Wie kürzlich berichtet, kommt an der Bio Suisse-Delegiertenversammlung (DV) vom 15. April erneut ein Antrag für die Zulassung von Spermasexing zur Abstimmung. Dieser ist breiter abgestützt als die drei vorangehenden in den Jahren 2015, 2020 und 2021. In allen drei Anläufen gab es mehr oder weniger deutliche Nein-Mehrheiten.
Vorstand anerkennt «breites Bedürfnis», sagt Ja…
Eher überraschend befürwortet dieses Mal auch der Vorstand von Bio Suisse den Antrag für Spermasexing, nachdem er die vorangegangenen Anläufe erfolgreich abgelehnt hatte. «Der Vorstand anerkennt, dass der neuerliche Antrag, eingereicht im Namen von gleich zwölf Mitgliedorganisationen, ein im Verband ausgeprägtes und breit vorhandenes Bedürfnis zum Ausdruck bringt», heisst es in der Stellungnahme.
Mit der gezielteren Zucht der Milchviehherde sowie der vermehrten Einkreuzung von Mastrassen könnten sich die Milchvieh-Betriebe besser an den Erfordernissen der biologischen Produktion sowie des Marktes ausrichten, so der Vorstand weiter. Zudem setzten die strengen Fütterungsrichtlinien der einseitigen Zucht auf Milchleistung bereits genügend Grenzen.
… und will keine verknüpften Bedingungen
Die Zulassung von Spermasexing soll zudem nicht an Bedingungen geknüpft werden. Zwar bestehe Einigkeit darüber, dass eine längere Lebenszeit auf dem Geburtsbetrieb positive Auswirkungen auf die Gesundheit der Kälber hat und dass allein durch vermehrte Mastrassenbelegung nicht automatisch mehr Biokälber dem Biokanal zugeführt werden.
Diese Themen müssten aber unabhängig vom Spermasexing weiterentwickelt werden und mit geeigneten Instrumenten und Massnahmen Anreize für das Abtränken sowie zur Förderung der Weidemast geschaffen werden, so der Vorstand, «es gilt nun, dem ausgeprägten Anliegen der Produzent*innen Rechnung zu tragen».
Antragsstellende sind zufrieden
Der zur Abstimmung stehende Antrag ist breit abgestützt. Zwölf Mitgliedorganisationen haben ihn unterzeichnet. Vorangetrieben wurde das Projekt von einer siebenköpfigen Kerngruppe mit Vertreter*innen aus verschiedenen Regionen. Die Kerngruppe zeigt sich auf Anfrage zufrieden mit dem Entscheid des Vorstands: «Im Namen der Kerngruppe und aller Personen, die sich mit dem Antrag zum Thema Spermasexing beschäftigt haben, möchten wir dem Vorstand von Bio Suisse für seine klare Position herzlich danken», schreibt Progana-Direktor Kurt Zimmermann stellvertretend. «Mit der Annahme des Antrags würden die Delegierten zeigen, dass sich die Knospe an veränderte Rahmenbedingungen bei Bedarf anpassen kann und so zur Sicherung der Zukunft der Biotierhaltungsbetriebe beiträgt», so Zimmermann.
Adrian Krebs, FiBL
