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«Es lohnt sich, beharrlich zu sein»

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Die Liebe zu den Kühen hat ihn zur Tiermedizin gebracht, am FiBL war er in Forschung, Beratung und Lehre tätig. Nach mehr als 25 Jahren am Institut ist Christophe Notz Ende März in Pension gegangen.

Christophe Notz im Stall des FiBL-Hofes. Foto: FiBL, Andreas Basler

Was hat dich ans FiBL gebracht?

Christophe Notz: Nach der Matur war ich zehn Jahre im Sommer auf der Alp und im Winter auf dem Bau. Ich war damals schon sehr interessiert an Homöopathie, habe mit Ende 20 eine Ausbildung dazu gemacht und schliesslich Veterinärmedizin studiert. Dafür war meine Liebe zu den Kühen entscheidend. Nach dem Studium haben wir mit Freunden einen Hof gekauft. In der Anfangszeit dort war ich arbeitslos gemeldet und dadurch gezwungen, Bewerbungen zu schreiben. Eine davon ging ans FiBL – und so habe ich sozusagen unter Zwang meinen Traumjob gefunden.

Was war dann dein Thema am FiBL?

Die Antibotikareduktion in der Milchviehhaltung mit Homöopathie, das war damals ein neues Feld. Durch eine Interventionssstudie konnten wir zeigen, dass sich der Antibiotikaeinsatz signifikant senken lässt. Ein Highlight war, dass die Ergebnisse in der SRF-Sendung «Menschen Technik Wissenschaft» gezeigt wurden, dem Vorgänger von «Einstein». Zudem konnte ich die Ergebnisse auf einem Weltkongress der Rindermedizin vorstellen. Dennoch wurden wir von verschiedenen Seiten angegriffen. Es hiess, wir würden in Kauf nehmen, dass die Tiere leiden und die Bauern verarmen. Beides konnten wir widerlegen. Es hat sich für mich immer wieder gezeigt, dass es sich lohnt, heikle Themen anzupacken, beharrlich zu sein und somit etwas zu bewirken.

Wie ging es mit diesem Thema weiter?

Im Folgeprojekt «Pro Q» konnten wir auf 140 Biobetrieben die Antibiotikamenge um 30 Prozent reduzieren ohne Verschlechterung des Tierwohls oder der Wirtschaftlichkeit. Es war aber zunächst nicht so einfach, die Ergebnisse in der Praxis zu verbreiten. Das kam später mit dem Beratungsangebot «Provieh».

Was wurde da gemacht?

Im Zentrum von «Provieh» stand der Wissensaustausch unter den Bäuerinnen und Bauern, gestartet wurde mit Stallvisiten und Arbeitskreisen. Zugleich war es uns und Bio Suisse wichtig, die Erkenntnisse aus Projekten wie «Pro Q» und «Feed no Food» in die Praxis zu bringen. Aus «Provieh» ist später «ProBio» hervorgegangen, mit inzwischen fast 60 Arbeitskreisen zu verschiedensten Themen.

Du hast «Feed no Food» erwähnt, woran habt ihr da geforscht?

Ausgelöst durch die weltweite Ernährungskrise 2007 haben wir mit «Feed no Food» ein grosses Projekt zur Kraftfutterreduktion in der Milchviehhaltung gestartet. Wir haben 70 Betriebe beraten und dabei On-Farm-Forschung betrieben. In den drei Jahren Projektlaufzeit konnte das Kraftfutter um ein Viertel reduziert werden bei einem Verlust von 0,7 Kilo Milch pro eingespartem Kilo Kraftfutter. Bis dahin wurde immer mit einem Verlust von zwei Kilo Milch gerechnet. Unsere Modellrechnungen haben gezeigt, dass mit den Einsparungen auf diesen 70 Betrieben 500 Menschen vor dem Hungertod geretten hätten werden können. Das zeigt, dass «Feed no Food» auch eine stark ethische Komponente beinhaltet.

Woran hast du sonst noch gearbeitet?

Wir haben zum Beispiel mit Kursen die Obsalim-Methode in der Schweiz bekannter gemacht. Dabei geht es darum, die Kühe im Stall oder auf der Weide zu beobachten und die Symptome zu interpretieren, die sie zeigen. Für mich wurde so beispielsweise klar, dass Wiederkäuer nicht ad libitum Futter verfügbar haben sollten, wovon ich früher überzeugt war. Sonst habe ich noch viele Einzelberatungen gemacht, an der ZHAW, der HAFL und der Demeter-Schule unterrichtet und war in den letzten Jahren an mehreren Projekten zur reduzierten Eiweissfütterung beteiligt.

Bei welchen Themen siehst du in der Biotierhaltung Verbesserungsbedarf?

Es gibt einige Themen, die angefasst werden sollten. Geflügel und Schweine sind traditionell Resteverwerter, die Fütterung mit Ackerfrüchten sehe ich sehr kritisch. Wenn wir Nutztiere halten, sollten das Wiederkäuer sein, die für uns nutzlose Ressourcen in Lebensmittel umwandeln. Generell sollten wir die Anzahl Nutztiere reduzieren, auch in Hinblick aufs Klima. Dafür müssten aber auch die Konsumentinnen und Konsumenten und der Handel in die Pflicht genommen werden.

Was hat dich so lange am FiBL gehalten?

Wie schon gesagt, hatte ich meinen Traumjob gefunden, ich wollte nie normaler Tierarzt werden. Ich konnte mit meinen Lieblingstieren arbeiten, mit Bäuerinnen und Bauern – und an Themen, die mich interessieren. Der Lohn war am Anfang nicht gut, mir war aber immer wichtig, dass ich meine Arbeit auch mit meiner Weltanschauung vereinbaren kann.

Und was bringt die Zeit nach dem FiBL?

Einen neuen Lebensabschnitt... Auch wenn ich beim Job mit Leidenschaft dabei war, habe ich immer noch einiges andere gemacht, für das jetzt mehr Zeit ist. Unter anderem für unser Stück Land und meine ausserparlamentarische politische Arbeit beim antifaschistischen Grauen Block in Basel. Und ich habe vor, auf der GTA, der Grande Traversata delle Alpi, zu wandern.

Interview: Theresa Rebholz, Bioaktuell

Weiterführende Informationen

Reduktion des Antibiotika- und Kraftfuttereinsatzes (Rubrik Gesundheit)
ProBio (Rubrik Beratung)
Feed no Food (Rubrik Milchviehhaltung)
Die Obsalim-Methode (Rubrik Milchviehhaltung)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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