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Belgischer Bio­birnen­anbau: von Conférence und neuen Sorten

Meldung  | 

90 Prozent der belgischen Birnenanlagen sind mit der Sorte Conférence bepflanzt. Gleichzeitig testen einzelne Betriebe neue Sorten und innovative Anbausysteme. Eine Fachreise nach Belgien bot Schweizer Produzentinnen und Produzenten, Beratungspersonen und Forschenden spannende Einblicke in eines der wichtigsten europäischen Birnenanbaugebiete.

Die Biobirnenfachreise 2026 ging in eines der wichtigsten europäischen Anbaugebiete, nach Belgien. Foto: FiBL, Fabian Baumgartner

«Celina» gilt dank ihres erstaunlichen Lagerpotenziales als interessante Zukunftssorte. Foto: FiBL, Michael Friedli

Die Herausforderungen im belgischen und Schweizer Biobirnenanbau sind vergleichbar; Schwerpunkte hingegen unterscheiden sich. Foto: Michael Friedli

Vom 5. bis 8. August nahmen 13 Personen aus Praxis, Beratung und Forschung an einer Biobirnenfachreise nach Belgien teil. Ziel war es, neue Kontakte in einem der wichtigsten europäischen Birnenanbaugebiet zu knüpfen, sich fachlich auszutauschen und neue Ideen und Lösungsansätze für den Schweizer Biobirnenanbau mitzunehmen.

Belgien setzt fast ausschliesslich auf Conférence

Auf ihrem biologisch bewirtschafteten Betrieb bauen Jan und An Lovet sowohl Äpfel als auch Birnen an. Bei den Birnen ist dies vorwiegend die Sorte «Conférence», welche mit 90 Prozent der Anbaufläche die Hauptsorte im belgischen Birnenanbau ist.

Die Sortenvielfalt im belgischen Birnenanbau ist aufgrund der stark exportorientierten Vermarktung begrenzt. Die Sorte «Conférence» dominiert den Anbau deutlich. Die starke Konzentration auf wenige Sorte dürfte mit ein Grund sein, wieso der Birnenschorf eine der wichtigsten Heraus­forderungen ist. In diesem Jahr war der Schorfdruck in Belgien aufgrund der trockenen Witterungs­verhältnisse jedoch vergleichsweise gering.

Klick-Schnitt und Regendächer in der Praxis

Im Mittelpunkt des Austauschs standen insbesondere Themen wie Pflanzenschutz, Düngung und Schnitt. Dabei stiess vor allem der angewendete Klick-Schnitt auf grosses Interesse. Bei diesem Schnitt werden aufrechte Triebe nicht gänzlich herausgeschnitten, sondern um etwa zwei Drittel auf vier bis fünf Knospen eingekürzt. Dies führt zur Bildung von Blütenknospen unter der Schneidestelle und fördert durch den entstehenden neuen aufrechten Trieb auch die Fruchtgrösse.

Die Hauptanbaufläche des Betriebes wird ohne Witterungsschutz bewirtschaftet. Ein Versuch auf einer Fläche von rund einem Hektar testet den Anbau von Birnen unter einem Regendach.

Forschung für den Birnenanbau von morgen

Beim Forschungsinstitut pcFruit in Sint-Truiden erhielt die Gruppe Einblicke in verschiedene aktuelle Forschungsarbeiten, unter anderem zur Sortenprüfung bei Birnen, zur Optimierung von Entscheidungshilfemodellen, zum Einsatz autonomer Maschinen sowie zur Aufbereitung und Wiederverwendung von Restwasser aus Pflanzenschutzgeräten.

Neue Sorten mit Lagerpotenzial und Apfelschorfresistenz

Yvan Verhemeldonck baut auf seinem biologisch wirtschaftenden Birnenbetrieb neben Conférence auch neuere Sorten wie «Celina (QTee®)» und «PremP009 (PIQA® Red)» an. Die Frühsorte «Celina» gilt dank ihres erstaunlichen Lagerpotenziales insbesondere für den frühen Erntebereich als interessante Zukunftssorte. Die interspezifische Birnensorte «PremP009» stammt aus Neuseeland und erinnert geschmacklich und optisch stark an Nashi. Die Sorte konnte sich deshalb im europäischen Markt bislang noch nicht breiter etablieren. Auf derselben Parzelle konnte zudem die Apfelsorte GoodnessMe® besichtigt werden. Die Sorte verfügt über eine Doppelresistenz gegenüber Apfelschorf.

Mit auf dem Betriebsbesuch war Produzent, Händler und Lizenzinhaber Kris Wouters, der sehr interessante Ausführungen zum Birnenhandel machte. Gemeinsam mit allen Beteiligten entwickelte sich ein intensiver fachlicher Austausch zu Sorteneigenschaften, Anbau und Vermarktung.

Wertvolle Impulse für den Schweizer Biobirnenanbau

Die Reise zeigte, dass die Herausforderungen im belgischen und Schweizer Biobirnenanbau durchaus vergleichbar sind, teilweise aber unterschiedliche Schwerpunkte bestehen. Besonders wertvoll war der direkte Einblick in die Praxis: Zu sehen, wie belgische Produzentinnen und Produzenten mit den bestehenden Herausforderungen umgehen und welche Lösungen sie für ihre Probleme entwickeln, lieferte zahlreiche Anregungen für die weitere Arbeit im Schweizer Biobirnenanbau.

Die Fachreise wurde im Rahmen des laufenden Biobirnenprojekts, das von Bio Suisse und Coop finanziell unterstützt wird, durchgeführt. Das FiBL führte die Reise in Zusammenarbeit mit dem Regionalen Bioobstbauring Ostschweiz und dem Kompetenzzentrum für Landwirtschaft des Kantons Thurgau (Arenenberg) durch.

Fabian Baumgartner, FiBL

Weiterführende Informationen

Obstbau (Rubrik Pflanzenbau)
Bioobstbaubulletin (Verteiler)
Birnenschorfbulletin

 

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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