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«Wenn ein Thema auf dem Betrieb brennt, wird es richtig spannend»

Meldung  | 

Nach zehn Jahren Austausch löst sich der von Tobias Brülisauer geleitete ProBio Arbeitskreis auf. Tobias und fünf der sechs Betriebsleitenden trafen sich zum letzten Mal und blickten bei Abendessen und Appenzeller «Schlorzifladen» auf die gemeinsame Zeit zurück.

Tobias Brülisauer legte Wert darauf, dass seine Gruppe den Namen «Arbeitskreis» ernst nimmt. Foto: zvg

Als die Arbeitskreismitglieder in Herisau den «Schlorzifladen» anschneiden, liegt ein Stück Wehmut in der Luft. Seit über zehn Jahren traf sich der ProBio-Arbeitskreis regelmässig, davon sieben Jahre unter der Moderation von Tobias Brülisauer. Treffen, die weit über fachliche Fragen hinausgingen.

Ursprünglich wurde der Arbeitskreis vom FiBL initiiert, um das Thema eiweissreduzierte Milchviehfütterung zu bearbeiten. «Damals waren wir gut zwanzig Personen», erinnert sich Beat Rusch. Als das FiBL sich zurückzog, wollten einige Bauern weiterfahren und suchten eine neue Leitung. Deshalb übernahm im Juli 2019 Tobias Brülisauer die Moderation, ohne zu ahnen, wie lange ihn dieser Arbeitskreis begleiten sollte.

Besuche, Hausaufgaben, ehrliche Rückmeldungen

Die sechs Betriebe trafen sich jedes Winterhalbjahr fünf- bis sechsmal. Tobias scheute sich nicht, die Gruppe zu fordern: Die Treffen fanden am Nachmittag statt und meist ging man mit Hausaufgaben heim. «Mir war wichtig, dass wir wirklich ein Arbeitskreis sind und nicht einfach ein Plauderabend.»

«Das Spannendste war immer, wenn ein Thema auf einem Betrieb wirklich brannte», sagt Tobias. Dann erläuterte der Gastgeber seine Herausforderungen und die anderen schlüpften in seine Rolle. Im Anschluss galt es Rückmeldungen und Lösungsvorschläge schriftlich festzuhalten und dem Betriebsleiter abzugeben.

Jürg Hebeisen erinnert sich gut daran. Als er mitten in der Planung eines Legehennenstalls steckte und wegen der Eierkrise 2021 ins Schwimmen geriet, brachte er Zahlen und Zweifel auf den Tisch. «Ich hatte jahrelang darauf hin gefiebert und konnte das Projekt nicht mehr loslassen.» Als ihm fast alle davon abrieten, war das für ihn entlastend. Der Aussenblick ermöglichte eine abschliessende Entscheidung.

Persönliche Themen bekommen Raum 

Mit den Jahren veränderten sich die Inhalte. Neben Milchviehhaltung und Fütterung fanden auch zwischenmenschliche Themen Platz. «Einmal machten wir eine Runde mit den Partnerinnen», erzählt Tobias, «dabei ging es um das Spannungsfeld zwischen Arbeitsverhältnis und Partnerschaft auf dem Hof.» 

Die Gruppe scheute sich nicht, auch Belastung, Frust oder Überforderung zu thematisieren. Dass drei der sechs Betriebe Tür an Tür liegen war dabei teils ein Vorteil, teils aber auch eine Hürde. «Es ist manchmal einfacher, Dinge vor Menschen zu sagen, die nicht gerade Nachbarn sind», meint Werner Signer. Roland Deutsch brachte mit seinem Betrieb aus dem Thurgau oft eine wertvolle Aussenperspektive mit ein: andere Region, andere Betriebszweige.

Überraschende Methoden

Tobias probierte viele Moderationstechniken aus, manche davon ungewohnt für seine Gruppenmitglieder. Etwa Übungen, die er in der Moderationsausbildung oder in den Treffen der Arbeitskreisleitenden gelernt hatte.

«Ich dachte erst, solche Dinge könne man mit Bauern nicht machen», sagt er und lacht. Dann erzählt er von dem Meterstab, den alle nur mit den Fingerspitzen halten durften. Ziel: gemeinsam ablegen. Aber der Stab steigt nach oben, weil niemand loslassen möchte. «Man lernt, dass es ohne Absprache nicht geht.» Für Tobias waren diese Momente besonders motivierend. «In den letzten Jahren wollte ich über mehr als nur Kühe sprechen», sagt er augenzwinkernd.

Warum die Gruppe aufhört und was bleibt

Nach über zehn Jahren wurde es zunehmend schwieriger, Themen zu finden. Tobias wird ausserdem dieses Jahr 70 und meint schmunzelnd: «Ich wollte gehen, bevor sie mich rauswerfen müssen.»

Die Gruppe hat viel voneinander gelernt, darunter kleine praktische Kniffe wie das mobile Einweichen von Rübenschnitzeln. «Ich wäre nie auf die Idee gekommen, das in einer Schubkarre zu machen», lacht Jürg Hebeisen. Vor allem aber bleibt die menschliche Dimension. «Man kam für einige Stunden aus dem eigenen Kopf heraus und konnte sich mit anderem befassen», sagt Jürg. 

Langweilig wird es auf keinem Hof, aber der Austausch wird fehlen, darin sind sich alle einig. Ganz wird sich die Gruppe aber nicht aus den Augen verlieren, bereits ist ein gemeinsamer Besuch bei Christian Signer auf der Alp geplant – diesmal ohne Hausaufgaben.

Corinne Obrist, FiBL

Weiterführende Informationen

ProBio (Rubrik Beratung)
Kraftfutterreduzierte Milchviehfütterung (Rubrik Tierhaltung)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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