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Schwerpunkt funktionelle Biodiversität im Kurs Biogärtnereien 2026

Meldung  | 

Der diesjährige Umstellungs- und Weiterbildungskurs Biogärtnereien fand Anfang September am FiBL in Frick und auf dem Haselhof in Remigen statt. Im Zentrum standen die Biodiversitätsförderflächen (BFF) und die funktionelle Biodiversität in Biogärtnereien. Fachpersonen aus Beratung, Forschung, Kontrolle und Praxis vermittelten aktuelles Wissen und zeigten konkrete Lösungsansätze für die Umsetzung auf den Betrieben auf.

Hinter dem Haselhof stehen Konrad Hilpert (hier im Bild) und Christian Siegrist. Hilpert hat viele Jahre die Staudengärtnerei Eulenhof in Möhlin geführt, Siegrist betreibt eine Baumschule in Seengen. FiBL, Regine Kern Fässler

Christian Siegrist (links im Bild) kultiviert in seiner Baumschule in Seengen und bietet sein Sortiment an Wildgehölze und Beeren im Haselhof zum Verkauf an. Foto: FiBL, Regine Kern Fässler

Die Haselhof Gärtnerei ist eine Biogärtnerei mit Schwerpunkt auf einheimischen Wildstauden, Wildgehölzen und weiteren ökologisch wertvollen Gartenpflanzen. Foto: FiBL, Regine Kern Fässler

Das Areal des Haselhofs in Remigen wurde von Pro Natura Aargau im Frühjahr 2024 übernommen. Die Naturschutzorganisation kaufte damals die ehemalige Erlebnisgärtnerei Dietwyler mit rund 3,5 bis 3,7 Hektaren Land, Wald und Gärtnereiflächen. Foto: FiBL, Regine Kern Fässler

Nach den Begrüssungsworten von Regine Kern, FiBL, informierte Kai Pulfer (Bioterra) über die Bioterra-Klimaschutzaktion «Netto Null», bei welcher auch Biogärtnereien eine wichtige Rolle einnehmen werden. Ilona Stoffel, Bio Suisse, überbrachte Grussworte und gab Einblick in aktuelle Entwicklungen bei den Knospe-Richtlinien und deren Herausforderungen für Biogärtnereien. Unter anderem ging es um die weitere Reduktion der zulässigen Torfanteile in der Jungpflanzen- sowie Topf- und Zimmerpflanzenproduktion, der verstärkte Einsatz erneuerbarer Energien zur Beheizung von Gewächshäusern sowie die kommenden Neuerungen beim Pflanzenvermehrungsmaterial.

Biodiversitätsförderflächen als Chance für Biogärtnereien

Iona Stoffel zeigte auf, wie Biodiversitätsförderflächen (BFF) in Biogärtnereien berechnet, ausgewiesen und erfolgreich umgesetzt werden können. Daniel Moos von bio.inspecta erläuterte die Anforderungen an die Kontrolle und die geltenden Vorgaben für Gärtnereien, Zierpflanzenproduzenten und Baumschulen. Dabei wies er darauf hin, dass mindestens 7 Prozent der gärtnerischen Nutzfläche als Biodiversitätsförderflächen ausgewiesen werden müssen. Für die Kontrolle ist ein Flächenplan notwendig, in dem sämtliche BFF dokumentiert sind. 

Die Betriebe können die Elemente der Biodiversitätsförderflächen grundsätzlich frei wählen, wobei die Qualitätsstufe I ausreichend ist. Zudem müssen die Pflegemassnahmen gemäss der Agridea-Wegleitung (siehe weiterführende Informationen unten) umgesetzt werden. Besonders relevant für reine Biogärtnereien ist, dass auch Kleinflächen angerechnet werden können und das Kriterium der anrechenbaren Fläche keine einschränkende Rolle spielt. 

Anschliessend vermittelte Cornelia Kupferschmid vom FiBL anhand praxisnaher Beispiele, welche Biodiversitätselemente sich auf kleinen und grossen Flächen eignen und wie sie sinnvoll in bestehende Betriebsstrukturen integriert werden können. Besonders für Biogärtnereien im Siedlungsraum mit Schwerpunkt Zierpflanzen kann die Umsetzung der geforderten Flächen herausfordernd sein. Wildpflanzengärtnereien mit Mutterpflanzenquartieren oder Gärtnereien mit naturnah gestalteten Verkaufsflächen können diese Anforderungen leichter erfüllen. 

