Yann Comby, gemäss einer aktuellen Umfrage zu Biowein entscheiden sich Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten noch recht selten für Biowein. Welche Hindernisse beobachten Sie in der Praxis?
Meine Kundschaft legt vor allem Wert auf die Qualität des Weins. Der Bioaspekt kommt oft erst an zweiter Stelle, quasi als Mehrwert. Darüber hinaus lässt sich feststellen, dass Bio häufig mit hochwertigen Weinen assoziiert wird: Viele prämierte Schweizer Winzerinnen und Winzer betreiben heute biologischen Weinbau. Es gibt zwar noch einige Vorurteile, insbesondere was den Geschmack betrifft, diese sind jedoch in der Minderheit. Meiner Meinung nach ist der Preis nach wie vor das grösste Hindernis, zumal der Weinsektor ohnehin schon eine schwierige Phase durchläuft.
Wie erleben Sie eigentlich die Krise im Weinsektor?
Der gesamte Weinbau steht unter Druck. Ich persönlich bin froh, dass ich 2017 mit der Umstellung des Weinguts begonnen habe, zu einer Zeit, als man noch sorgenfrei investieren konnte. Heute müssen sich alle Schweizer Weinproduzenten gegenseitig unterstützen, unabhängig von ihrer Produktionsweise. Man merkt ausserdem, dass die Händler weniger als früher zwischen Bio- und Nicht-Bio-Weinen unterscheiden. Vor der Covid-19-Pandemie war Bio bei allen sehr gefragt. Inzwischen stehen Regionalität und die Förderung der gesamten Schweizer Weinwirtschaft oft im Vordergrund.
Die begrenzte Auswahl an Bioweinen in Supermärkten wird oft kritisiert. Wo liegen die grössten Herausforderungen: in der Produktion, beim Vertrieb oder bei der Nachfrage?
Das Hauptproblem liegt vor allem im Detailhandel. Grossverteiler wie Coop kaufen trotz der Bemühungen der Winzerinnen und Winzer nach wie vor nur wenig Schweizer Bioweine. Schweizer Weine werden zwar beworben, jedoch nur selten unter dem Gesichtspunkt des Bioanbaus. So misst beispielsweise der Weinclub Mondovino von Coop diesem Aspekt kaum Bedeutung bei.
Auch in der Gastronomie wird das Angebot an Schweizer Bioweinen als unzureichend empfunden, und die Labels werden auf den Weinkarten selten abgebildet. Wie kann man hier etwas bewirken?
Wenn ich mit Gastronominnen und Gastronomen zusammenarbeite, bestehe ich immer darauf, dass das Biolabel auf der Weinkarte abgebildet wird. Es herrscht jedoch nach wie vor eine gewisse Zurückhaltung. Oft wird es bereits als positiv angesehen, wenn ein Restaurant zumindest einen Schweizer Wein anbietet. Meiner Meinung nach müsste man die Sommelières und Sommeliers stärker sensibilisieren, denn sie sind es, die das Angebot der Lokale gestalten.
Persönliche Empfehlungen sind nach wie vor der wichtigste Weg, neue Weine zu entdecken – noch vor Aktionen oder Verkostungen im Laden. Wie interpretieren Sie dieses Resultat?
Das zeigt, dass Supermärkte Schweizer Bioweine stärker bewerben sollten. Aber Bio allein reicht als Verkaufsargument nicht aus: Die Qualität des Produkts bleibt für die Mundpropaganda entscheidend. Auch die zwischenmenschlichen Beziehungen spielen eine wichtige Rolle. Der direkte Kontakt zum Produzenten oder zur Produzentin sowie die freundliche Atmosphäre beim Kauf auf dem Weingut tragen wesentlich zur Kundenbindung bei.
Welche Schlussfolgerungen ziehen Sie persönlich aus dieser Studie?
Die Resultate spiegeln die Marktlage recht gut wider. Bioweine sprechen vor allem junge Konsumentinnen und Konsumenten an, die auf der Suche nach qualitativ hochwertigeren und nachhaltigeren Produkten sind. Angesichts der bereits erfolgten Rodungen von Rebflächen und derjenigen, die noch folgen könnten, könnte sich der Markt in den nächsten Jahren erheblich verändern. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Lage entwickelt.
Welche zusätzliche Unterstützung erwarten Sie von Bio Suisse für den Bioweinsektor?
Das Knospe-Label geniesst bereits einen hohen Bekanntheitsgrad und echte Glaubwürdigkeit. Die Produzentinnen und Produzenten stehen voll und ganz dahinter. Es wäre vielleicht interessant, eine Videokampagne speziell für Schweizer Knospe-Wein zu entwickeln. Aber solche Projekte stossen oft auf Einschränkungen aufgrund der Jugendschutzbestimmungen bei der Alkoholwerbung.
Emma Homère, Bioaktuell; Übersetzung: Sonja Wopfner
Lesen Sie auch den Artikel zur Weinstudie im Bioaktuell-Magazin 5|2026.
Weiterführende Informationen
Bioaktuell Magazin (Rubrik Magazin)
Marktinfos Biowein (Rubrik Markt)
Rebbau (Rubrik Pflanzenbau)
