Neben den Kunstwiesen ist Biogetreide flächenmässig die wichtigste Kultur einer typischen Biofruchtfolge. Sofern die Standortbedingungen es zulassen, wählen viele Biobetriebe Weizen als Hauptgetreideart. Dinkel eignet sich für extensive Betriebe, Winterroggen gedeiht auch an rauen Lagen und in Höhen bis zu 2000 Meter über Meer. Speisehafer erlebt zurzeit einen Aufschwung am Markt und wird für die Produktion von Flocken und Haferdrinks genutzt.
Biospeisegetreide im Qualitätstest
Wird Biogetreide für die menschliche Ernährung genutzt, rücken neben den agronomischen Eigenschaften die Qualitätsanforderungen in den Vordergrund: Für Weizen wird der Rohproteingehalt als Indikator für gute Backeigenschaften bewertet (zum Beispiel für den Feuchtglutengehalt) und mit Qualitätszahlungen gefördert. Die Weizensorten werden in einer kontinuierlichen Sortenprüfung von Agroscope und FiBL geprüft und die Sortenliste jährlich überarbeitet. Für Dinkel, Winterspeisehafer und Roggen wurden zwischen 2022 und 2025 drei Projekte gemeinsam mit den FiBL-Praxispartnerbetrieben durchgeführt.
Dinkel: traditionelle und neue Sorten im Vergleich
Im Dinkelprojekt wurden die traditionellen Sorten Ostro und Oberkulmer mit neuen Sorten aus der Biozüchtung Getreidezüchtung Peter Kunz (gzpk) miteinander verglichen. Bei den agronomischen Eigenschaften sollten das Ertragsniveau, die Standfestigkeit und die Krankheitsresistenz gegenüber Gelb- und Braunrost verbessert werden. Nach der Prüfung im Feld wurden die Sorten in Backversuchen verglichen und ein neues Protokoll für Backtests mit Dinkel namens «artisanal» entwickelt.
Anforderungen an das «Superfood» Hafer
Hafer gilt als «Superfood». Soll er für die menschliche Ernährung genutzt werden, muss er neben der richtigen Farbe (weiss oder gelb) auch ein gutes Hektolitergewicht aufweisen, damit ein gutes Korn-Spelzen-Verhältnis für die Verarbeitung erreicht wird. Winterhafersorten weisen in der Regel ein höheres Ertragspotential und bessere Hektolitergewichte auf als Sommerhafer.
Sorten mit geringer Mykotoxinbelastung
Mit der Überarbeitung der Kontaminanten-Verordnung gelten in der Schweiz ab Ernte 2026 neue Grenzwerte für Mykotoxine aus der Gruppe T-2 / HT-2; entsprechend wurde im KABB-Projekt «Sortenversuche Winterspeisehafer» auch die Resistenz gegenüber der Belastung mit diesen Mykotoxinen untersucht. Neben der bereits bekannten Sorte Eagle erwiesen sich Vodka, Snowbird und als besonders vielversprechende Kandidaten für die Produktion von Winterspeisehafer.
Roggen: Hybrid oder Population?
Im KABB Roggensorten-Projekt ging es um die Frage, ob Hybridsorten auch für den Biolandbau so grosse Vorteile bringen, dass über eine Zulassung diskutiert werden sollte. Die Hybridsorte Serafino stand dabei im Vergleich mit verschiedenen bekannten und neuen Populationssorten. Im Roggenanbau spielt die Standfestigkeit eine grosse Rolle für ein wirtschaftlich interessantes Resultat. Roggen ist deutlich stärker auswuchsgefährdet als alle anderen Getreidearten. Gelagerte Bestände führen in der Regel zu ungenügenden Fallzahlen und zur Deklassierung zu Futterroggen.
Mutterkorn als Herausforderung
Als offen abblühender Fremdbefruchter ist Roggen auch stärker gefährdet bezüglich Mutterkornbesatz. Populationssorten weisen in der Regel eine grössere Pollenschüttung auf als Hybridsorten und galten dementsprechend lange Zeit als weniger gefährdet gegenüber Mykotoxinbelastungen aus Mutterkornbefall als Hybridsorten.
Sortenunterschiede im Dreijahresvergleich
Während die Hybridsorte Serafino bezüglich Ertrag und Standfestigkeit besser abschnitt als die Populationssorten, erwies sie sich gemeinsam mit der Populationssorte Elias als anfälliger gegenüber Mutterkorn als die übrigen Sorten im Versuch. Die Populationssorte Baldachin schnitt im dreijährigen Vergleich besonders gut ab, insbesondere in der Standfestigkeit und bei der Resistenz gegenüber der Belastung mit Mykotoxinen aus Mutterkorn (Gruppe der Ergotalkaloide). Die bereits bekanntere Sorte Recrut bewährte sich ebenfalls gut.
Standort und Strategie sind entscheidend
Die Erfahrungen der Praxisbetriebe mit den unterschiedlichen Anbaustrategien und den teilweise schwierigen Wetterbedingungen ermöglichten einen Einblick in wichtige Erfolgsfaktoren: Auch wenn Roggen gegenüber Unkraut als besonders konkurrenzstark gilt, wurde deutlich, dass ein erhöhter Unkrautdruck im Feld das Lagerrisiko verschärft und zu wirtschaftlichen Einbussen führt. Bei der Belastung mit Myktoxinen durch Mutterkorn waren die Standorteffekte entscheidend. Auf Parzellen mit Gräserdurchwuchs und bei reduzierter Bodenbearbeitung war der Befallsdruck für Mutterkorn deutlich erhöht.
Biogetreide erleben an den Bioackerbautagen
Die Getreidesorten aus den obenerwähnten Projekten können an den Bioackerbautagen 2026 in Diessenhofen (19./20. Juni) besichtigt werden. Als ergänzendes Thema werden auch Sortenmischungen zu sehen sein. Der Anbau mit Sortenmischungen von Weizen zeigt ein gutes Potenzial zur Unterdrückung von Krankheiten wie Mehltau und Gelbrost. Durch eine verbesserte Ausnutzung von Licht, Wasser und Nährstoffen soll die Kombination mehrerer Sorten eine bessere Toleranz gegenüber Trockenheitsstress und hohen Temperaturen bringen.
Katrin Carrel, FiBL
Eine gekürzte Version dieses Artikels erschien im Bioaktuell-Magazin 5|2026.
Weiterführende Informationen
Kurzpräsentationen der Versuchsresultate und Schlussberichte (Rubrik Ackerbau)
