«Bio wird verschont» lautete diesen Mittwoch eine Schlagzeile auf der Frontseite des Fachblatts Schweizer Bauer. Die Lage sei derart prekär, dass Schweizer Milchüberschüsse in der Biogasanlage entsorgt würden, so berichtet das Blatt. Dies, obwohl die Milchpulverwerke zur Entlastung des Markts durchwegs rund um die Uhr laufen. In diesen Anlagen werde teilweise auch Biomilch verpulvert, bestätigt Emmi im erwähnten Artikel.
Bioabsatz hat 2025 um drei Prozent zugelegt
Von einer Preiskürzung will man bei der Bio Suisse aber nichts wissen. «Der Biomilchmarkt zeigt sich trotz ausserordentlicher Mehrmengen von rund neun Prozent insgesamt stabil», heisst es in einer Mitteilung des Verbands von letzter Woche mit Blick auf die Zahlen der Treuhandstelle Milch (TSM) aus dem November 2025. Die Branche erachte den Biopreis weiter als marktgerecht, zumal sich auch die Nachfrage nach den Produkten weiter positiv entwickle. Im letzten Jahr hätten sowohl die Verwertung von Biomilch (plus 3,1 Prozent), als auch der Absatz von Biomilchprodukten (plus 3 Prozent) deutlich zugelegt, schreibt Bio Suisse.
Vor dem Hintergrund der rückläufigen Anzahl an Biomilchbetrieben, der geringen Zahl von Umsteller*innen sowie der abnehmenden Bereitschaft junger Landwirt*innen, in die Milchproduktion einzusteigen, würde eine Preissenkung ein falsches Signal senden, heisst es weiter. «Um mittel- bis langfristig ein kontinuierliches Marktwachstum sicherzustellen, sind attraktive und stabile Rahmenbedingungen in der Biomilchproduktion unerlässlich.»
«Mengen bis zum Sommer gezielt drosseln»
Bei den zusätzlichen Mengen handle es sich lediglich um ein temporäres Überangebot aufgrund der guten Futterqualität. Aber: «Die erwarteten Mehrmengen bei der Biomilch über einen Zeitraum von rund vier Monaten führen zu keiner zusätzlichen Belastung des konventionellen Milchmarktes», lässt sich Jasmin Huser, Produktmanagerin Milch bei Bio Suisse in der Mitteilung zitieren.
Die Biomilchbranche will ihren Beitrag zur Markterholung ohne Preissenkung liefern. Um die Marktstabilität zu sichern, fokussiere sie sich darauf, die Mengen zu reduzieren, so Bio Suisse. «Zur Sicherung der bestehenden Marktstabilität und der reibungslosen Verarbeitung empfiehlt die Biomilchbranche den Produzent*innen, die Mengen bis zum Sommer gezielt zu drosseln». Eine moderatere Mengenentwicklung solle dazu beitragen, die angespannte Situation rascher zu entschärfen und unnötigen Marktdruck zu vermeiden. Dies liege im gemeinsamen Interesse aller Beteiligten.
Emmi: «Biomarkt präsentiert sich stabiler»
Offenbar wird die Meinung des Biodachverbands zumindest vorläufig auch von den Verarbeitungsunternehmen geteilt, zumindest vom wichtigsten: «Der Biomilchmarkt entwickelt sich grundsätzlich positiv und ist auf den Inlandmarkt fokussiert», lässt sich Emmi im «Schweizer Bauer» zitieren. Und weiter: «Die Nachfrage und somit die Milchverwertung von Biomilch zu Bioprodukten wachsen derzeit. Der Biomilchmarkt präsentiert sich somit im Gegensatz zum konventionellen Milchmarkt stabiler. Deshalb wurde von einer Mengenbeschränkung auf den Februar abgesehen.»
Ganz anders bei der konventionellen Milch: Dort hat die Branchenorganisation Milch die dringende Empfehlung veröffentlicht, ab dem 1. Februar bei einer Überlieferung ab 105 Prozent der monatlichen Vorjahresmilchmenge den Preis für diese Mehrmengen auf 10 bis 15 Rappen pro Kilo zu senken. So sollen die Milchproduktionsbetriebe laut dem zitierten Artikel zum Bremsen angehalten werden.
Adrian Krebs, FiBL
Weiterführende Informationen
Die Mitteilung von Bio Suisse (bio-suisse.ch)
Die Mitteilung der Branchenorganisation Milch zur Überproduktion (ip-lait.ch)
Biomilch (Rubrik Produkte)
