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Abschluss des Projekts, aber «Bern ist weiterhin Bio»

Meldung  | 

Vergangene Woche ist das Projekt «Bern ist Bio» abgeschlossen worden. In dieser zweiten Phase der Berner Biooffensive ging es um die Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette. Die Verantwortlichen äusserten sich positiv über die Ergebnisse und hoffen nun, dass das Erarbeitete trotz dem Ende der finanziellen Unterstützung durch den Kanton weitergeführt werden kann.

Das Projektteam von «Bern ist Bio» mit Regierungsrat Christoph Ammann (4.v.r.), Amtschef Michael Gysi (3.v.r.) und Kaspar Grünig, dem Leiter des Bildungszentrums Inforama (2.v.r.). Foto: FiBL, Adrian Krebs

Die Berner Biooffensive ist abgeschlossen. In den letzten zehn Jahren hatte der Kanton die Weiterentwicklung der Biolandwirtschaft gefördert und finanziell unterstützt. In den ersten fünf Jahren 2016 bis 2021 war es um die Erweiterung der Fläche gegangen, in den zweiten fünf um die Verbesserung der Zusammenarbeit entlang der Wertschöpfungskette. Das kantonale Budget für die zweite Tranche lag bei 2,5 Millionen Franken. Mit an Bord waren auch Inforama, das kantonale Bildungszentrum und die HAFL, die bernische Fachhochschule für den Land- und Lebensmittelsektor.  

Täglich 4400 Biomahlzeiten in Kantinen

Der Berner Volkswirtschaftsdirektor Christoph Ammann war Schirmherr der Biooffensive. Sie habe 2016 mit seinem Amtsantritt begonnen und werde nun mit seinem Abtritt abgeschlossen, sagte er vergangene Woche in Zollikofen BE. Er blickte zunächst zurück auf die ersten Jahre: «Wir haben 2000 ha zusätzliche Ackerfläche umstellen können, das hat einen Zuwachs von rund 300 Biobetrieben ergeben», sagte Ammann. 

Die Fläche allein reiche aber nicht, fuhr er fort, man müsse dafür sorgen, dass Bioprodukte auch auf dem Teller landen. Das war das Ziel der zweiten Phase des Projekts «Bern ist Bio». Vom Acker auf den Teller war das Schlagwort. Ammann sagte, das Projekt habe eindrückliche Zahlen generiert. 

Das Projektteam bezifferte diese wie folgt: 

  • 300 Tonnen zusätzliche Biorohstoffe in regionale Wertschöpfungsketten 
  • täglich rund 4400 Biomahlzeiten in der Gemeinschaftsverpflegung
  • 35 neue Lieferbeziehungen zwischen Landwirtschaft sowie Verarbeitung und Konsum
  • 31 neue Angebote und Dienstleistungen
  • 650 Akteure wurden vernetzt. 
  • 8 «InnoBio Bern»-Projekte wurden gefördert.

«Bio allein reicht häufig nicht»

Diese Zahlen zeigten, so Christoph Ammann, dass es gelungen sei, Brücken zu bauen zwischen Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel, Gastronomie und Bildung. «Was haben wir gelernt?», fragte Ammann. Es seien primär drei Erkenntnisse bezüglich erfolgreicher Vermarktung:

  • Gemeinschaftsgastronomie sei der stärkste Hebel, um etwas zu bewegen und Sichtbarkeit zu erreichen. 
  • Produkte mit tiefer Umstellbarriere wie Tofu, Hülsenfrüchte und Getrocknetes seien einfacher vermarktbar als saisonales Gemüse und Obst.
  • Bio allein reiche häufig nicht. Auch die Regionalität sei ein wichtiger Faktor. Erfolgreiche Produkte habe man dann, wenn Herkunftsgeschichten dahinter sind. Das schaffe Vertrauen. Bio sei ein Teil von solchen Geschichten.

«Es geht weiter, auch ohne kantonale Beteiligung», sagte Ammann abschliessend. Viele der Leistungen, die man aufgebaut habe, könne man weiterhin abrufen: Die Beratung, die Bildungsangebote oder erfolgreiche Projekte, für die man neue Trägerschaften sucht. «Es braucht für bestimmte Bereiche auch neue Finanzierungsmodelle», so der Regierungsrat. Er sei aber zuversichtlich, dass es Leute gibt, die das weiterführen könnten. 

