Die Fattoria di Maiano bietet Hotelzimmer im höheren Preissegment mit freiem Zugang zum angrenzenden Park an. Foto: FiBL, Simona Moosmann
Im Projektteam von FarmBioNet sind 13 Nationen vertreten. Das FiBL ist mit den Standorten Deutschland und Schweiz mit dabei. Foto: Ena Stefanović, Foodscale Hub
Francesco Miari Fulcis, Inhaber der Fattoria di Maiano, und Mauro Agnoletti vom Lehrstuhl des Unesco-Weltkulturerbes agronomischer Landschaften, erläuterten die Hintergründe des toskanischen Olivenanbaus. Foto: FiBL, Simona Moosmann
Sara Maltini, Mitarbeiterin auf der Fattoria di Maiano, betreut unter anderem ein Projekt zum Monitoring von Insekten und führt Umweltbildungstage mit Schulklassen durch. Foto: FiBL, Simona Moosmann
Barbara Pastore führte die Gruppe über ihren vielfältigen Betrieb. Ihre Hauptkulturen sind Oliven und Weizen. Foto: FiBL, Simona Moosmann
Das Projekt FarmBioNet beschäftigt sich mit Biodiversitätsmassnahmen in der Landwirtschaft. So verschieden die klimatischen und sozialen Voraussetzungen in den 13 beteiligten Ländern sind, so ähnlich sind die Herausforderungen, vor denen Landwirt*innen stehen, um eine wirtschaftliche Produktion mit dem Erhalt der Biodiversität in Einklang zu bringen.
Traditioneller Anbau
Im traditionellen, extensiven Olivenanbau wachsen die Bäume mit deutlichem Abstand (z.B. 6x6, 6x7m oder locker verteilte Einzelpflanzungen). Der ursprüngliche Gedanke dahinter war die mehrschichtige Nutzung, erklärte Francesco Miari Fulcis, Inhaber der Fattoria di Maiano nahe Florenz: «Oben die Früchte, unten die Beweidung und dazwischen das Olivenholz».
Auch auf der Fattoria die Maiano weiden Tiere. Allerdings eher in ungewöhnlichen Kombinationen: Esel, Strausse, Dexter-Rinder, Cinta-Senese-Schweine und sogar Pfaue waren zu sehen. «Wir halten die Tiere für den Hofdünger», stellte Miari Fulcis fest. Rund 50 der mehr als 300 Hektar Landwirtschaftsfläche dienen neben der Olivenproduktion aber auch als Freizeitpark und Lehrbauernhof, der Besuch kostet Eintritt. Besucher*innen können die hofeigenen Produkte dann direkt im Restaurant verkosten und im Hofladen erwerben.
Aufwendige Ernte
«Der Preisdruck beim Olivenöl ist hoch», führte Francesco Miari Fulcis aus. Seine 24 000 Olivenbäume werden alle von Hand beerntet. Günstigere Produkte kämen aus Griechenland und Spanien. Deshalb spiele die Qualität eine besondere Rolle. Und auf die ist er besonders stolz: «Wir haben bereits Preise in New York und Tokio gewonnen». Das Geheimnis dahinter sei eine späte Ernte und ein besonderer Sortenmix.
«Wobei in der Toskana das eigene Olivenöl immer besser ist als das der Nachbar*innen», ergänzte Mauro Agnoletti, der den Lehrstuhl des Unesco-Weltkulturerbes agronomischer Landschaften an der Universität Florenz innehat. «Das macht es gleichzeitig schwierig Kooperativen zu gründen. Die Landwirt*innen tun sich schwer damit, ihre Oliven zusammen in einen Tank zu geben.»
Gefährliche Fliege
Auch Barbara Pastore und ihre Tochter Anna Frosini vom Hofgut Podere Montisi produzieren Oliven in einem extensiven System. Sie zeigten, wie sie mit biologischen Strategien auf Risiken reagieren. Die Olivenfliege ist im Olivenanbau gefürchtet, sie kann Menge und Qualität der Ernte gefährden. Pastore bekämpft sie mit einer Mischung aus Essig, Wasser und Kichererbsen als Lockstoff für Fliegenfallen: «Seit ich das anwende, habe ich kaum noch Probleme mit der Olivenfliege» stellte sie fest. Auf dem biodynamischen Betrieb am Fuss des Appenin wachsen zwischen den Olivenbäumen verschiedenste Kräuter und Kulturen. «Der klebrige Alant, Inula viscosa, dient als natürliches Repellent gegen die Olivenfliege», erklärte sie einen Zusatznutzen dieser Vielfalt.
