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Wetterextreme erfordern Flexibilität

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Der Extremsommer 2026 verleitet dazu, notwendige Anpassungen im Pflanzenbau auf die Trockenheit auszurichten. Stattdessen wird es immer wichtiger, auf verschiedene Wetterextreme vorbereitet zu sein – das war eine Kernbotschaft in einem von Bio Suisse organisierten Webinar Anfang September. Die Teilnehmenden interessierten sich vor allem für die Zukunftsaussichten sowie für kurzfristige Massnahmen in diesem Herbst.

Die Bilder aus dem Sommer 2026 zeigen die Auswirkungen der extremen Trockenheit im Grasland, hier im Kanton Solothurn. Foto: FiBL, Thomas Alföldi

«Die Situation ist nicht vorbei, es dürfte schwierig bleiben», fasste Urs Brändli, Präsident von Bio Suisse, die aktuelle Lage in der Landwirtschaft zusammen. «Massnahmen und Ausnahmebewilligungen sind immer eine Gratwanderung zwischen Hilfe und Glaubwürdigkeit der Knospe», erklärte Brändli die Herausforderungen beim Umgang mit der Situation. «Ich glaube, das haben wir bisher recht gut hinbekommen», ist er überzeugt. 

Die Diskussion zeigte, dass sich die Teilnehmenden bereits intensiv mit konkreten Massnahmen beschäftigt haben. Sie stellten Fragen zur Herbstnutzung, zum Eingrasen und zur Artenwahl bei der Einsaat. 

Grosse regionale Unterschiede 

Pauschale Antworten waren jedoch manchmal schwierig zu finden: «Die Situation ist sehr unterschiedlich je nach Region, Betrieb und vorhergehender Bewirtschaftung. Manche Wiesen sehen von Weitem wieder grün aus, aber bei näherem Hinsehen sind dann doch viele Lücken erkennbar», erklärte Julie Klötzli, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaues AGFF. Auf die Frage, ob bald Futter aus Amerika importiert werden müsse, gab Beatrice Scheurer, Fachspezialistin für Fütterung bei Bio Suisse, zu bedenken: «Innerhalb von Europa wurden sehr unterschiedliche Futtererträge erzielt. Es gab auch Regionen ohne Probleme.» 

Zusammenhalt und Vorbereitung 

Doch was heisst das jetzt für die Zukunft? «Wir sollten nicht nur reagieren, sondern auch agieren», betonte Urs Brändli. Für den aktuellen Zeitpunkt rief er dazu auf, «Solidarität zu leben» und übriges Futter und Herbstweiden anzubieten, wo möglich. 

Klötzli stellte fest: «Es ist wirklich eine Strategie, die Futterautonomie auf dem Betrieb zu stärken». Und das gelte für alle Wetterszenarien. 

Resilienz des Bodens ist zentral 

Julie Klötzli stellte die Ergebnisse einer Studie zu Trockenstress im Grasland mit simulierten Trockenheitsperioden in den Jahren 2011 und 2011 vor. Sie wies auf zahlreiche daraus abgeleitete Massnahmen hin, die helfen können, die Graslandbestände zu unterstützen. Vieles davon ist bereits im Artikel «Futterbau und Trockenheit» vom 17.8. zu lesen (siehe Weiterführende Informationen). 

Für Klötzli war eine spannende Frage: «Wie kann man dem Boden die besten Bedingungen bieten, um seine Resilienz zu erhöhen?» Zum aktuellen Zeitpunkt sei am wichtigsten, die Graslandflächen schonend zu behandeln und den Pflanzenbestand zur Erholung so weit möglich in Ruhe zu lassen, waren sich Julie Klötzli und Daniel Böhler, Landwirt und Berater am FiBL, einig. 

Trockenheit ist nicht alles 

Klötzli warnte jedoch davor, sich allzu fest auf die Trockenheitssituation festzulegen. «Wir müssen uns an die stärkere Variabilität anpassen, nicht nur an extreme Trockenheit». Bei den Niederschlägen sei auch in Zukunft mit «starken räumlichen und zeitlichen Schwankungen» zu rechnen. Das mache die Anpassung im Futterbau so schwierig. Es gelte das Risiko zu streuen. 

Daniel Böhler setzt deshalb auf Diversität bei der Einsaat von Kunstwiesen: «Wir wählen nicht nur Mischungen, die trockenheitstolerant sind, sondern möglichst diverse Mischungen, damit wir auch nasse Jahre gut überstehen.» Um für möglichst viele Wetterentwicklungen gewappnet zu sein, brauche es laut Böhler «viele Bausteine und eine flexible, schnelle Anpassung». Neben dem Grünfutter setzt er deshalb auf melassiertes betriebseigenes Stroh als Futtergrundlage. 

Klimawandel bringt auch Vorteile

Julie Klötzli richtete den Blick auch auf mögliche Vorteile der künftigen Wetterentwicklungen. Die Vegetationsperiode ist länger und der Schnittbeginn habe sich in 30 Jahren um zwei Wochen vorverschoben. «Durch längere Vegetationsperioden gewinnt eine optimale Nutzung im Herbst und Frühjahr an Bedeutung.» Auch ein gezielter Zwischenfutteranbau werde wichtiger, so Klötzli. 

Daniel Böhler legt diesen Herbst Kleegraswiesen in Kombination mit einer Ganzpflanzensilagemischung (GPS) aus Roggen, Futtererbse, Ackerbohne und Wicken an. Auf diese Weise kann im Frühjahr im ersten Schnitt das Roggen-Leguminosengemisch siliert werden und im Schatten der GPS-Mischung kann sich die Kleegrasmischung für die weiteren Schnitte etablieren.

Leben mit Unsicherheitsfaktor

In der Diskussion wurde deutlich, wie schwer die zukünftigen Wetterentwicklungen abzusehen sind und was für ein grosser Unsicherheitsfaktor das für die Betriebe ist. «Mit welcher Häufigkeit müssen wir mit einem Sommer wie diesem rechnen?», fragte ein Teilnehmer. Julie Klötzli wies auf die Tücken unserer Wahrnehmung hin: «Die Extremereignisse prägen uns – wir haben sie alle im Kopf. Im Moment sind das immer noch Ausnahmen, aber es wird sehr wahrscheinlich in Zukunft wieder auftreten.»

Simona Moosmann, FiBL 

Weiterführende Informationen 

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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