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Kreislaufwirtschaft in Indien: Kein Selbstläufer

Meldung  | 

Ende April fand am Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL die internationale IAHA-Konferenz statt, an der Fachleute aus aller Welt aktuelle Arbeiten zur biologischen Tierhaltung präsentierten. Ein Beitrag aus Indien zeigte dabei: In vielen Teilen Asiens sind gemischte Ackerbau-Tierhaltungssysteme ein zentraler Bestandteil der Landwirtschaft. Kleinbetriebe nutzen dabei vor allem betriebsinterne Ressourcen. Doch wie Mahesh Chander aufzeigte, braucht es mehr, damit sich die Kreisläufe tatsächlich schliessen.

Die Wissensvermittlung ist von entscheidender Bedeutung für die Verankerung agroökologischer Prinzipien. Foto: Mahesh Chander

Auf indischen Familienbetrieben stammen circa 60 bis 80 Prozent des Futters aus betriebsinterner Biomasse und 70 bis 90 Prozent des Mists werden wieder ausgebracht. Diese Kreisläufe bringen wichtige ökologische Vorteile mit sich, etwa die Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit, eine höhere Wasserspeicherfähigkeit sowie die Förderung der Biodiversität.

Wo die Kreislaufwirtschaft an Grenzen stösst

Laut Mahesh Chander vom Indian Veterinary Research Institute zeigen neuere Erkenntnisse, dass die Kreislaufwirtschaft in solchen gemischten Systemen nur teilweise funktioniert. Tiermist und Kompost decken aufgrund ihrer geringen Nährstoffdichte, Verlusten während der Lagerung und unzureichender Biomasseversorgung selten mehr als ein Drittel des Nährstoffbedarfs der Pflanzen. Ohne zusätzliche organische Inputs – etwa Leguminosen, Gründüngung oder natürliche Mineraldünger – entstehen langfristig Nährstoffdefizite, die die Erträge begrenzen.

Knappes Futter, viele Ansprüche

Darüber hinaus weist Indien erhebliche Futterdefizite auf. Wiederkäuer ernähren sich stark von Ernterückständen wie Reis- und Weizenstroh. Diese Futtergrundlage ist jedoch nährstoffarm, was dazu führt, dass auch der entstehende Mist arm an Stickstoff, Phosphor und Mikronährstoffen ist. Gleichzeitig steht die Verfütterung der Ernterückstände in Konkurrenz zu verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten wie Mulchen, Kompostierung oder der Einarbeitung in den Boden im Rahmen einer konservierenden Landwirtschaft.

Wie sich die Systeme weiterentwickeln lassen

Die Stärkung der Kreislaufwirtschaft erfordert laut Chander daher eine gezielte ökologische Intensivierung, einschließlich:

  • Ausweitung von Leguminosen im Futterbau
  • Förderung von Futterbäumen (z. B. Leucaena, Sesbania)
  • verbesserte Aufbereitung von Mist durch Kompostierung
  • Verbesserung der Verdaulichkeit von Ernterückständen
  • Integration mikrobieller Biodünger sowie begrenzter externer organischer Inputs

Suffizienz statt Effizienz

Für FiBL-Nutztierexperte Florian Leiber zeigt der Beitrag von Mahesh Chander an der IAHA-Konferenz, dass es für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft gezielte Weiterentwicklungen braucht – beispielsweise eine Reduktion von Nährstoffverlusten durch die Nutzung menschlicher Ausscheidungen. Ziel müsse es sein, die Bodenfruchtbarkeit innerhalb der Betriebe zu erhalten und langfristig möglichst geschlossene, weitgehend selbstversorgende Systeme zu entwickeln.

Der Weg zu einer nachhaltigen Tierhaltung erfordert dabei ein systemisches Umdenken. «Wir müssen den Fokus von Effizienz auf Suffizienz verschieben, also darauf, was wir tatsächlich brauchen», so Leiber. Damit diese Erkenntnisse den Weg in die Praxis finden, braucht es einen intensiveren Wissensaustausch und eine praxisnahe Beratung.

Tierhaltung weltweit: Einblicke aus der IAHA-Konferenz
An der Konferenz der IFOAM Animal Husbandry Alliance (IAHA) präsentierten Fachleute aus aller Welt ihre aktuellen Arbeiten rund um die biologische Tierhaltung. Mit dieser Serie gibt bioaktuell.ch Einblick in ausgewählte Tagungsbeiträge. Dabei wird bewusst über die Schweiz hinausgeblickt – hin zu Beispielen aus Europa, Afrika oder Asien.

Corinne Obrist, FiBL

Weiterführende Informationen

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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