Im Rahmen des vom FiBL koordinierten Praxisversuchs wurden die Sorten Azilis, Brianna, Peter Pan und Taormina auf ihre Eignung für den Bioanbau untersucht. Als Referenz diente die etablierte Sorte Otolia. Die Versuche fanden auf sechs Praxisbetrieben statt.
Sehr hohe Erträge im Kartoffeljahr 2025
Die Saison 2025 war insgesamt ein sehr gutes Kartoffeljahr. Die Erträge lagen schweizweit hoch, auch im Bioversuch. Alle neuen Versuchssorten übertrafen die Referenz Otolia beim Ertrag. Besonders Brianna und Taormina erzielten sehr hohe Erträge, während Azilis etwas stärker zwischen den Standorten schwankte.
Die Sorten Taormina und Brianna wiesen rund zehn Prozent übergrosse Knollen auf. Peter Pan hatte kaum übergrosse, dafür rund 10 Prozent unterkalibrige Knollen. Aufgrund des hohen Knollenansatzes sollte sie weiter auseinander gepflanzt werden.
Peter Pan mit starker Krautfäule-Resistenz
Ein zentrales Kriterium im Bioanbau ist die Widerstandsfähigkeit gegenüber Krautfäule. Hier zeigte Peter Pan eine hohe und stabile Resistenz, die im Versuch nicht durchbrochen wurde. Auch Otolia und Taormina erwiesen sich als robust, während Brianna aufgrund ihrer lediglich feldresistenten Eigenschaften den höchsten Befall zeigte.
Peter Pan zeigte sich gleichzeitig sehr robust gegenüber der Dürrfleckenkrankheit Alternaria solani. Dies ist besonders interessant, denn klimastabile Sorten müssen beiden Krankheiten trotzen. In nassen Jahren stellt die Krautfäule die Hauptbedrohung dar, während es in trockenen, heissen Jahren viel mehr die Dürrfleckenkrankheit ist.
Sortenunterschiede je nach Krankheit
Im Jahr 2025 war der Befallsdruck durch Silberschorf und Colletotrichum insgesamt sehr hoch. Nur Peter Pan erreichte hierbei ähnlich gute Werte wie die Referenzsorte Otolia. Brianna und Taormina zeigten erhöhte Befallswerte, während Azilis am stärksten betroffen war.
Rhizoctonia zählt zu den wichtigsten Krankheiten im biologischen Kartoffelanbau und äussert sich in verschiedenen Knollensymptomen wie schwarzen Pocken auf der Schale, Deformationen oder «Dry-Core». Die Sorten Azilis, Brianna und Taormina erwiesen sich als wenig anfällig, während Otolia als anfällig gilt. Peter Pan wird derzeit als mittelanfällig eingestuft und soll im zweiten Versuchsjahr weiterhin genau beobachtet werden.
Der Schorfbefall blieb 2025 insgesamt gering, dennoch zeigten sich klare Sortenunterschiede. Brianna und Peter Pan präsentierten sich ähnlich wie Otolia als relativ resistent, während Azilis anfällig war. Taormina wird vorläufig als mittelanfällig eingestuft; eine genauere Einordnung soll 2026 erfolgen. Zudem fiel Taormina durch eine erhöhte Anfälligkeit für Wachstumsrisse auf.
Qualität und Verarbeitung: gemischtes Bild
Bei der Verarbeitung zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen den Sorten. Peter Pan überzeugte mit gutem Geschmack und vielseitiger Verwendbarkeit, auch für hocherhitzbare Produkte. Otolia und Peter Pan schnitten bei Pommes frites und Rösti am besten ab. Brianna erwies sich hingegen als ungeeignet für stark erhitzte Produkte.
Weitere Tests nötig
Das Fazit des Praxisversuches ist positiv: die geprüften Sorten verfügen über unterschiedliche Stärken und Schwächen, lieferten aber insgesamt gute bis sehr gute Resultate. Die Forschenden empfehlen, sämtliche Kandidaten im Jahr 2026 erneut zu testen, bevor Entscheidungen für die Sortenlisten getroffen werden.
Corinne Obrist, FiBL
Weiterführende Informationen
Biokartoffelsortenprüfung (Rubrik Pflanzenbau)
Sortenliste Biokartoffeln (Rubrik Sortenlisten)
