Die Kuratorinnen Nina Hübner und Maria Känel vom LID waren die treibenden Kräfte hinter der Entstehung der Ausstellung. Foto: FiBL, Adrian Krebs
Sie eröffneten die Ausstellung im Ballenberg gemeinsam: Martin Michel, Ballenberg, Virginie Bugnon, SBLV und Jonas Ingold, LID (v.l.). Foto: SBLV
SBLV-Präsidentin und FiBL Stiftungsrätin Anne Challandes berichtete über Fortschritte bei der Verbesserung der Rolle der Frau in der Landwirtschaft. Foto: FiBL, Adrian Krebs
Podium mit drei Generationen: Die Bäuerinnen Caroline Schori und Brigitte Müller, sowie die Landwirtin in Ausbildung Nina Hirsig (2., 3. u. 4.v.l.) berichteten über ihren Berufsalltag und die Rolle als Frau auf den Betrieben. Foto: FiBL, Adrian Krebs
In einem ehemaligen Bauernhaus aus der Berner Vorortsgemeinde Ostermundigen ist vergangene Woche eine Sonderausstellung über Frauen in der Landwirtschaft eröffnet worden. Im Freilichtmuseum Ballenberg steht trotz antiquarischer Atmosphäre nicht die traditionelle Frauenrolle im Mittelpunkt. Ausdrücklich sollen hier auch Gegenwart und Zukunft thematisiert werden, deshalb auch das Motto: «Frauen in der Landwirtschaft: gestern – heute – morgen».
Das Kopfkino kommt in Gang
Selbstverständlich wird trotz zeitgenössisch farbenfrohem Ausstellungsdesign auch ein Blick in die Vergangenheit geworfen. Die historischen Räumlichkeiten im Bauernhaus allein setzen schon das Kopfkino in Gang. Das ihrige trugen auch die Erzählungen der Referentinnen bei, darunter Erika Schläppi, Mitglied des Auschusses von CEDAW, einer UN-Organisation, die sich gegen Frauendiskriminierung zur Wehr setzt.
Schläppi berichtete über ihre Tante, die als Bergbäuerin in jeder Lebenslage Verpflegung für zahlreiche hungrige Mäuler hervorzuzaubern pflegte. Sie erinnerte daran, dass die Arbeitsbelastung für Bäuerinnen und Landwirtinnen gross bleibt: 40 Stunden pro Woche für Haushalt, Kinderbetreuung, Garten. Weitere 40 Stunden für Arbeiten auf dem Betrieb und auswärtige Erwerbsarbeit. «Mit 80 Wochenstunden bleibt nicht viel Zeit für die eigenen Bedürfnisse, für Partnerschaft oder Freizeitgestaltung», sagte Schläppi. Und sie wies darauf hin, dass noch heute häufig nach dem Mann verlangt wird, wenn Geschäftspartner auf dem Betrieb auftauchen.
«Oft die Position einer Lebenspartnerin ohne Eigentumsrechte»
Diese Situation kennen auch die drei Gästinnen des Podiumsgespräches, die drei Generationen vertraten: Brigitte Müller (65), Caroline Schori (44) und Nina Hirsig (29). Letztere berichtete aus ihrem Alltag, wo sie von den männlichen Berufskollegen jeweils besonders genau beobachtet werde, wenn sie mit Traktor und Anhänger rückwärts rangiere. Diese warteten nur auf die Bestätigung des Klischees, dass Frauen Mühe haben am Steuer. Allerdings lässt sie sich dadurch keineswegs einschüchtern. «Wir Frauen sind in der Landwirtschaft angekommen», sagte Hirsig selbstbewusst.
Die Ausstellung auf dem Ballenberg ist vom Freilichtmuseum, vom Landwirtschaftlichen Informationsdienst (LID) sowie vom Schweizerischen Bäuerinnen- und Landfrauenverband (SBLV) auf die Beine gestellt worden. SBLV-Präsidentin Anne Challandes sagte an der Eröffnung, dass die Frauen auf den Betrieben «oft noch die Position einer Lebenspartnerin ohne Eigentumsrechte» haben. In den knapp 48 000 Schweizer Landwirtschaftsbetrieben sind 37 Prozent der Beschäftigten Frauen. Aktuell werden laut Challandes aber weniger als 8 Prozent der Betriebe allein von einer Frau geführt. Im Vergleich zu den Nachbarländern sei das wenig.
70 Prozent tragen Verantwortung gemeinsam mit Partner
Dennoch deuteten einige Anzeichen auf eine positive Entwicklung hin, so Challandes. «Immer mehr Frauen übernehmen einen Betrieb mit immer grösseren Flächen.» 30 Prozent der Betriebe würden unterdessen von einer Frau als Bewirtschafterin in Partnerschaft mit einer oder mehreren Personen geführt. «Zudem wissen wir, dass etwa 70 Prozent der Frauen angeben, die Verantwortung für die Betriebsführung gemeinsam mit ihrem Partner zu tragen.»
Herzstück der vom LID konzipierten Ausstellung sind Porträts von Frauen, die der SBLV organisiert hat. Der Ballenberg selbst schlägt die Brücke zum gestern, wie es in der Mitteilung zur Eröffnung heisst, während begleitende Themen wie Bildung, soziale Sicherheit oder Vereinbarkeit von Familie und Beruf zeigen, wo die Frauen der Landwirtschaft heute stehen und welche Fragen ihnen die Zukunft stellen wird.
Der Ballenberg als Dokumentation ohne Worte
Die Ausstellung ist eine Reise wert, vielleicht sogar eine zweite. Neben den spannenden Fakten und Informationen dokumentiert ein kleiner Rundgang in den ausgestellten Häusern auf dem Ballenberg ohne grosses Zutun, wie beschwerlich das Leben von Landwirtinnen, Bäuerinnen und durchaus auch ihrer Männer vor noch nicht allzu langer Zeit war.
Adrian Krebs, FiBL
Weiterführende Informationen
Mehr zur Ausstellung (ballenberg.ch)
Die Webseite des SBLV mit weiteren Infos zum UNO-Jahr (landfrauen.ch)
Informationen zur Ausstellung auf der Website des LID (lid.ch)
