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«Der Westschweizer Biosektor ist in den letzten zehn Jahren gereift»

Meldung  | 

Im Jahr 2026 feiern Bio Suisse und das FiBL das zehnjährige Jubiläum ihrer verstärkten Präsenz in der Westschweiz. Eine Gelegenheit, ihre beiden Verantwortlichen, Pascal Olivier und Raphaël Charles, zu interviewen.

Pascal Olivier (links) ist Leiter der Westschweizer Niederlassung von Bio Suisse. Raphaël Charles leitet die Abteilung Westschweiz des FiBL. Fotos: Claire Berbain, FiBL

Ihr leitet die Westschweizer Zweigstelle von Bio Suisse beziehungsweise das Departement Westschweiz des FiBL seit nunmehr zehn Jahren. Wie steht es eurer Meinung nach um den Biosektor in der Romandie?

Pascal Olivier: Im Vergleich zu vor zehn Jahren steht der Biosektor insgesamt gut da. In der Westschweiz gibt es mittlerweile mehr als 1200 Biobetriebe, womit eine gewisse kritische Masse erreicht ist. Der Umsatz – der Bio oft noch legitimiert – steigt seit zehn Jahren, auch wenn derzeit eine Tendenz zur Stabilisierung zu beobachten ist. Die Dynamik der Umstellungen ist übrigens ähnlich. So gab es im Jahr 2025 im Biosektor ebenso viele «Neuzugänge» wie «Abgänge». Ich sehe darin etwas Positives: Es ist kein Tabu, wieder zur konventionellen Landwirtschaft zurückzukehren. Der Biolandbau muss ein Bereich bleiben, bei dem man frei ein- und aussteigen kann, ohne dass dies eine besondere symbolische Bedeutung hat.

Raphaël Charles: Ich glaube, dass Bio in der Westschweiz eine gewisse Reife erreicht hat. Die Art und Weise, wie über uns gesprochen wird, hat sich nämlich parallel zu unserem Wachstum gewandelt. Mittlerweile begegnet uns der konventionelle Agrarsektor mit mehr Respekt, auch wenn sich sein auf intensiver Landwirtschaft basierendes Modell nicht grundlegend geändert hat. Andererseits wurde befürchtet, dass die aus wirtschaftlichen Gründen erfolgten Umstellungen auf Bio nicht von Dauer sein könnten. Das hat sich überhaupt nicht bestätigt. Was hingegen die Richtlinien betrifft, so stelle ich fest, dass zwar in den letzten zehn Jahren keine Kompromisse eingegangen wurden, sich die Richtlinien aber im Hinblick auf die neuen ökologischen und technologischen Herausforderungen kaum weiterentwickelt haben.

Ist Bio etwas gemässigter geworden?

R.C.: Meiner Meinung nach hat sich der Biolandbau in Bezug auf seine grundlegenden Ziele teilweise konventionalisiert. Unser Diskurs ist heute beispielsweise weniger kämpferisch als früher, was die Frage der Pestizide angeht – was dazu beigetragen hat, Bio aus seiner Nische herauszuholen. Wir haben eine gewisse Gelassenheit erreicht, doch diese darf nicht blind machen. Es gibt noch viel zu tun, insbesondere was die allgemeine Funktionsweise des Agrar- und Ernährungssystems betrifft.

P.O.: Genau! Und die Lebensmittelverschwendung ist das perfekte Beispiel dafür: Biokarotten werden aus dem Handel genommen, nur weil sie den Anforderungen der Grossverteiler an die Grösse nicht gerecht werden. Das entspricht ehrlich gesagt nicht der Vorstellung von Nachhaltigkeit, für die wir eintreten.

Was sind die grössten Erfolge, die ihr jeweils in den letzten zehn Jahren erzielt habt?

P.O.: Es ist uns gelungen, innerhalb der grossen Familie der Bio-Knospe in der Westschweiz ein echtes Zugehörigkeitsgefühl zu schaffen. Es entsteht eine neue Generation von Bioproduzentinnen und -produzenten, die die Organisation nach ihren Vorstellungen weiterentwickeln. Mir scheint, dass sich auch ein kollektives Bewusstsein entwickelt, dass wir gemeinsam stärker sind und dass es viel mehr Vorteile bringt, Mitglied bei Bio Suisse zu werden, als dem Verband nicht beizutreten. Dank ihren strengen Richtlinien ist die Knospe weit mehr als nur ein Produktionsstandard geworden: Sie ist mittlerweile ein echter Qualitätsmassstab – Bioweine sind der beste Beweis dafür!

R.C.: Was das FiBL betrifft, so darf man nicht vergessen, dass wir mit einem kleinen Team gestartet sind, ohne ein klares Ziel vor Augen zu haben – ausser uns für den Biolandbau einzusetzen! Heute besteht unser Departement aus einem multidisziplinären, eingespielten Team von 17 Mitarbeitenden. Es gilt daher, all jenen zu danken, die an die Entwicklung dieser Westschweizer Zweigstelle geglaubt und daran mitgewirkt haben. Gemeinsam ist es uns gelungen, eine klare Vision zu entwickeln und sie langfristig umzusetzen. Mit Zufriedenheit erfüllen uns zudem die Kooperationen, die wir mit anderen Institutionen in der Westschweiz aufbauen konnten.

Wie sieht es mit der Zusammenarbeit zwischen dem FiBL und Bio Suisse in der Westschweiz aus?

R.C.: In den ersten Jahren haben wir Hand in Hand gearbeitet und engen Kontakt gepflegt. Die Tatsache, dass wir uns im selben Gebäude befinden, hat die Zusammenarbeit, die uns auf unsere gemeinsamen Wurzeln zurückbringt, eindeutig erleichtert. Auch heute noch entwickeln wir uns gemeinsam weiter, tauschen uns regelmässig aus und achten darauf, diesen Zusammenhalt zu pflegen.