Unternutzung Getreide
Die Vorteile der Vielfalt zeigten sich auch in der Nutzung der Flächen zwischen den Bäumen. «Die Unternutzung mit Weizen hat im Olivenanbau eine lange Tradition», führte Pastore aus. Die Landwirtin setzt sich für die Erhaltung der Getreidevielfalt ein und säht jedes Jahr verschiedene Getreidesorten in Mischsaaten aus. Zusätzlich wechseln sich Streifen mit Hart- und Weichweizen ab. «Das macht den Anbau viel widerstandsfähiger» erklärte Pastore. Wenn andere langhalmige Weizenfelder witterungsbedingt liegen, blieben ihre stehen. «Die Wurzeln und Halme der verschiedenen Sorten wachsen auf unterschiedlichen Ebenen, wodurch sie sich gegenseitig stützen», ist Barbara Pastores Erklärung dafür.
Einkommensquelle Agrotourismus
Der grosse Aufwand mit den traditionellen Olivensystemen lohnt sich nur durch die zusätzliche Wertschöpfung vor Ort. «Ökonomisch interessant macht es die besondere Qualität und der Agrotourismus» stellte Francesco Miari Fulcis klar. Mit seinem luxuriösen Agrotourismus holt er die zahlkräftige Kundschaft direkt auf den Betrieb.
Das Hofgut Podere Montisi verfolgt dagegen ein familiäres Konzept. Aber auch Barbara Pastore bestätigte: «Der Landwirtschaftsbetrieb funktioniert nur mit dem Agrotourismus». Zusammen mit ihrer Familie stellt sie verschiedenste Kräuterprodukte her und bietet Kochkurse an. «Wir haben die notwendige Balance gefunden: Wir produzieren kleinere Mengen und diversifizieren unsere Produkte» lautete ihre Strategie.
Der ideelle Anspruch von Anna Frosini und Barbara Pastore ist hoch: Sie setzen agrarökologische Projekte um, initiieren Umweltbildungsaktionen und engagieren sich für die Erhaltung der traditionellen toskanischen Agrarlandschaft. Interessierte Personen können ausserdem eine Patenschaft für ihre Olivenbäume übernehmen.
Der Fokus aber bleibt: «All diese Aktivitäten dienen dazu, die Landwirtschaft weiterzuentwickeln», stellte Francesco Miari Fulcis klar. Seine Familie habe sich für dieses extensive System entschieden und die gesamte Wertschöpfungskette darauf aufgebaut. «So kontrollieren wir alle Schritte selbst und bleiben unabhängig», war sein Fazit.
Erfolg mit Schattenseiten
Die Toskana ist aus touristischer Sicht eine der attraktivsten Regionen Italiens, und ihre einzigartige Agrarlandschaft trägt wesentlich zu ihrem Erfolg und ihrer Anziehungskraft bei, was auch von der UNESCO und dem italienischen Landwirtschaftsministerium bestätigt wurde. Dieser Erfolg hat auch seine Schattenseiten: «Es ist eine Gradwanderung» erklärte Federica Romano, Programmkoordinatorin für den Unesco Lehrstuhl: «Teilweise waren wir zu erfolgreich damit, die Region zu fördern.» Damit sollte die traditionelle Landwirtschaft erhalten und neue Absatzwege eröffnet werden. Jetzt ertrinke Florenz im Tourismus und Dörfer und Weinregionen würden von Investor*innen aufgekauft. «Wir sind vorsichtiger geworden, wie viel und welche Art von Werbung wir für eine Region machen», lautete die Schlussfolgerung von Mauro Agnoletti.
Die Fattoria di Maiano und das Hofgut Podere Montisi haben durch Agrotourismus und Diversifikation dennoch eine Möglichkeit gefunden, um die Olivenanbautradition zu bewahren. Das könnte in Zukunft wieder an Bedeutung gewinnen, wie Federica Romano feststellte: «In diesen Systemen ist Tradition auch Innovation. Sie liefert wirksame Methoden zur Bewältigung aktueller Herausforderungen, die im Zusammenhang mit dem Klimawandel, der Ernährungssicherheit, hydrogeologischen Risiken und dem Verlust der biologischen Vielfalt stehen.»
Simona Moosmann, FiBL
Weiterführende Informationen
Das Projekt FarmBioNet (Projektseite)
Betrieb Podere Montisi (Webseite)
Betrieb Fattoria di Maiano (Webseite)
