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Geschäftsschliessungen in der Biobranche

Meldung  | 

Anfang Mai meldeten der Onlinehändler Farmy und die Pico Lebensmittel AG Konkurs an. Dazu kommen weitere Schliessungen in der Biobranche. Um von einer Krise des Biohandels zu sprechen, sind die Hintergründe aber zu unterschiedlich.

Nach den umsatzstarken Pandemiejahren seien vielerorts zu spät Umstrukturierungen für die Zeit danach vorgenommen worden. Foto: LID

Seit letzter Woche ist bekannt, dass die 2025 fusionierten Unternehmen Pico Lebensmittel AG und Farmy Konkurs sind. Ebenfalls bekannt wurde, dass die Mühlenbetreiberin GMSA ihren Standort in Zollbrück BE und damit die einzige grössere Biomühle in der Schweiz schliesst. Anfang Jahr stellte der Bio-Grossist Horai aus Bern den Betrieb ein. Die Biosupermärkte von Alnatura gingen schon 2025 zu. Martin Schiller, Geschäftsführer der Terra Verde AG aus Zürich, sieht die Entwicklung mit Sorge: «Mit den Schliessungen zerreibt es einen Teil der Strukturen im Biohandel». 

Das Importunternehmen für biologische Lebensmittel konnte den Absatz nach dem Wegfall von Alnatura erfolgreich auffangen. Martin Schiller ist zuversichtlich, auch nach dem Ende von Pico Bio geeignete Ersatzlösungen zu finden. Das Problem, dass Preismargen im Biohandel und Bereich Food aktuell sehr eng berechnet werden, würde aber weiter bestehen.

Schliessungen trotz guter Umsätze

Andere Stimmen verweisen allerdings darauf, dass der Preiskampf eigentlich schon sehr lange bestehe und sich auch wenig verschärft hätte. Andreas Lieberherr, Geschäftsführer von Bio Partner, sieht zwei ausschlaggebende Punkte: «Unternehmen brauchen heute sicher eine gewisse Grösse, um überleben zu können und zudem wurden nach den umsatzstarken Pandemiejahren vielerorts zu spät Umstrukturierungen für die Zeit danach vorgenommen». Die Umsätze mit Biolebensmittel seien entgegen Medienberichten nicht eingebrochen, der Hype sei einfach sicher vorbei. «Gerade nach diesen starken Pandemiejahren mussten auch wir das Verhältnis von Umsatz und Kosten immer wieder genau anschauen», so Andreas Lieberherr. Ansonsten könnten die Zahlen langfristig in Schieflage geraten.

Ein Problem für die Biobranche sieht er in den Schliessungen nicht. Schon nach dem Einstellen der Betriebstätigkeit von Horai konnte Bio Partner rasch in die Bresche springen und den Absatz auffangen. «Wir haben das gut hinbekommen, die Kunden sofort zu bedienen und können das jetzt auch in dieser Situation», so Andreas Lieberherr. Die Voraussetzungen für Farmy und Pico Bio seien im Vergleich zu den anderen Fällen so unterschiedlich gewesen, dass man kaum von einem grundsätzlichen Problem im Biohandel reden könne, auch wenn es jetzt nach einer Häufung von Schliessungen aussieht. 

Höhere Transportkosten durch fehlende Infrastruktur

Brigit Brunner von Biofarm sieht wie Andreas Lieberherr von Bio Partner vor allem strukturelle Gründe hinter den Schliessungen: «Je kleiner, desto aufwändiger, desto weniger lohnend». Die Schliessung der Mühle in Zollbrück kommt für Brigit Brunner allerdings überraschend. Trotz der Fusion der GMSA mit der E. Zwicky AG 2025 hat niemand mit so einer Strukturbereinigung gerechnet. «Aber mit der neuen Steinmühle Moulin du Valais SA wurde das offenbar notwendig», so Brigit Brunner. Die Zusammenarbeit von Biofarm mit der GMSA werde von beiden Seiten her nicht in Frage gestellt. Das Mehl komme künftig aus der Mühle Granges-près-Marnand VD. Problematisch könne allerdings sein, dass durch die längere Distanz auch höhere Transportkosten anfallen. «Beim Mehl ist die Marge so eng, da wirken sich höhere Kosten sofort auf den Preis aus», so Brigit Brunner. Ebenfalls ein Problem könnte sein, dass ohne Mühle die regionalen Lager und Getreidesammelstellen schwieriger aufrechtzuerhalten sind.

In gewissen Segmenten wünscht sich Brigit Brunner wieder etwas mehr Schwung. Schweizer Hülsenfrüchte seien derzeit nicht einfach abzusetzen, auch bei der Hirse laufe der Markt träge. Biofarm sei deswegen aber im Gespräch mit Bio Suisse. Die Mengen wären vorhanden. «Es ist schade, wenn wir mit motivierten Landwirtinnen und Landwirten wegen Überlagerungen keine Anbauverträge abschliessen können», so Brigit Brunner.

Jeremias Lütold, FiBL

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Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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