Mehr Sichtbarkeit und Wertschätzung

«Wir haben Berner Bioprodukten zu mehr Sichtbarkeit und Wertschätzung verholfen, gemeinsam mit Bio Bern, zahlreichen Betrieben im Kanton, Schulen und Partnerorganisationen Wissen aufgebaut, Projekte entlang der Wertschöpfungskette begleitet und neue Brücken zwischen Produktion, Verarbeitung, Gesellschaft und Gastronomie geschaffen», bilanziert ihrerseits die Projektleitung. 

Mit «starken Events» wie dem Bio-Märit auf dem Bundesplatz oder dem Bio-Gipfel an der HAFL habe man Bio noch näher zu den Menschen gebracht. «Die Erfolge und Verbindungen, die in diesen fünf Jahren entstanden sind, bleiben bestehen – auch wenn das Projekt nun seinen Abschluss findet», so das Projektteam weiter.

Bioweiderind, Tofu, Pilze und Frites

Im Rahmen des Abschlussanlasses interviewte Inforama-Direktor Kaspar Grünig einige Vertreter*innen aus Projekten, die im Rahmen von «Bern ist Bio» unterstützt worden sind, sei es im Rahmen des Förderpreises oder mit anderen Beiträgen.

  • Das Projekt Bioweiderind will die Zahl der Biokälber erhöhen, die auf Biobetrieben gross und dann auch als Biokalbfleisch vermarktet werden. Landwirtin Regula Etter berichtete über die Schwierigkeiten und Erfolge. Ein wichtiger Faktor dabei ist auch die Vermarktung via die Metzgerei Simperl in Muri BE. 
  • Hannes Moser vom Biohof Trimstein, dessen Tofu bei der Vorstellung als «das Beste» angepriesen wurde, erzählte, dass die Projektförderung unter anderem geholfen habe, eine Broschüre zu publizieren.Diese zeigt auf, wie das vielerorts als wenig attraktive geltende Produkt in Privatküchen zu mundenden Menus verarbeitet werden kann.   
  • Severin Scheurer von Fungi Futuri in Steffisburg sagte, man habe mit den Mitteln unter anderem die Webseite inklusive Webshop renoviert und die hauseigene Mykothek ausgebaut. Dabei handelt es sich um eine Sammlung von aktiven Pilzkulturen. 
  • Beat Baumgartner vom Bogen 17 am Wohlensee, eingeführt als «Gamechanger der Pommes-Frites-Industrie» berichtete über die Fortschritte bei der Einführung von fermentierten Pommes. Die Fermentation leistet einen Beitrag zur energieeffizienteren Herstellung von Pommes.

Bio Bern dankt für das grosse Erbe

«Die Fortsetzung ist nicht ganz einfach», sagte Kaspar Grünig, es sei, wie wenn man aus einer Gratiszeitung eine kostenpflichtige machen wolle, so der Inforama-Leiter. Weitergeführt werden sollen die Unterstützung der Gemeinschaftsgastronomie und der Austausch von Gastronom*innen und Produzent*innen. Auch in der Grundausbildung soll die Verknüpfung zwischen Lernenden aus Land- und Lebensmittelwirtschaft weiter gepflegt werden. Ebenfalls Zukunft hat laut Grünig der Berner Bio-Gipfel, des jährlichen Treffpunkts der regionalen Bioszene. 

Beat Gerber, Präsident von Bio Bern, des kantonalen Verbands der Biolandwirt*innen bedankte sich für die geleistete Arbeit und die zahlreichen realisierten Projekte. «Bern ist Bio» habe eine riesige «Trucke» (=Schachtel) produziert, die nun nicht einfach in einer Schublade verschwinde, sondern von Bio Bern weiter genutzt werden könne. Es sei sehr viel wert, dass sein Verband dieses Erbe nun übernehmen könne.

Co-Projektleiter Lorenz Probst lieferte das passende Schlusswort. Man könnte jetzt sagen «Bern war Bio», dies sei aber keineswegs der Fall, stattdessen solle man sagen «Bern ist weiterhin Bio». 

Adrian Krebs, FiBL

Weiterführende Informationen

Website von Bern ist Bio (bernistbio.ch)
Website des Biohof Trimstein (biohof-trimstein.ch)
Website von Fungi Futuri (fungifuturi.ch) 
Website von Bogen 17 (www.bogen17.ch)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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