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Mit Vielfalt gegen Hitze und Schädlinge: Kartoffel-Höck 2026

Meldung  | 

Der diesjährige Kartoffel-Höck auf dem Tännlihof in Andelfingen stand ganz im Zeichen der Herausforderungen des Kartoffelanbaus im Klimawandel. Neben neuen hitze- und krankheitstoleranten Sorten präsentierte das FiBL verschiedene Strategien gegen altbekannte Schädlinge wie den Kartoffelkäfer und Drahtwürmer. Bei deren Bekämpfung könnte die funktionelle Biodiversität künftig an Bedeutung gewinnen.

Bis zu 1200 Eier kann ein Kartoffelkäfer-Weibchen legen, aus ihnen schlüpfen dann kleine Larven. Foto: FiBL, Nadine Furrer

Begleitpflanzen wie Ackerbohnen oder Buchweizen könnten dabei helfen, Nützlinge anzulocken, die Schädlinge regulieren. Foto: FiBL, Nadine Furrer

«Die Stimmung ist etwas durchzogen», fasste Tobias Gelencsér vom FiBL das laufende Kartoffeljahr zusammen. Nach einem vielversprechenden Start mit hochwertigem Pflanzgut setzt die anhaltende Hitze den Beständen zunehmend zu. Die Kartoffel stammt ursprünglich aus den Anden und reagiert empfindlich auf hohe Temperaturen. Bereits ab rund 32 Grad Celsius stellt sie ihr Wachstum ein. Steigen die Temperaturen weiter, können sich die Knollen sogar zurückbilden, erklärte Gelencsér.

Am Standort in Andelfingen zeigen sich die Auswirkungen langer Hitzeperioden. Im nahe gelegenen Wülflingen wurden in diesem Jahr bereits 28 Hitzetage registriert, davon 17 mit Temperaturen über 32 Grad, so Gelencsér. Wird der Damm zu heiss, geraten die Pflanzen unter Stress, mit Folgen für Ertrag und Qualität. Vorbeugende Massnahmen wie eine bessere Beschattung der Bestände oder die Wahl geeigneter Sorten gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung. «Solche Jahre werden uns in Zukunft wohl häufiger erwarten», sagte Gelencsér.

Robustheit gesucht

Wie unterschiedlich Kartoffelsorten mit Wetter und Krankheiten umgehen, zeigte der FiBL-Sortenversuch, der vom Bundesamt für Landwirtschaft BLW und dem Coop Fonds für Nachhaltigkeit finanziert wurde. Die Versuchssorten konnten am Kartoffel-Höck direkt auf dem Feld begutachtet werden. Laut den Forschenden lieferten alle Kandidaten im Versuchsjahr 2025 gute bis sehr gute Resultate, wiesen jedoch unterschiedliche Stärken und Schwächen auf. 
Besonders vielversprechend zeigten sich die Sorten Brianna und Taormina. Beide sind sehr ertragreich und kommen mit der aktuellen Hitze zurecht. Taormina ist zudem besonders robust gegenüber der Kraut- und Knollenfäule. Ihr auffallend ausgeprägtes Wurzelwerk liess sie selten welken. Das sei besonders interessant, denn klimastabile Sorten müssen sowohl mit nassen als auch mit trockenen und heissen Bedingungen auskommen können. Im ersten Jahr gab es aber einige Knollen mit Wachstumsrissen, dies muss nun weiter beobachtet werden, so Gelencsér.

Nützlinge als Verbündete

Neben der Sortenwahl setzt das FiBL auf funktionelle Biodiversität. In einem aktuellen Versuch wachsen Buchweizen und Ackerbohnen auf den Dämmen zwischen den Kartoffeln. Beide Arten blühen über einen langen Zeitraum und behaupten sich auch unter dichtem Kartoffellaub. Ihre Blüten und Blätter liefern Nahrung und Lebensraum für Nützlinge, so Nadine Furrer vom FiBL.

Wöchentlich zählen die Forschenden den Schädlingsdruck und welche Nützlinge in welcher Anzahl in den verschiedenen Parzellen vorkommen. Bereits jetzt zeigen sich deutliche Unterschiede: Wo Begleitpflanzen wachsen, wurden bisher mehr Florfliegen, Schwebfliegen, Marienkäfer, Wanzen und Spinnen gezählt als in Beständen ohne Begleitpflanzen. In beiden Versuchsjahren erwiesen sich Ackerbohnen als besonders attraktiv für Nützlinge. 

Diese natürlichen Gegenspieler könnten künftig eine wichtige Rolle bei der Bekämpfung des Kartoffelkäfers spielen. Dessen Vermehrung verläuft rasant: Ein einzelnes Weibchen legt bis zu 1200 Eier und bringt unter günstigen Bedingungen zwei bis drei Generationen pro Jahr hervor, erklärt Furrer. Gleichzeitig entwickelt der Kartoffelkäfer rasch Resistenzen gegenüber Insektiziden, weshalb Biobetriebe auf natürliche Regulation angewiesen sind.
Eine vielfältige Fruchtfolge sowie blühende Begleitpflanzen sollen die Populationen räuberischer Insekten langfristig fördern. Sie fressen Eier und Larven der Kartoffelkäfer und können so den Schädlingsdruck verringern.

Begleitpflanzen sollen Drahtwürmer ablenken 

Auch Drahtwürmer spielen eine wesentliche Rolle als Schädlinge im Kartoffelanbau. Wenn sie Kartoffelknollen anfressen, kann das erhebliche Qualitätsverluste verursachen. Ihre Regulierung ist allerdings sehr anspruchsvoll, so Lino Waldhauser vom FiBL. Drahtwürmer verbringen mehrere Generationen unter der Erde und können sich bis in Tiefen von zwei Metern zurückziehen. Oberflächliche Bodenbearbeitung erreicht sie deshalb nur unzureichend. Derzeit gibt es kein regulär zugelassenes, wirksames Pflanzenschutzmittel, das gegen Drahtwürmer eingesetzt werden kann.

Drahtwürmer sind wenig wählerisch und ernähren sich von zahlreichen Pflanzenarten. Diese Eigenschaft macht sich ein aktueller Versuch zunutze: Er untersucht, ob Begleitpflanzen die Schädlinge von den Kartoffeln ablenken können. Dazu werden die Schäden an den Kartoffelknollen systematisch erfasst und verschiedene Begleitpflanzen miteinander verglichen. Die Ergebnisse sollen zeigen, ob sich der Drahtwurmbefall auf diese Weise reduzieren lässt.

Genussvoller Abschluss

Zum Abschluss lud Familie Höneisen die Teilnehmenden dazu ein, die verschiedenen Kartoffelsorten mit hofeigenem Fleisch und verschiedenen Salaten zu probieren. Welche Kartoffelsorte nun am besten schmeckte, blieb letztlich Geschmackssache.

Michelle Knecht, FiBL

Weiterführende Informationen

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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