P.O.: Ja, unsere Rollen ergänzen sich, und wir achten darauf, unseren Platz und unsere Verantwortung klar abzugrenzen, auch gegenüber anderen Institutionen wie Agridea. Was mich betrifft, so trage ich in meiner Funktion bei Bio Suisse dazu bei, den Initiativen, die das FiBL in der Westschweiz durchführt, Legitimität zu verleihen.

Könnt ihr konkrete Beispiele dieser Zusammenarbeit nennen?

R.C.: Einer der Ausgangspunkte betraf die regionale Vertragslandwirtschaft und Microfermes. Dabei handelt es sich für uns um ein eigenständiges Forschungsthema, bei dem die Zusammenarbeit mit Bio Suisse sehr wertvoll ist. Auch wenn diese Produktionsmodelle noch in der Minderheit sind, sind sie für den Wandel des Agrar- und Ernährungssystems von grossem Interesse. Sie legen nämlich grossen Wert auf den engen Kontakt zwischen Produzierenden und Konsumierenden und verdienen es daher, untersucht und unterstützt zu werden.

P.O.: Ich denke, dass der Mischanbau von Getreide und Hülsenfrüchten historisch gesehen im Mittelpunkt der Zusammenarbeit zwischen Bio Suisse und dem FiBL stand, insbesondere in den ersten Jahren, dank der Arbeit unserer Vorgänger, Maurice Clerc und Josy Taramarcaz, und auch heute noch zentral ist.

Was sind eurer Meinung nach die wichtigsten künftigen Herausforderungen für den Biosektor in der Westschweiz?

R.C.: Sie stehen vor allem im Zusammenhang mit der Ausdehnung unserer Arbeit auf die gesamte Lebensmittelkette – auf die Bereiche Verarbeitung und Vertrieb. Dies ist ein entscheidender Aspekt, da es darum geht, die landwirtschaftliche Produktion aufzuwerten.

P.O.: Ich stimme Raphaël in diesen Punkten zu. Es ist unerlässlich, die gesamte Branche einschliesslich der Absatzmärkte zu betrachten, wenn sich der Biosektor weiterentwickeln soll. Das Angebot an Ausser-Haus-Verpflegung stellt in dieser Hinsicht einen wichtigen Hebel dar. Durch eine stärkere Förderung von Bioprodukten in der Gemeinschaftsverpflegung könnte die Anbaufläche, die nach den Knospe-Richtlinien bewirtschaftet wird, in der Schweiz verdoppelt werden. Genau aus diesem Grund haben wir Brigitte Streit in der Westschweizer Zweigstelle von Bio Suisse eingestellt.

R.C.: Zudem müssen wir uns intensiver mit den Aspekten Klima, Landschaft und Biodiversität auseinandersetzen, insbesondere in Spezialkulturen wie dem Obst- und Weinbau. Die aktuelle Krise im Weinbau wirft Fragen auf: Die Probleme der Zukunft lassen sich nicht dadurch lösen, dass man resistente Rebsorten anpflanzt oder Rebstöcke rodet!

Seid ihr zu unverzichtbaren Akteuren in der Westschweizer Landwirtschaft geworden?

P.O.: Wir haben den Sprung von einer fast vollständigen Unsichtbarkeit zu einer echten und deutlichen Präsenz geschafft. Dennoch sind wir nach wie vor in der Minderheit – und werden oft an den Rand gedrängt. Es ist immer noch schwierig, unserem Standpunkt Gehör zu verschaffen, insbesondere in den kantonalen Landwirtschaftsverbänden. Auf kommunaler Ebene oder in den kantonalen Verwaltungen ist der Handlungsspielraum hingegen grösser.

R.C.: Tatsächlich planen die Institutionen aus dem Agrarbereich die Zukunft oft weiterhin, ohne zu versuchen, uns einzubeziehen. Daher ist es für unsere beiden Organisationen unerlässlich, neue Partnerschaften aufzubauen, um unsere Position zu stärken. Insgesamt gesehen geht der aktuelle Trend zu einer Kürzung der Forschungsmittel. Wir müssen uns daher unbedingt den künftigen Herausforderungen stellen und unseren Vorsprung bewahren.

Welchen Wunsch würdet ihr euch mit einem Zauberstab erfüllen?

P.O.: Mein Wunsch wäre es, für jeden Fachbereich von Bio Suisse (Obst, Fleisch, Milch usw.) über eine Person in unserem Büro in Lausanne zu verfügen. Dadurch könnte ein echtes Westschweizer Team gebildet werden, das in direktem und ständigem Kontakt mit Basel steht. Viele Projekte entstehen bei informellen Gesprächen, zum Beispiel in der Kaffeepause. Allgemeiner gesagt, möchte ich das Ideal – dass Bio den Planeten ernähren kann – weiterleben lassen, indem wir gegen den Strom schwimmen und bereichsübergreifend arbeiten.

R.C.: Ich für meinen Teil würde mir wünschen, dass mehr kantonale Ämter aus den Bereichen Landwirtschaft und Umwelt die Rolle des FiBL in der Westschweiz voll und ganz anerkennen, insbesondere durch spezifische, auf unsere Kompetenzen zugeschnittene langfristig angelegte Vereinbarungen.

Interview: Claire Berbain, FiBL, und Emma Homère, Magazin Bioaktuell

Weiterführende Informationen

10 Jahre Biosektor Westschweiz (10ans.bioactualites.ch, auf Französisch)
2026, das Biojahr in der Westschweiz (2.0 MB) (Pressemappe, auf Französisch)
FiBL Departement Westschweiz (fibl.org)

 

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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