Die Fusion ist das Ergebnis eines intensiven Prozesses, der bereits 2022 angestossen wurde. Historisch war die Demeter-Bewegung in der Schweiz auf zwei Organisationen verteilt: den Verein für biologisch-dynamische Landwirtschaft und den Schweizerischen Demeter-Verband. Mit der Fusion werden diese Strukturen nun im Verein «Demeter Schweiz» gebündelt.
Von der Hauptversammlung in den Vorstand gewählt wurden Lucas Didden (Dornach SO), Théo Fischer (Saint-Saphorin VD), Thomas Gabriel (Ennetbürgen NW), Andreas Hirschi (Madiswil BE), Jasmin Peschke (Arlesheim BL) und René Sgier (Wetzikon ZH). Erster Präsident von Demeter Schweiz ist Alfred Schädeli (Uettligen BE).
Alfred Schädeli blickt auf den Fusionsprozess zurück und erklärt, was er sich vom neuen Verein erhofft.
Alfred Schädeli, hast du mit einem so klaren Resultat gerechnet?
Ich habe erwartet, dass es deutlich wird, aber nicht so klar. Dass es weder Nein-Stimmen noch Enthaltungen gab, freut mich sehr. Das zeigt, wie breit der Entscheid getragen ist.
Ist das auch ein Erfolg des langen Prozesses?
Vor vier Jahren wäre eine solche Fusion undenkbar gewesen. Als wir das erste Mal darüber sprachen, die Demeter-Bewegung in einer Organisation zu bündeln, schien das unglaublich ambitioniert. Der Prozess hat Vertrauen geschaffen und erreicht, dass der Gedanke immer selbstverständlicher wurde.
Gab es Momente, in denen es schwierig wurde?
Ja, vor allem in einer frühen Phase. Wir haben uns teilweise im Kreis gedreht, weil die Positionen weit auseinander lagen, insbesondere unter den in den Gremien engagierten Bäuerinnen und Bauern. Nachdem wir diese gezielt an einen Tisch gebracht hatten, wurde die Zusammenarbeit konstruktiv und es ging voran.
Spielte der Entscheid, mit dem Label zu Migros und Coop zu gehen, eine Rolle?
Zu Beginn war das ein wesentliches Thema. Wir merkten, dass der damalige Entscheid nicht optimal getroffen worden war, und haben uns als Vorstand an der Hauptversammlung 2024 dafür entschuldigt. Das war sicher einer der Meilensteine, die diesen Ausgang ermöglicht haben.
Ihr habt eine neue Richtlinienversammlung Anbau geschaffen. Warum war das nötig?
Uns war früh bewusst: Ohne eine klare Lösung zur Richtlinienhoheit wird die Fusion scheitern. An der Richtlinienversammlung Anbau sind ausschliesslich landwirtschaftliche Betriebe stimmberechtigt. So stellen wir sicher, dass weiterhin die Landwirtinnen und Landwirte über die Anbaurichtlinien entscheiden.
Können denn Produzent*innen über die Richtlinien von Verarbeitung und Handel bestimmen?
Nein, das können aber auch Verarbeitende und Händler*innen nicht und das ist richtig so. Sonst würde die jeweilige Verarbeitungsbranche über ihre eigenen Richtlinien entscheiden, weil eine Metzgerin meist nicht viel von Pastaherstellung versteht. Die Richtlinienkommission Verarbeitung und Handel erarbeitet die Richtlinien, schlussendlich entscheidet der Vorstand.
Gibt es Vorgaben, wie der neue Vorstand zusammengesetzt sein muss?
Das war ein grosses Thema. Schlussendlich haben wir uns gegen jede Form von Quote entschieden. Die Bildung des neuen Vorstandes war schon so anspruchsvoll. Hätten wir noch Quoten berücksichtigen müssen, wäre es sehr schwierig geworden, ein funktionierendes Team zu finden.
Was erhoffst du dir von der neuen Organisation?
Einerseits hat sich das gegenseitige Verständnis innerhalb der Bewegung verbessert. Das ist schon ein grosser Erfolg. Für die Zukunft hoffe ich vor allem, dass wir nach aussen sichtbarer werden und mehr Wirkung erzielen. Mit einer gemeinsamen Organisation haben wir mehr Kraft, unsere Ideen in Landwirtschaft und Gesellschaft einzubringen.
Interview: Corinne Obrist, FiBL
Weiterführende Informationen
Medienmitteilung Demeter Schweiz (demeter.ch)
