Bislang stammen auch im Biolandbau die meisten Nutztiere aus konventionellen Zuchtprogrammen. Diese sind auf hohe Leistungen in intensiven Haltungssystemen ausgerichtet und oft weniger gut an extensive, weidebasierte Biosysteme angepasst.
Leistung gegen Robustheit
Laut dem dänischen Wissenschaftler Morten Hansen und seinen Kolleg*innen von der Universität Aarhus dominieren in der Biomilchproduktion in Dänemark die internationalen Hochleistungsrassen Holstein und Jersey. Diese liefern zwar hohe Milchleistungen, schneiden aber bei Tiergesundheit und Robustheit schlechter ab als regionale Rassen wie Danish Red, die deutlich weniger Krankheitsfälle und Tierverluste aufweisen.
Zucht passt nicht zum System
Dabei fordert die EU-Verordnung ausdrücklich, in der biologischen Tierhaltung bevorzugt auf genetisch vielfältige, lokal angepasste und widerstandsfähige Rassen zu setzen. Die Umsetzung bleibt jedoch schwierig, solange geeignete Zuchtprogramme fehlen.
Das weist laut Hansen auf ein zentrales Potenzial hin: Über Zuchtentscheidungen könnten Tierwohl, Gesundheit und Langlebigkeit gezielt verbessert werden – im Einklang mit den Zielen des Biolandbaus. Gleichzeitig stellt sich die Frage, wer die Verantwortung für entsprechende Zuchtprogramme übernimmt. Bisher haben Zuchtorganisationen diesen Bereich kaum adressiert.
Drei Wege für die Biozucht
Um Zuchtziele besser mit den Anforderungen des Biolandbaus in Einklang zu bringen, schlagen die Autorinnen und Autoren drei Strategien vor:
- Einsatz regionaler und angepasster Rassen
- Aufbau spezifischer Zuchtlinien für den Biolandbau
- Gezielte Kreuzungszucht zur Verbesserung von Robustheit und Langlebigkeit
Diese Ansätze können Tierwohl und Resilienz stärken, vorausgesetzt die genetische Vielfalt bleibt erhalten und Inzucht wird vermieden.
Eine erfolgreiche Umsetzung erfordert gemäss Hansen die Zusammenarbeit aller Akteur*innen, von Politik und Zuchtorganisationen über Landwirtschaft bis hin zu Konsumentinnen und Konsumenten. Zudem brauche es eine stärkere Koordination auf europäischer Ebene, da Zuchtprogramme zunehmend international organisiert sind.
Plattform soll Bewegung bringen
Laut FiBL-Nutztierexpertin Anet Spengler zeigt der Beitrag aus Dänemark, welche wichtige Rolle lokale Rassen spielen können. Sie sind bereits an die jeweiligen Standortbedingungen angepasst und weisen häufig gute Gesundheits- und Robustheitseigenschaften auf. «Das Potenzial der lokalen Rassen ist weltweit längst nicht ausgeschöpft. Unklar ist jedoch, wie sie gezielt gefördert werden können», so Spengler.
Das Beispiel macht deutlich, dass die Grundsätze der biologischen Tierzucht seit Langem bekannt sind, in der Praxis jedoch noch unzureichend umgesetzt werden. Im Fokus der IAHA-Konferenz stand daher auch die Frage, wie standortangepasste Zucht, Robustheits- und Gesundheitsmerkmale sowie die effiziente Raufutterverwertung auf Biobetrieben gestärkt werden können. Die an der Konferenz gegründete internationale Austauschplattform zur ökologischen Tierzucht soll dem Thema neuen Schwung verleihen: «International Exchange Platform for Organic Animal Breeding».
Tierhaltung weltweit: Einblicke aus der IAHA-Konferenz
An der Konferenz der IFOAM Animal Husbandry Alliance (IAHA) präsentierten Fachleute aus aller Welt ihre aktuellen Arbeiten rund um die biologische Tierhaltung. Mit dieser Serie gibt bioaktuell.ch Einblick in ausgewählte Tagungsbeiträge. Dabei wird bewusst über die Schweiz hinausgeblickt – hin zu Beispielen aus Europa, Afrika oder Asien.
Corinne Obrist, FiBL
Weiterführende Informationen
Weitere Artikel aus der Serie:
Kreislaufwirtschaft in Indien: Kein Selbstläufer (Meldung vom 10.06.2026)
Weidehaltung in Ungarn: Sensoren statt Bauchgefühl (Meldung vom 17.06.2026)
Freilandgeflügel in Simbabwe: Kleines Tier mit grosser Wirkung (Meldung vom 24.06.2026)
Alle eingereichten Konferenzbeiträge (sciencedirect.com, auf Englisch)
IFOAM International Animal Husbandry Alliance (ifoam.bio)
IAHA-Konferenz 2026 (iaha2026.org)
Universität Aarhus - Center for Quantitative Genetics and Genomics (qgg.au.dk)
