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«Ich mag Kälber genauso gern wie Dachse»

Meldung  | 

Es gibt Menschen, die in den Sommerferien lieber ans Meer fahren und das Dolcefarniente geniessen, und solche, die es bevorzugen, in den Bergen zu wandern. Und dann gibt es da noch Alice Dind, die sich entschieden hat, einen Teil ihrer Ferien einem besonderen freiwilligen Einsatz zu widmen: Sie bewacht Herden auf der Alp und patrouilliert nachts, um Wolfsangriffe zu verhindern. Diese ganz besondere Aufgabe erfüllt die FiBL Mitarbeiterin vom Departement Westschweiz mit Freude: Seit drei Jahren verbringt sie jeden Sommer etwa zwanzig Nächte im Waadtländer Jura.

«Ich habe vom Verein Oppal gehört, als er vor vier Jahren gegründet wurde. Die Idee, die Koexistenz zwischen menschlichen Aktivitäten und dem Wolf zu fördern, hat sofort meine Neugier geweckt. Ausserdem sah ich darin eine Fortsetzung meiner beruflichen Tätigkeit als Biologin in der Agrarforschung.

Ich erfüllte alle Voraussetzungen, um mich als Freiwillige bei Oppal zu engagieren, einer Organisation, die eine Art Neutralität vertritt – weder für noch gegen den Wolf. Ich bin gerne an der frischen Luft und beobachte die Tierwelt – ob wild oder nicht! Vor allem aber möchte ich mich für die Koexistenz von Wolf und Mensch einsetzen – zwei Raubtieren, die meiner Meinung nach mit ungleichen Waffen kämpfen.

Schlaflose Nächte … ohne grossen Komfort

Die Einsätze für Oppal beginnen in der Regel am späten Nachmittag. Man kommt auf der Alp an, lernt die Person kennen, mit der man ein Team bildet, den Hirten oder den Landwirt, dem man helfen soll, und natürlich die Herde.

Sobald es dunkel wird, gilt es, regelmässig Runden in der Herde und rundherum zu machen und Präsenz zu zeigen. Wir sind mit Wärmebildferngläsern und einer ganzen Reihe von Hilfsmitteln (Taschenlampe, Pfeife, Signalhorn) ausgestattet, um den Wolf zu vergrämen, sollte er sich blicken lassen.

Der Verein Oppal stellt uns ein Zelt oder einen Wohnwagen zur Verfügung, wo wir uns ausruhen können, und so wechseln wir uns die ganze Nacht über ab. Ich muss sagen, dass mir die Kälte und der Mangel an Komfort nichts ausmachen. Was mich begeistert, ist, allein in der Dunkelheit zu sein. Ich fühle mich nicht verletzlich, sondern finde in dieser nächtlichen Einsamkeit eine Art von Erfüllung und ein starkes Gefühl der Ruhe. Die Tiere durch das Fernglas zu beobachten, ist eine wahre Freude. Ich fühle mich so privilegiert!

Ein bewusstes freiwilliges Engagement

Die Nachtwachen für Oppal ermöglichen es mir, die Berge und die Natur zu erleben, ohne das Gefühl zu haben, nur eine passive Konsumentin zu sein. Durch mein Handeln trage ich dazu bei, ein Gleichgewicht zwischen den Menschen, ihrer landwirtschaftlichen Tätigkeit und der Natur herzustellen.

Die Freiwilligenarbeit bedeutet mir sehr viel. Meine Zeit zu investieren und mich für eine Sache einzusetzen, die mir am Herzen liegt, erscheint mir alles in allem ganz normal! Man könnte sagen, dass es sich um ein Geben und Nehmen handelt: Ich trage dazu bei, dass die Alpen aktiv und produktiv bleiben und dass eine vielfältige Wildtierwelt erhalten bleibt. Und davon profitiere ich, denn ich liebe sowohl Käse als auch Wildtiere!

Ausserdem erfüllt es mich mit grosser Freude, Teil einer Gemeinschaft von über tausend Freiwilligen zu sein, die jedes Jahr eine oder mehrere Nachtwachen auf den Weidegebieten im Jura und in den Alpen durchführen. Darauf bin ich ein bisschen stolz!

Das gesellschaftliches Engagement dieser ganzen Gemeinschaft ist von Erfolg gekrönt: Dort, wo Freiwillige von Oppal nachts Wache hielten, gab es noch nie einen Wolfsangriff. Das ist das perfekte Beispiel für eine freiwillige, partizipative und konstruktive gesellschaftliche Initiative!

Das Zeitgefühl verlieren

Die Alpsaison 2025 ist vorbei, aber ich freue mich schon auf die nächste, und darauf, wieder dort oben bei den Herden zu sein. Wenn man nachts aktiv ist, hat man ein weniger klares Zeitgefühl; man verliert das Gefühl für die verstreichende Zeit. Es ist ein erstaunliches Erlebnis, wenn auch ziemlich anstrengend für den Körper!

Wenn ich an die Momente zurückdenke, in denen ich voller Begeisterung Dachse beobachtet habe, vergesse ich die Müdigkeit, die diese Nachtwachen mit sich bringen. Diese missverstandenen, ewig schüchternen Tiere sind doch so nützlich und wertvoll! Ich mag sie genauso gern wie die Kälber, die ich bewache!»

Interview und Redaktion: Claire Berbain, FiBL

Weiterführende Informationen

Verein Oppal (oppal.ch)
Alpwirtschaft (Rubrik Tierhaltung)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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