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Kleinbauern wollen Hofsterben bremsen und mehr junges Blut

Meldung  | 

Wie die landwirtschaftliche Strukturerhebung 2025 zeigt, ist die Anzahl der Bauernbetriebe in der Schweiz im vergangenen Jahr erneut gesunken: 805 Höfe haben den Betrieb eingestellt. Die Kleinbauern-Vereinigung will sich dagegen vehement zur Wehr setzen und die ausserfamiliäre Hofübergabe fördern.

Laut der Kleinbauern-Vereinigung will der Bundesrat mit der Agrarpolitik 2030+ das Hofsterben aktiv fördern. Dagegen wehrt sie sich auch politisch. Foto: VKMB

Grafische Darstellung des Strukturwandels in der Landwirtschaft in den letzten 25 Jahren. Grafik: VKMB

Pro Tag haben auch im vergangenen Jahr mehr als zwei Betriebe ihre Stalltore definitiv geschlossen. «Seit dem Jahr 2000 haben somit 24'267 Bauernhöfe ihren Betrieb eingestellt», schreibt die Kleinbauern-Vereinigung (VKMB) in einer Mitteilung, das entspreche einen Rückgang um einen Drittel. Die durchschnittliche Nutzfläche pro Betrieb ist im gleichen Zeitraum um 7,3 Hektaren bzw. um 48 Prozent angewachsen. 

«Wachse oder weiche»-Strategie des Bundesrats

Laut VKMB ist diese Entwicklung mit eine Vielzahl negativer Folgen verbunden: «Eine Landwirtschaft mit immer weniger, einseitig spezialisierten Betrieben schafft Abhängigkeiten, schwächt die Resilienz und damit die Versorgungssicherheit der Schweiz», heisst es in der Mitteilung. Zudem stelle die Übernahme eines grossen, kapitalintensiven Betriebs eine enorme finanzielle Herausforderung dar. Im weiteren macht sich die VKMB Sorgen um die Akzeptanz der Direktzahlungen in der Bevölkerung, wenn immer grössere Betriebe immer mehr öffentliche Beiträge erhalten.

Ungeachtet dessen wolle der Bundesrat mit der Agrarpolitik 2030+ die Schwellenwerte für den Bezug von Direktzahlungen und Strukturverbesserungen substanziell anheben um «Flächenwachstum zu ermöglichen». Durch diese Anhebung würden mehrere Tausend Bauernbetriebe von heute auf morgen keine Direktzahlungen mehr erhalten und wären dadurch in ihrer Existenz bedroht, befürchtet die VKMB. Der Bundesrat setze damit seine «Wachse oder weiche»-Strategie fort und nehme Verlust der Vielfalt bewusst in Kauf. «Stattdessen setzt er auf eine industrielle Landwirtschaft mit immer weniger, grossen und einseitig spezialisierten Betrieben». 

Nur 44 Prozent haben innerfamiliäre Nachfolge

Die VKMB werde sich dagegen laut der Mitteilung «vehement zur Wehr setzen». Sie wolle dem Hofsterben entgegenwirken und den Generationenwechsel fördern. 42 Prozent der Betriebsleitenden in der Schweiz erreichten in den kommenden zehn Jahren das Rentenalter oder hat dieses bereits erreicht. Eine Umfrage aus dem Jahr 2016 zeige, dass die Betriebsweiterführung durch die Familie längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Nur gerade bei 44 Prozent der über 50-jährigen Betriebsleitenden war diese zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich. 

Fehlt es zum Zeitpunkt der Pension an einer familieninternen Nachfolgelösung, werde der Betrieb oft aufgegeben das Wohnhaus abparzelliert und das Land verpachtet oder verkauft. Die Abwesenheit einer Nachfolge in der Familie wird somit laut VKMB zu einem treibenden Faktor für das Hofsterben. Dabei suchten zahlreiche gut ausgebildete Landwirt*innen nach einem geeigneten Hof, den sie übernehmen können. Diesen bleibt der Zugang zur Landwirtschaft aber leider allzu oft verwehrt.

VKMB fordert Strategie für Generationenwechsel

Für die VKMB ist klar, dass ausserfamiliäre Hofübergaben eine wichtige Rolle spielen, um dem Hofsterben in der Schweiz entgegenzuwirken und einen attraktiven und zukunftsfähigen Agrarsektor zu erhalten. Dafür müssten jedoch bestehende Hürden und Fehlanreize erkannt und beseitigt werden. Es brauche gezielte Unterstützungsmassnahmen sowohl für Hofabgebende als auch für Hofübernehmende. VKMB-Präsident und Nationalrat Kilian Baumann habe zusammen mit überparteilicher Unterstützung im vergangenen Jahr drei Vorstösse eingereicht, um dem Hofsterben entgegenzuwirken und den Generationenwechsel in der Landwirtschaft zu fördern. Darin fordert er unter anderem 

  • eine Strategie für den Generationenwechsel
  • die Anhebung der Altersgrenze für den Bezug der Starthilfe von 35 auf 40 Jahre
  • eine degressive Ausgestaltung der Direktzahlungen, gekoppelt an die Einführung eines Sockelbeitrags die eine Umverteilung von der Grösse zur Vielfalt ermöglicht.

Zwei Vermittlungsstellen für ausserfamiliäre Hofübergabe

2014 habe die Kleinbauern-Vereinigung ausserdem die Anlaufstelle für ausserfamiliäre Hofübergabe ins Leben gerufen, um ausgebildete Landwirt*innen ohne Hof an Bauernbetriebe ohne Nachfolge zu vermitteln. 2024 wurde das Vermittlungssystem zu einer digitalen Hofplattform weiterentwickelt, wo sich Hofsuchende und Hofabgebende direkt finden können. Ein weiteres solches Angebot bietet die Stiftung zur Erhaltung bäuerlicher Familienbetriebe unter ihrem neuen Label Hofzukunft. 

Mitteilung der VKMB redigiert von akr. 

Weiterführende Informationen

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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