Bleibt Stapelmist ohne jede Pflege auf der Platte liegen und wird dann ausgebracht, ist er für Boden und Pflanzen schwer verdauliche Kost. Es braucht die Arbeit von Mikroorganismen, die ihn während eines geführten Rotteprozesses aufschliessen und sozusagen vorverdauen. Mist zu kompostieren sei aufwendig, es brauche spezielles Gerät und zudem viel Erfahrung, heisst es oft. Das schreckt viele ab.
Es geht jedoch auch mit weniger Aufwand. «Ich finde es frappant, wie gross der Qualitätsunterschied ist, den ich mit wenigen Arbeitsschritten erreiche», fasst Knospe-Landwirt David Himmelsbach seine Erfahrungen mit der Herstellung von Rottemist zusammen. Rottemist gilt als praktikable Alternative zum Mistkompost.
Aufschütteln und abdecken
David und Rita Himmelsbach bewirtschaften den Luxenhof in Bärschwil SO. Den Mist liefern ihre Milchkühe, Mastochsen und Aufzuchtrinder, insgesamt 20 bis 25 Grossvieheinheiten. «In unserem Stall fällt viel strohreicher Mist an, Gülle haben wir nur wenig», erzählt David Himmelsbach. Im Winterhalbjahr wird der Mist auf der Platte gesammelt und nach und nach portionsweise für die Rotte entnommen, das erste Mal im November. «Dann setze ich den gelagerten Mist mit dem Bagger als einfache Miete am Feldrand auf und decke sie ab», erklärt David Himmelsbach und ergänzt: «Umgesetzt wird sie noch ein- bis zweimal. Eigentlich ist das mehr ein Aufschütteln als ein Umsetzen.»
Das Aufschütteln bringt Sauerstoff in die Miete, sodass die erwünschten Mikroorganismen arbeiten können. In professionellen Anlagen oder bei der Feldrandkompostierung in grösserem Massstab wird dafür ein spezieller Kompostwender eingesetzt. Den braucht David Himmelsbach nicht: «Die Mistzange am Bagger reicht völlig aus.» Neben dem Aufschütteln sei das Abdecken mit Kompostvlies die einzige Pflegemassnahme. Das Vlies schützt den Mist vor Austrocknung wie auch vor Vernässung, denn beides würde den Rotteprozess empfindlich stören.
Ab März bringt David Himmelsbach die ersten Gaben Rottemist auf das Grünland aus. Nach der Getreideernte bekommen die Ackerflächen ihren Anteil und im Spätsommer die Weiden. «Dieses Jahr haben wir ihn erstmals auch nach dem ersten Schnitt auf der Kunstwiese gestreut. Trotz der Trockenheit haben die Bodenlebewesen ihn innerhalb von sechs Wochen schön eingearbeitet.» Es brauche nicht viel, nur eine feine Schicht. Rottemist ist homogener, hat weniger Volumen und ist einfacher auszubringen als Stapelmist.
In modernen Laufställen fällt oft nur noch wenig Mist an, wenn Kot und Harn zugleich abgeschoben und als Vollgülle gelagert werden. Den Festmist aufzufangen, bevor er ins Gülleloch fällt, erscheint arbeitstechnisch wenig attraktiv. Eine getrennte Lagerung von Kot und Harn vermindert jedoch nicht nur die Ammoniakemissionen. Sie ist auch fürs Bodenleben eine lohnende Investition, wenn man dem Mist etwas Pflege angedeihen lässt.
Verena Bühl, FiBL
Dieser Artikel erschien im Bioaktuell-Magazin 6|26 als Teil des Themenschwerpunkts «Alles Mist - von Dungfauna bis Mistkompostierung».
Weiterführende Informationen
Bioaktuell Magazin (Rubrik Magazin)
Mehr zu Düngung und Stickstoffversorgung (Rubrik Pflanzenbau)
