Technisch ist die Verlängerung der Erdbeersaison anspruchsvoll. Hinzu kommen spezifische Herausforderungen des Biolandbaus. Späte Kulturen sind länger Witterungsrisiken wie Hitze, Hagel oder Starkniederschlägen ausgesetzt. Gleichzeitig nimmt mit der längeren Standdauer der Pflanzen auch der Druck durch Krankheiten und Schädlinge zu, während im Biolandbau nur begrenzte direkte Pflanzenschutzmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Anspruchsvolle Verlängerung der Erntezeit
Die Schweizer Bioerdbeerproduktion basiert überwiegend auf sogenannten einmaltragenden Sorten, die im Juli oder August gepflanzt werden und im folgenden Frühjahr ihre Haupternte liefern. Dieses Produktionssystem ist auf einen hohen Ertrag während einer kurzen Zeitspanne ausgelegt. Die Folge sind starke Produktionsspitzen und anschliessende Versorgungslücken.
Eine zeitliche Verschiebung der Ernte kann grundsätzlich über zwei Strategien erfolgen: Verfrühung oder Verzögerung der Kultur. Verfahren zur Verfrühung – etwa der Einsatz von Folientunnel, Abdeckung mit Vlies-Folien, frühen Sorten und schwarzer Plastikfolie – sind in der Praxis etabliert und ermöglichen eine Ernte bereits ab Mitte April / Anfang Mai. Deutlich schwieriger ist die Verzögerung der Produktion. Späte Sorten, weisse Mulchfolien oder Strohabdeckungen können die Ernte zwar bis Ende Juni hinauszögern, reichen jedoch nicht aus, um grössere Mengen Schweizer Bioerdbeeren bis Ende Juli bereitzustellen.
Erprobte Ansätze und neue Produktionssysteme
Ein durch den Coop Fonds für Nachhaltigkeit finanziertes Projekt des FiBL untersuchte, wie sich die Erntezeit von Schweizer Bioerdbeeren gezielt verlängern lässt. Das Forschungsteam testete zunächst Verfahren, die auf einer künstlichen Verlängerung der Winterruhe beruhen. Dazu wurden einmaltragende Erdbeerpflanzen tiefgekühlt gelagert und erst im Frühjahr ausgepflanzt, um Blüte und Ernte zu verzögern. Während sich dieses Verfahren im konventionellen Anbau bewährt hat, erwies es sich im biologischen Anbausystem als wenig geeignet: Nach der späten Pflanzung konnten die Pflanzen nicht genügend Blattmasse bilden, sodass die Erträge für eine wirtschaftliche Nutzung zu gering blieben.
Erfolgversprechender war der Einsatz dauertragender Erdbeersorten. Diese bilden im Gegensatz zu klassischen Sommererdbeeren (einmaltragend) mehrmals jährlich Blüten und Früchte. In Zusammenarbeit mit einem Praxisbetrieb im Wallis wurden die Pflanzen im Frühjahr gesetzt und die ersten Blüten von Hand entfernt, um die erste Ernte gezielt zu verschieben. Dadurch konzentriert sich die Fruchtbildung auf den Juli und die Folgemonate. Die Versuche zeigen, dass mit diesem Produktionssystem erstmals nennenswerte Handelsmengen Schweizer Bioerdbeeren nach der traditionellen Hauptsaison erzeugt werden können.
Bedeutung für Produktion und Markt
Mit der Saisonverlängerung verteilt sich die Arbeitsbelastung besser über die Saison. Für Handel und Konsument:innen bedeutet sie eine längere Verfügbarkeit von Schweizer Bioerdbeeren und damit eine geringere Abhängigkeit von Importware während des Sommers.
Im Anbau zeigt das Projekt, dass eine erfolgreiche Saisonverlängerung nicht allein von der Sortenwahl oder dem Sortentyp abhängt. Entscheidend ist die Kombination aus geeignetem Produktionssystem, Standortwahl, Kulturführung und einem konsequenten Ausbrechen der ersten Blüten. Die bisherigen Ergebnisse liefern dafür eine wichtige Grundlage und zeigen, dass sich auch im biologischen Anbau neue Produktionsfenster erschliessen lassen, wenn Forschung und Praxis eng zusammenarbeiten.
Jeremias Lütold, FiBL
Der Artikel erscheint im Bioaktuell Magazin 6|26 mit dem Themenschwerpunkt «Alles Mist - von Dungfauna bis Mistkompostierung».
Weiterführende Informationen
Zum Projekt: Saisonverlängerung Schweizer Biotafelerdbeeren (fibl.org)
Biobeerenobst (Rubrik Pflanzenbau)