Es wurde deutlich, dass Biodiversitätsförderflächen in Gärtnereien häufig aus vielen kleinen Teilflächen zusammengesetzt werden müssen. Als hilfreiches Instrument für die Praxis hob Daniel Moos die Kumulierung von Flächen hervor, welche die Erfassung und Anerkennung von Biodiversitätsleistungen erleichtern kann.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der funktionellen Biodiversität. Dabei wurde aufgezeigt, welche Lebensräume und Strukturen Nützlinge benötigen, um ihren gesamten Lebenszyklus im Betrieb zu vollenden. 

Wiesel als natürliche Helfer gegen Wühlmäuse

Ein besonderes Augenmerk lag auf der natürlichen Regulierung von Wühlmäusen. Tabea Lanz von info fauna zeigte auf, welche Rolle die beiden Wieselarten, Hermelin und Mauswiesel, als natürliche Gegenspieler einnehmen und wie durch den Bau und die Pflege von Wieselburgen geeignete Lebensräume geschaffen werden können. Gärtnereien, vor allem Baumschulen, können Wieselburgen sehr gut nutzen. 

Wiesel sind auf eine strukturreiche, durchlässige Kulturlandschaft angewiesen, die reich an verschiedenen Lebensräumen, Landschaftselementen und Kleinstrukturen durchsetzt sind. Es wurde deutlich, dass Biodiversitätsförderung und betrieblicher Nutzen eng miteinander verknüpft werden können und ökologische Lösungen einen wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Bewirtschaftung leisten.

Einblicke in die Praxis auf dem Haselhof

Am Nachmittag besuchte die Gruppe den Haselhof in Remigen. Die Flächen des Betriebs wurden im Frühjahr 2024 von Pro Natura Aargau übernommen, um den ökologisch wertvollen Standort langfristig zu sichern und naturschutzorientiert weiterzuentwickeln. 

Christoph Flory von Pro Natura Aargau führte in die Geschichte des Standorts ein: Die Gärtnerei Haselhof entstand 2026 aus dem Zusammenschluss der traditionsreichen Staudengärtnerei Eulenhof von Konrad Hilpert und der Baumschule Siegrist von Christian Siegrist auf dem Areal der ehemaligen Erlebnisgärtnerei Martin Dietwyler. Die Biogärtnerei hat sich auf die Produktion von einheimischen Wildstauden, Wildgehölzen und weiteren ökologisch wertvollen Gartenpflanzen spezialisiert. Mit regional vermehrten Pflanzen, einer grossen Artenvielfalt und fundierter Fachberatung leistet der Betrieb einen wichtigen Beitrag zur Förderung naturnaher Gärten und der Biodiversität.

Christian Siegrist zeigte auf, wie Biodiversitätsförderung, regionale Pflanzenproduktion und naturnahe Gestaltung in die betriebliche Praxis integriert werden können. Besondere Aufmerksamkeit galt den verschiedenen Lebensräumen auf dem Areal, der Verwendung einheimischer Pflanzenarten und deren Bedeutung für die Förderung von Artenvielfalt und Nützlingen. Konrad Hilpert und Manuel Nägeli führten durch die Kulturflächen, wo eine grosse Vielfalt an Pflanzen, mit wenigsten Ausnahmen alles Eigenvermehrung, in immenser Handarbeit kultiviert werden. Selbst die Substratmischung mit dem eigenen Kompost entsteht in Eigenleistung und trägt zur Kreislaufbewirtschaftung bei.

In eindrücklicher Weise zeigte das Team vom Haselhof die Stärken einer gemeinsamen Bewirtschaftung. Die Energie und Freude für den Wiederaufbau der einst verwilderten Gärtnerei und die Leidenschaft für das gärtnerische Handwerk waren stark präsent. 

Beim abschliessenden Austausch und Zvieri-Essen bot sich den Teilnehmenden die Möglichkeit, offene Fragen mit den Referierenden zu diskutieren und Erfahrungen aus ihren eigenen Betrieben zu teilen. Der Kurstag machte deutlich, dass Biodiversitätsförderung und Produktion erfolgreich miteinander kombiniert werden können und in Biogärtnereien vielfältige Potenziale bieten.

Regine Kern Fässler, FiBL 

Weiterführende Informationen 

Haselhof Remigen (Betriebswebseite) 
Gärtnerische Kulturen (Rubrik Pflanzenbau) 

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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