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Mehr als nur Bäume auf dem Acker

Meldung  | 

Praktiker*innen, Forschende sowie Beratende diskutierten am «Praxisforum Agroforst» vom 29. Mai darüber, wie sich Bäume und Sträucher gezielt in landwirtschaftliche Flächen integrieren lassen und welche Vorteile dies für Betriebe und die Umwelt bringt. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg, dem FiBL und SilvoCultura.

Bäume sind mehr als Schattenspender. Auf dem Rundgang durch die Agroforstanlage am FiBL diskutierten die Teilnehmenden Möglichkeiten zur Konzeption und Anlage von Agroforst-Systemen. Foto: FiBL, Simona Moosmann

In der Agroforstanlage am FiBL sind die Bäume zum Teil frisch gepflanzt. Foto: FiBL, Simona Moosmann

Mit einem Klick auf das Bild gelangen Sie zum Film. Foto: Filmsequenz

Agroforstsysteme gewinnen als Antwort auf den Klimawandel zunehmend an Bedeutung. «Neben der Klimaanpassung zählen für viele Betriebe auch die Förderung der Biodiversität und die Diversifizierung der Produktion zu den wichtigsten Gründen für den Einstieg», erklärt Mareike Jäger, Co-Geschäftsleiterin von SilvoCultura.

Diese Entwicklung kommt nicht von ungefähr. «Durch die gezielte Integration von Bäumen und Sträuchern in landwirtschaftliche Flächen entstehen vielfältige Synergien», so Jäger. Bäume und Sträucher bieten zusätzliche Nahrung und Nistmöglichkeiten für Tiere, verbessern den Humusgehalt des Bodens und können richtig eingesetzt als Ergänzungsfutter für Nutztiere dienen.

Vielfalt auf Aargauer Betrieben

Mehrere Betriebe, die mit dem Förderpreis Agroforst des Kantons Aargau ausgezeichnet wurden, stellten ihre Projekte bei der Veranstaltung vor. Dabei wurde schnell deutlich, wie vielfältig die Möglichkeiten im Agroforst sind: von der Mutterkuhhaltung und Ackerbau bis hin zur Ziegenmilchproduktion. Ein Film zeigt Einblicke in die verschiedenen Systeme, vertiefend gibt es auch noch ausführliche Videoportraits zu den einzelnen Betrieben.

Karin und Thomas Wüthrich aus Elfingen setzen auf Strauchgruppen als natürliche Schattenspender. Gerade während Hitzeperioden bleibt dadurch die Luft- und Bodenfeuchtigkeit länger erhalten. Die Ziegen dürfen die Sträucher abschnittsweise beweiden; deren Inhaltsstoffe wirken zudem auf natürliche Weise gegen Darmparasiten, berichtete Karin Wüthrich bei einer Diskussionsrunde.

Bei Pirmin Adler aus Oberrüti dienen Gehölzstreifen als Beschäftigung und Nahrungsergänzung für Rinder und Freilandhühner. Die anfallende Heckenbiomasse wird als Hackschnitzel wieder in den betrieblichen Kreislauf zurückgeführt.

Rolf Treier aus Gipf-Oberfrick setzt auf mit Bäumen bepflanzte Erdwälle. Diese schützen Weiden und Ackerflächen vor Erosion, verbessern die Wasserspeicherung und sollen langfristig zusätzliche Einnahmen durch hochwertiges Wertholz ermöglichen, erklärte er den Teilnehmenden.

Der Demeter-Winzer Hoss Hauksson war nicht bei der Veranstaltung, gehört aber ebenfalls zu den portraitierten Betrieben. Er integriert Kräuter, Sträucher, Bäume und Totholz in seine Rebflächen und will damit den Reben und Nützlingen einen möglichst naturnahen Lebensraum bieten.

Agroforst international

Wie vielfältig Agroforst sein kann, zeigte Johanna Rüegg vom FiBL anhand von Beispielen der Forschungsarbeit des FiBLs zu den Themen Vitiforst, Futterhecken und Tierwohl sowie ökonomischer Bewertung von komplexen Agroforstsystemen für die Fruchtproduktion.

Das FiBL lernt auch aus internationalen Agroforst-Erfahrungen: Ein langjähriges Forschungsprojekt in Bolivien untersucht seit 2008 die Nachhaltigkeit verschiedener Kakao-Anbausysteme. Verglichen werden unter anderem konventioneller Kakaoanbau, Biokakao-Monokulturen sowie unterschiedliche Agroforstsysteme. Dazu gehört auch ein syntropisches Agroforstsystem, das ganz ohne Dünger auskommt und Pflanzenarten gemäss ihrem Wuchstyp und ihrer Produktionsdauer kombiniert.

»Die Resultate zeigen, dass es Sinn macht, Kulturen, die früh in den Ertrag kommen, mit Obstkulturen wie z.B. Kakao zu kombinieren, die später in den Ertrag kommen», so Rüegg. Die Kakaoerträge seien in den Agroforstsystemen aber geringer als in der Monokultur, dafür würden sie z.B. zusätzliche Früchte oder Wertholz produzieren und die ökologische Wirkung sei in allen Bereichen besser als in den Monokulturen, berichtete Rüegg.

Heterogenität als Chance

«Die grosse Vielfalt innerhalb von Agroforst-Systemen schafft unterschiedliche Lebensräume und Mikroklimata mit variierenden Lichtverhältnissen, Schattenbereichen und Wasserverfügbarkeiten», stelle Mareike Jäger fest. Diese Heterogenität sei einerseits ein grosser Vorteil, stelle Bewirtschaftende und Forschende andererseits aber auch vor Herausforderungen.

Moderne Planungshilfen wie Schattensimulationen, Oberflächenabflussmodellierungen und digitale Pflanzkarten könnten Landwirt*innen dabei unterstützten geeignete Sorten und Pflanzkonzepte für ihre Standortbedingungen zu finden und so die Potenziale von Agroforst-Systemen gezielt zu nutzen.

Michelle Knecht, FiBL

Weiterführende Informationen

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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