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FiBL Weinbautagung: Resilienz für heute und morgen

Meldung  | 

Wie viele andere Branchen in der Landwirtschaft blickt der Weinbau neuen Herausforderungen entgegen: Klimawandel, neu auftretende Schädlinge und Marktveränderungen fordern Winzer*innen heraus. Um sich gegen diese Veränderungen resilient aufzustellen, bot die FiBL Weinbautagung 2026 einen Austausch über neuestes Fachwissen aus Bioforschung und -praxis.

Die FiBL Weinbautagung in Olten, ausgelegt in Deutsch und Französisch, begann mit Neuigkeiten aus den Bio-Richtlinien 2026. Es folgte eine Reihe von zehn Kurzvorträgen zu den Themenschwerpunkten Pflanzenschutz, Bodenbearbeitung und Marktentwicklungen.  

«Goldgelbe Vergilbung» - es ist nicht alles Gold, was glänzt

Zentrales Thema der Tagung war die Goldgelbe Vergilbung (Flavescence dorée). Patrik Kehrli von Agroscope warnte eindringlich vor der meldepflichtigen Quarantänekrankheit, die durch zellwandlose Bakterien ausgelöst wird. Hauptüberträgerin ist dabei die eingeschleppte Amerikanische Rebzikade. Als Hauptursache für die Verbreitung gilt der Import von bereits befallenem Pflanzgut.

Die grosse Herausforderung: Die Symptome der goldgelben Vergilbung sind mit blossem Auge nicht von Bois Noir zu unterscheiden, einer ähnlichen Vergilbungskrankheit. Nur molekulare Tests im Labor bringen Gewissheit. «Drei Symptome sind entscheidend und müssen gleichzeitig vorhanden sein», erklärt Kehrli; «gelbliche bzw. rötliche Verfärbungen mit eingerollten Blättern, ausbleibende Verholzung der Triebe und verwelkte Trauben». Die Krankheit führt zum Absterben des Rebstocks.  

Eine kurative Behandlung im Feld existiert bislang nicht. Ist das Auftreten der Krankheit bestätigt, müssen die Rebzikaden mit Pyrethrum bekämpft werden, welches trotz Biozulassung als gewässer- und bienentoxisch gilt. Deshalb ist Prävention oberstes Gebot. Importiertes Pflanzgut muss zwingend heisswasserbehandelt werden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. 

Mehltau lässt grüssen  

Auch dieses Jahr drehte sich viel um die altbekannten Mehltaugeschwister. Insbesondere der Echte Mehltau war im Fokus. Mehrere Referent*innen betonten, dass der Druck dieser Pilzkrankheit sich in Zukunft mit längeren Trockenperioden und erhöhter Luftfeuchtigkeit tendenziell erhöhen wird.

Pilzwiderständige Sorten, kurz PIWI, können hier Abhilfe schaffen. Aktuell sind nur 3.9 Prozent der Rebflächen der Schweiz mit PIWI-Sorten angebaut. Lucca Zachmann von der ETH Zürich zeigte, dass PIWI besonders in der Nähe von Wohngebieten und Seen gepflanzt werden, ein Vorteil für Mensch und Umwelt. Damit sich PIWI-Sorten besser etablieren könnten, brauche es aber mehr politische Unterstützung.

Zwar können die Mengen an Pflanzenschutzmitteln mit PIWI-Sorten deutlich reduziert werden, Michael Riemann vom FiBL betonte aber, dass ein gewisser Pflanzenschutz ratsam sei, um dem Pilz keine «Spielwiese» zur Durchbrechung der Resistenzen zu bieten. Hierbei können laut Miro Zehnder vom FiBL temperaturabhängige Prognose-Modelle wie RIMpro unterstützend sein. 

Aktuelle Pflanzenschutzmittelforschung 

Das FiBL führt momentan Versuche zu einem anderen Pilz, «AQ10» durch, ein natürlicher Gegenspieler des Echten Mehltaus. Allerdings war die Wirkung bisher noch zu niedrig, möglicherweise waren die Applikationszeitpunkte nicht gut genug gewählt. Folgeversuche seien bereits geplant, so Miro Zehnder. Problad, ein Lupinenextrakt ist hingegen schon im Zulassungsverfahren und hatte auf Blättern und Trieben eine ähnlich gute Wirkung erzielt wie die Schwefelbehandlung; auf Trauben sogar noch besser.  

Auch innovative Ansätze wie Komposttee wurden beleuchtet. Die Forschung des Julius-Kühn-Instituts, durchgeführt durch Falk Behrens, zeigt erste Hinweise, dass Komposttee sich positiv auf die Mikroorganismen-Zusammensetzung auf Reben auswirken könnte. Es bedarf allerdings weiterer Forschung, ob sich Komposttee im Kampf gegen Mehltau bewährt.

Bei zu viel Auswahl zählt das Etikett 

Am Nachmittag stellte Katharina Kleiner vom Weincampus Neustadt in Rheinland-Pfalz praxisintegrierte Forschungen zu Konsumverhalten vor. Glaubwürdigkeit, Sichtbarkeit und eine starke Kommunikation bleiben wichtige Faktoren für den Weinverkauf. «Ihre Marke ist so stark wie ihre Kommunikation», sagte sie.  

Kleiner identifizierte anhand von neusten Umfragedaten und Kaufverhalten, drei Kundengruppen: die nachhaltigkeitsorientierten Boomer, die aktiven Geniesser mit Mehrwegpotential und die reservierten Pragmatiker. Die gezielte Ansprache einer dieser Gruppen könne helfen, im Überangebot des Supermarktes erkannt und ausgewählt zu werden, so Kleiner. Denn Resilienz für heute und morgen funktioniere nur zusammen mit der Kundschaft. 

Ann Cathrin Nachtwey und Michelle Knecht, FiBL

Weiterführende Informationen

Weinbau (Rubrik Pflanzenbau)
Pflanzenschutz im Rebbau (Rubrik Pflanzenbau)
Flavescence dorée: Erkennung und Symptome (BLW)
Mehr zum Projekt: InnoPIWI
Mehr zum EU-Projekt: GrapeBreed4IPM
Bei der Umfrage des EU-Projektes GrapeBreed4IPM geht es um Ihre Einschätzung von neuen Rebsorten, Chancen & Barrieren, Pflanzenschutz und Produktionsentwicklungen.
Bio Suisse Richtlinien 2026

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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