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Stinkbrand-Risiko beim Nachbau von Getreide erhöht

Meldung  | 

Unkontrolliertes Saatgut aus eigener Vermehrung ist anfälliger für Stinkbrand und kann hohe Folgekosten verursachen. Zertifiziertes Saatgut ist daher die erste Wahl.

Mit Stinkbrand stark befallenes Getreide ist ungeniessbar. Als Futtermittel kann es bei Tieren Durchfall oder Fehlgeburten auslösen. Milch und Eier können fischig riechen. Foto: Agroscope

Statt Körnern bilden sich Brandbutten mit einer braun-schwarz gefärbten Sporenmasse. Beim Zerdrücken wird ein fauler Fischgeruch freigesetzt. Foto: Agroscope

Eine kleine Menge befallenen Weizens kann 100 Tonnen gesundes Getreide kontaminieren. Genau das ist in den Ernten 2025 und 2026 an Partnersammelstellen der Mühle Rytz passiert. Verantwortlich dafür war Stinkbrand (Tilletia caries), eine Brandkrankheit, die vor allem Weizen, Dinkel sowie gelegentlich Emmer, Einkorn und Hartweizen befallen kann. «Wir hatten in den letzten Jahren jedes Jahr zwei bis fünf Fälle», sagt Christian Rytz, Geschäftsführer der Mühle Rytz. 

Wenn es schon zu spät ist

Selbst erfahrene Sammelstellenleiter erkennen Stinkbrand bei der Annahme nicht immer sofort. «Oft riecht man den typischen Fischgeruch erst, wenn die Annahme schon im vollen Gang ist.» Dann sei die befallene Partie häufig bereits mit gesundem Getreide vermischt und lasse sich nicht mehr trennen. Die Kosten für Deklassierung oder Entsorgung müssen die betroffenen Betriebe selbst tragen. Wird der Befall erst nach der Einlagerung entdeckt, drohen zusätzlich hohe Schadenersatzforderungen – etwa wenn gesundes Getreide anderer Betriebe deklassiert oder abgesaugt werden muss.

Für Hans-Jakob Schärer vom FiBL kommt diese Entwicklung nicht überraschend. «Das Thema muss man den Leuten alle paar Jahre wieder in Erinnerung rufen», sagt er. Nach seiner Einschätzung hängt der Befall häufig mit unkontrolliertem Nachbausaatgut zusammen. Diese Beobachtung bestätigt auch Christian Rytz: «Bei sämtlichen uns bekannten Fällen hatten die Landwirte betriebseigenes, nicht kontrolliertes Saatgut nachgebaut.» 

Nachbausaatgut im Labor prüfen lassen

Hans-Jakob Schärer vom FiBL rät grundsätzlich von der Verwendung von Saatgut aus eigener Vermehrung ab. Falls dennoch eigenes Saatgut verwendet wird, sollte es nur aus befallsfreien, kontrollierten Beständen stammen und auf Brandsporen untersucht werden. Die Feldkontrolle erfolgt vor der Ernte. Die typischen Stinkbrandsymptome werden erst nach dem Ährenschieben sichtbar. Statt normaler Körner bilden sich sogenannte Brandbutten, die beim Zerdrücken eine dunkelbraune bis schwarze, pulvrige Sporenmasse mit intensivem Fischgeruch freisetzen. 

Die Untersuchung auf Brandsporen erfolgt im Saatgutprüflabor von Agroscope Reckenholz ZH. Dafür wird eine repräsentative Probe benötigt. Für die weiteren Instruktionen empfiehlt Michael Muschick, Leiter des Saatgutprüflabors von Agroscope aus der Forschungsgruppe Saatgutqualität, sich vorab per E-Mail zu melden (siehe Weiterführende Informationen). Die Analyse kostet 80 Franken. Bislang würden nur wenige Biobetriebe dieses Angebot nutzen. «Im Durchschnitt lassen jährlich weniger als zehn Betriebe ihr Nachbausaatgut auf Stinkbrand untersuchen», sagt er. Die bisherigen Laborbefunde stützen die Beobachtungen aus der Praxis: Alle untersuchten Proben mit erhöhtem Brandsporenbefall stammten aus nachgebautem Saatgut. Bei mehr als zehn Stinkbrandsporen pro Korn empfiehlt Agroscope, das Saatgut nicht mehr ungebeizt auszusäen.

Je nach Befallsstärke können Brandsporen noch mit dem biologischen Saatbeizmittel Cerall sowie mit Warmwasser- oder Dampfbehandlungen reduziert werden. Laut Hans-Jakob Schärer sind diese Verfahren jedoch aufwendig und kostenintensiv. 

Zertifiziertes Saatgut bleibt die sicherste Lösung

Die Folgen eines Befalls enden nicht mit der Ernte. Brandsporen können je nach Erreger mehrere Jahre auf dem Saatgut und im Boden überdauern. Das FiBL rät deshalb, anfällige Getreidekulturen während mindestens vier Jahren nicht auf derselben Fläche anzubauen. Da eine so lange Anbaupause in der Praxis oft schwierig umzusetzen ist, sollten weitere Massnahmen die Ausbreitung der Krankheit verhindern. Dazu gehört, stark befallene Bestände erst zum Schluss der Ernte zu dreschen und den Mähdrescher anschliessend gründlich – etwa mit Druckluft oder einem Dampfgerät – zu reinigen. Eine flache Bodenbearbeitung kann den Abbau der Sporen zusätzlich fördern.

Für Christian Rytz zeigt jeder neue Fall, wie wichtig Vorbeugung ist. Sein Appell: «Bitte kauft zertifiziertes Saatgut. Die relativ kleine Einsparung beim Nachbau von eigenem Saatgut steht in keinem Verhältnis zu den Risiken.»

Katrin Erfurt, Bioaktuell

Der Artikel erscheint im Bioaktuell Magazin 7|26.

Weiterführende Informationen

Fragen zur Saatgutprüfung per E-Mail an saatgutqualitaet(at)agroscope.admin.ch
Weitere Infos zum Stinkbrand (pflanzenkrankheiten.ch)

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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