriebe, vom geselligen und informellen Austausch sowie von neuen Impulsen», erklärte Léa Sommer. Die Zufriedenheit steige leicht mit der Dauer des Bestehens eines Arbeitskreises und mit der Zugehörigkeitsdauer der Mitglieder. Ob die Moderation von einer Beratungsperson oder einer Landwirtin übernommen wird, spielt dabei laut Sommer keine Rolle. Thematisch unterstützen die Arbeitskreise bei klassischen Fragen zu Bodengesundheit, Tierhaltung und Pflanzenbau, sind aber auch bei Querschnittsthemen und grösseren betrieblichen Veränderungen wertvoll.
Bewährtes weiterführen, Vernetzung stärken
Für Sommer bestätigt die Umfrage die hohe Qualität und den grossen Nutzen von ProBio. Das Angebot soll weiterhin kostenlos bleiben und auf gut ausgebildete Moderator*innen setzen. Sommer meint: «Die Praxisnähe, die Offenheit für neue Themen, der schlanke organisatorische Rahmen sowie die Flexibilität bei Gruppengrösse und Anzahl Treffen haben sich bewährt.»
Aus dem Kreis der Anwesenden kam der Wunsch nach stärkerer Vernetzung unter den Arbeitskreisen und den Moderator*innen. Für eine grössere Reichweite fehlen laut Sommer derzeit die personellen Ressourcen auf der Geschäftsstelle von Bio Suisse. Dank einer Stiftung ist es jedoch neu möglich, im Rahmen eines Projektes mit dem Solawi-Verband drei Arbeitskreise zu gründen, die Konsument*innen enger involvieren.
Zur Teilnahme motivieren und Raum geben
Ein wiederkehrendes Thema unter den Arbeitskreisleitenden war die Motivation und Eigeninitiative der Teilnehmenden. Einige berichteten, dass ohne ihr aktives Zutun wenig geschehe. Hier zeigte sich der Wert des Erfahrungsaustauschs: Kolleg*innen empfahlen, gemeinsam klare Regeln und verbindliche Abmachungen zu treffen. Ebenso wichtig sei die Möglichkeit, eine Gruppe aufzulösen, wenn kein Bedürfnis nach Austausch mehr bestehe.
Das Treffen machte deutlich, dass ProBio auch ein wichtiger sozialer Stützpfeiler ist. Die Rolle der Arbeitskreisleitenden ist zentral: Sie braucht neben fachlicher Kompetenz viel Feingefühl, da häufig auch persönliche und soziale Herausforderungen zur Sprache kommen.
Sensibler Umgang mit persönlichen Schicksalen
So wurden unter den Arbeitskreisleitenden Themen wie Todesfälle, Suizid oder Sucht angesprochen. Die Moderation ist hier eine Schlüsselrolle, um einen sicheren Rahmen für Gespräche zu schaffen. Einig waren sich die Teilnehmenden, dass offene Kommunikation und aktives Zuhören entscheidend sind. Probleme ernst zu nehmen und der Gruppe Halt zu geben, sei essenziell. Gleichzeitig gelte es, die eigenen Grenzen zu kennen und bei Bedarf externe Hilfe beizuziehen.
ProBio ist ein lebendiges Netzwerk, das Biobetriebe nicht nur fachlich, sondern auch persönlich und sozial unterstützt. Die Arbeitskreisleitenden übernehmen dabei eine unverzichtbare Funktion: Sie moderieren, vermitteln Wissen und sind oft erste Anlaufstelle bei persönlichen Anliegen. Ihre Fähigkeit, fachliche Tiefe mit sozialer Sensibilität zu verbinden, ist ein zentraler Erfolgsfaktor von ProBio.
Corinne Obrist, FiBL
Weiterführende Informationen
ProBio (probio.bioaktuell.ch)
Testimonials von ProBio-Arbeitskreisleitenden (YouTube)
Interview mit Léa Sommer und erste Ergebnisse der ProBio-Umfrage (Rubrik Beratung)
