Laut Beauty Jiji vom Verband für Freilandgeflügel in Simbabwe (Zimbabwe Free Range Poultry Association ZFRPA) leistet die Freilandhaltung von Geflügel einen wichtigen Beitrag zur Existenzsicherung von Kleinbauern in Simbabwe. Lokal angepasste Arten wie Hühner, Enten, Puten, Perlhühner oder Wachteln sind robust und kommen auch mit schwankendem Futterangebot zurecht. Dadurch stellen sie selbst unter schwierigen klimatischen Bedingungen eine verlässliche Nahrungsquelle dar. Eier und Fleisch liefern wertvolles Protein, wichtige Nährstoffe und verbessern die Ernährung der Haushalte, insbesondere in ländlichen Regionen. Geflügelmist wird als organischer Dünger in Gärten und auf Ackerflächen eingesetzt, wodurch Betriebskosten gesenkt und die Nachhaltigkeit gefördert werden.
Gut eingebunden in den Betrieb
Zudem lässt sich Freilandgeflügel gut in gemischte Landwirtschaftssysteme integrieren: Freilaufende Tiere auf Nahrungssuche tragen zur natürlichen Schädlingskontrolle bei und verteilen Nährstoffe gleichmässig über die Flächen. Ihr Mist verbessert die Bodenfruchtbarkeit, während Pflanzenreste als Futter genutzt werden.
Neue Einkommensquelle erschliessen
Überschüsse aus Eiern und lebenden Tieren bieten Haushalten eine Einkommensquelle bei vergleichsweise geringen Investitionskosten. Laut Jiji profitieren besonders Frauen und Jugendliche, da sie die Haltung oft eigenständig führen und Einnahmen direkt nutzen können, ohne hierarchische Abstimmungen treffen zu müssen. Die Nachfrage nach chemiefreien, nährstoffreichen Geflügelprodukten steigt sowohl lokal als auch international und eröffnet neue Marktchancen für Frischeprodukten bis hin zu verarbeiteten Erzeugnissen.
Marktchancen entstehen
Die ZFRPA fördert seit 2015 gezielt die Kommerzialisierung von Geflügelprodukten. Sie unterstützt den Zugang zu Märkten, bündelt Angebote und fördert die Professionalisierung entlang der Wertschöpfungskette für Freilandgeflügel. Trotz Fortschritten kann die wachsende Nachfrage bislang nicht gedeckt werden.
Wo die Entwicklung stockt
Laut Jiji begrenzen verschiedene Faktoren die Produktivität und erschweren die Weiterentwicklung der Freilandgeflügelhaltung:
- Verluste durch Raubtiere
- Krankheitsrisiken und eingeschränkter Zugang zu Impfstoffen
- hohe Kosten für ergänzendes Futter
- fehlendes Fachwissen bei der Geflügelhaltung
- erschwerter Zugang zu stabilen Märkten
- zunehmende Klimaschwankungen
Bio als holistisches System
Für FiBL-Nutztierexpertin Rennie Eppenstein zeigt der Beitrag von Beauty Jiji eindrücklich, dass es im Biolandbau um eine ganzheitliche Betrachtung der Tierhaltung geht: «Wie passen Nutztiere in das soziale und ökologische Gefüge vor Ort?» Im Zentrum steht nicht die möglichst effiziente Produktion von Fleisch, sondern die Frage, wie sich Tierhaltung an den Bedürfnissen von Menschen, Tieren und Umwelt ausrichten lässt.
Diese holistische Perspektive prägte auch die IAHA-Konferenz. Ein wichtiges Anliegen war es, Sichtweisen aus dem globalen Süden stärker einzubeziehen und den Dialog zu fördern. Dabei wurde deutlich, wie zentral es ist, lokal angepasste Lösungen zu entwickeln und gleichzeitig Wege zu finden, kleinbäuerliche Strukturen stärker in die internationale Biobewegung zu integrieren.
Tierhaltung weltweit: Einblicke aus der IAHA-Konferenz
An der Konferenz der IFOAM Animal Husbandry Alliance (IAHA) präsentierten Fachleute aus aller Welt ihre aktuellen Arbeiten rund um die biologische Tierhaltung. Mit dieser Serie gibt bioaktuell.ch Einblick in ausgewählte Tagungsbeiträge. Dabei wird bewusst über die Schweiz hinausgeblickt – hin zu Beispielen aus Europa, Afrika oder Asien.
Corinne Obrist, FiBL
Weiterführende Informationen
Weitere Artikel aus der Serie:
Kreislaufwirtschaft in Indien: Kein Selbstläufer (Meldung vom 10.06.2026)
Weidehaltung in Ungarn: Sensoren statt Bauchgefühl (Meldung vom 17.06.2026)
Alle eingereichten Konferenzbeiträge (sciencedirect.com, auf Englisch)
IFOAM International Animal Husbandry Alliance (ifoam.bio)
IAHA-Konferenz 2026 (iaha2026.org)
Zimbabwe Free Range Poultry Association (zfrpa.co.zw)
