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Volle Lager und die Suche nach robusten Sorten

Meldung  | 

Die FiBL Biokartoffelbautagung 2026 rückte neben Marktfragen insbesondere Sortenwahl, Pflanzgutversorgung, Nährstoffmanagement und Bewässerung in den Mittelpunkt. Da 2025 vielerorts Rekorderträge erzielt wurden, beschäftigen die Produzent*innen zurzeit die vollen Lager, aber auch Sortenengpässe und witterungsbedingte Herausforderungen.

Kartoffelsorten aus dem FiBL Sortenversuch. Foto: FiBL, Corinne Obrist

Tobias Gelencsér fragte die Teilnehmenden, welche Kartoffelsorten sich auf ihren Betrieben bewähren. Foto: FiBL, Corinne Obrist

Die Nachfrage für Biokartoffeln im Schweizer Detailhandel blieb laut Ilona Stoffel von Bio Suisse stabil. In der Industrie legte der Absatz 2025 sogar zu, nicht zuletzt aufgrund der Umstellung der Coop-Restaurants auf Bio Cuisine und der steigenden Nachfrage nach Pommes Frites.

Frühkartoffelimporte trotz gefüllter Lager

Trotzdem sind die Lager nach der grossen Ernte 2025 weiterhin gut gefüllt. Der Entscheid von Bio Suisse, Coop den Import von 1000 Tonnen Knospe-Babykartoffeln zu erlauben, sorgte an der Tagung in Frick dementsprechend für Irritation. Der Frust darüber, dass Schweizer Ware liegen bleibt, während importierte Knollen in die Regale kommen, war deutlich spürbar. Stoffel betonte jedoch: «Nur so können wir verhindern, dass Coop auf EU‑Bio ausweicht.»

Christian Landzettel von Bioland Deutschland erinnerte an eine ähnliche Situation in Deutschland, als Produzent*innen vor rund zehn Jahren alte Knollen vor Aldi‑Filialen verschenkten, um Konsumierende auf das Problem aufmerksam zu machen, mit Erfolg. In Österreich bestehe laut Franz Haslinger von Bio Austria zudem ein Gentlemens Agreement, keine Biofrühkartoffeln aus Afrika zu importieren. In der Schweiz sei die Situation jedoch anders, betonte Stoffel, durch die Zusammenarbeit mit Coop könne Bio Suisse Zeitpunkt und Menge der Importe mitsteuern.

Peter Pan und Oscar überzeugen in der Sortenprüfungen

Auch wenn die Sortenwahl für den Anbau 2026 bereits gefallen ist, präsentierte Tobias Gelencsér vom FiBL die Ergebnisse der aktuellen Sortenversuche. Bei den mehligkochenden Sorten zeigte Peter Pan vielversprechende Ergebnisse: hohe Toleranz gegen Krautfäule und Alternaria, guter Geschmack und Eignung für industrielle Hochtemperaturverarbeitung.

Im abgeschlossenen Versuch 2023/2024 mit festkochenden Sorten überzeugten Thalia und Oscar. Thalia wird vom niederländischen Züchter jedoch voraussichtlich zurückgezogen. Oscar zeigte robuste Toleranzen und solide Erträge sowie guten Geschmack, doch die Stärkeeinlageurng muss unter Umständen gebremst werden, um den festkochenden Charakter zu bewahren.

Welche Sorte wird tatsächlich vermehrt?

Mengenmässig wäre genügend Biopflanzgut vorhanden, doch die grosse Sortenvielfalt erschwert eine stabile Versorgung. Laut Patrick Kreienbühl von Inoverde sind aktuell 17 Sorten in Bioqualität in der Vermehrung, doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Die zentrale Herausforderung bleibe die Frage, wann und in welcher Menge die Vermehrung einer Sorte beginnen solle.

Die Sortenvermehrung startet häufig mit kleinen Importmengen, die biologische Produktion folgt erst später. Zusätzlich sind 71 konventionelle Sorten über Ausnahmebewilligungen für den Bioanbau zugelassen. Für diese ist eine Lenkungsabgabe zu entrichten, deren Umsetzung an der Tagung intensiv diskutiert wurde. Insbesondere grosskalibriges Pflanzgut aus dem Ausland verursacht entsprechend hohe Abgaben. Vorgeschlagen wurden unter anderem flächenbezogene Abgaben oder digitale Zählsysteme.

Bodenstruktur vor Nährstoffgaben

Christian Landzettel erinnerte daran, dass eine schlechte Bodenstruktur sich auch mit optimaler Düngung nicht kompensieren lässt. Grundlage einer guten Nährstoffplanung sei eine regelmässige Bodenanalyse, insbesondere bei Kulturen mit hohem Entzug wie der Kartoffel. Kalium ist der entscheidende Nährstoff, rund 200 kg/ha werden bei 30 t/ha Ertrag benötigt. 

Der Stickstoffbedarf liegt bei rund 140 kg/ha Gesamtangebot, abhängig von Sorte und Standort. Low‑Input‑Sorten wie Agria oder Jelly benötigen weniger N, während Belana oder Gunda deutlich höhere Mengen brauchen. Zwischenfrüchte können zur Stickstoffversorgung beitragen: Leguminosen fixieren Luftstickstoff, andere Arten erhöhen die Verfügbarkeit vorhandener Nährstoffe. Unverrottete organische Matten im Damm sind jedoch zu vermeiden, da sie Rhizoctonia begünstigen.

Beim Einsatz organischer Dünger ist sowohl ihr Nährstoffgehalt als auch ihre Umsetzungsdynamik entscheidend. Gülle wirkt schnell, während Stallmist und Kompost deutlich früher in der Fruchtfolge eingebracht werden sollten. Höhere Erträge erfordern gemäss Landzettel nicht automatisch höhere N‑Gaben, die tatsächliche N‑Verfügbarkeit hängt stark von Bodenstruktur und Witterung ab.

Tropfbewässerung – punktgenau aber arbeitsintensiv

Da Kartoffeln mit dem eher schwachen Wurzelwerk sensibel auf Trockenheit reagieren, spielt die Wasserversorgung eine zentrale Rolle. Simon Lüscher und Ruedi Bertschi berichteten von ihren Erfahrungen mit Tropfbewässerung. Diese ermöglicht punktgenaue Wassergaben, reduziert Verdunstungsverluste und sorgt für eine bessere Bodenkühlung. Da keine Blattbenetzung stattfindet, ist der Krankheitsdruck geringer.

Das System ist jedoch arbeitsintensiv: Installation, Pflege und Entfernen der Schläuche verursachen hohen Aufwand, und die Materialkosten liegen bei über 2000 Franken pro Hektar. Für Frühkartoffeln, biologische Produktion und Qualitätsprogramme rechnen sich die Investitionen für die beiden Betriebe dennoch – unter anderem wegen des gleichmässigen Knollenansatzes und der homogeneren Kaliberverteilung.

Viele Puzzleteile müssen zusammenpassen

Die Tagung zeigte, wie vielfältig die Stellschrauben im Biokartoffelbau sind. Robuste Sorten, eine gezielte Nährstoffversorgung, durchdachte Zwischenfrüchte und effiziente Bewässerungssysteme sind Elemente, um die immer häufiger schwankenden Ertragsbedingungen abzufedern. Gleichzeitig bleibt die Frage nach einer verlässlichen Pflanzgutversorgung und einem ausgewogenen Markt zentral.

Corinne Obrist, FiBL

Weiterführende Informationen

Kartoffelbautagung (Rubrik Ackerbau)
Sortenliste Kartoffeln (Rubrik Sortenlisten)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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