Arzneipflanzen enthalten nicht nur einen einzelnen Wirkstoff, sondern eine Vielzahl verschiedener Inhaltsstoffe. Diese können an unterschiedlichen Stellen im Körper wirken und sich gegenseitig ergänzen. Genau darin sehen Forschende einen wichtigen Vorteil gegenüber isolierten Wirkstoffen. Michael Walkenhorst, Tierarzt und Co-Leiter des Departements für Nutztierwissenschaften am FiBL, erklärt, dass etwa bei Magen-Darm-Erkrankungen meist mehrere Beschwerden gleichzeitig auftreten. Deshalb sei es von Vorteil, wenn eine Arzneipflanze wie die Kamille nicht nur Krämpfe lindere, sondern zugleich entzündungshemmend wirke. Gleichzeitig machen diese komplexen Wirkstoffgemische die wissenschaftliche Untersuchung anspruchsvoll. Moderne Analysen tragen jedoch dazu bei, die Wirkmechanismen traditionell genutzter Arzneipflanzen immer besser zu verstehen.
Bewährte Pflanzen für die landwirtschaftliche Praxis
Studien des FiBL zeigen, dass auf Schweizer Tierhaltungsbetrieben vor allem bekannte Arzneipflanzen wie Kamille, Ringelblume, Johanniskraut oder Brennnessel verwendet werden. Viele Anwendungen werden innerhalb der Familie weitergegeben, andere stammen aus Fachbüchern oder Kursen. Gleichzeitig zeigen die Erhebungen, wie unterschiedlich Dosierungen und Anwendungen in der Praxis ausfallen können.
Praktische Tipps für den Einstieg
Michelle Krügel, Drogistin und Geschäftsinhaberin einer Drogerie, empfiehlt für den Einstieg insbesondere Thymian, Brennnessel und Bitterstoffpflanzen wie Löwenzahn. Letzteren bezeichnet sie im Podcast als «Omo der Körperzellen», weil er den Stoffwechsel unterstütze und den Körper beim «Putzen und Reinigen» helfe. Zudem erklärt sie, wie diese Pflanzen beispielsweise als Tee, Heu oder Inhalation eingesetzt werden können und worauf bei der Anwendung geachtet werden sollte. Sie gibt ausserdem Hinweise zur richtigen Lagerung von getrockneten Arzneipflanzen, damit ihre Qualität möglichst lange erhalten bleibt.
Grenzen nicht vergessen
So vielfältig Arzneipflanzen eingesetzt werden können - sie ersetzen nicht in jeder Situation konventionelle Arzneimittel. Bei schweren Erkrankungen oder Notfällen bleibt die Schulmedizin unverzichtbar. Arzneipflanzen können jedoch dazu beitragen, Krankheiten vorzubeugen, Tiere bei der Genesung zu unterstützen und den Einsatz bestimmter Medikamente sinnvoll zu ergänzen.
Weiterführende Informationen
Podcast FiBL Focus 124 «Arzneipflanzen – Bewährtes Wissen, neue Forschung»
Dossier «Heilkräuter für Kuh und Kalb» (BauernZeitung)
FiBL-Faktenblatt «Kälber und Ferkel mit Arzneipflanzen stärken» (FiBL-Shop)
FiBL-Merkblatt «Erfolgreiches Absetzen der Bioferkel» (FiBL-Shop)
Meldung «Neue FiBL Focus-Podcastfolge: Knoblauch für den Schweinebauch» (Rubrik Beratung)
Buch «Kräuter für Nutz- und Heimtiere: Ratgeber für die Anwendung ausgewählter Heil- und Gewürzpflanzen» (Organic Eprints)
Projektwebsite (MedPlants4Vet)
Kursankündigungen in der Agenda
Workshops, Abendveranstaltungen und Kräuterspaziergänge (üsi drogerie)
