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Dürresommer 2026: Erfahrungen der Bioinspecta

Meldung  | 

Die Trockenheit und Hitze des Sommers 2026 monopolisieren sämtliche Energiereserven der Biobetriebe in der Schweiz. Auch die Bioinspecta wird in den Ausnahmezustand versetzt. Andreas Müller blickt auf die vergangenen Monate zurück und schildert die Situation aus Sicht der Kontroll- und Zertifizierungsstelle.

Im einen Jahr erreichen die Bioinspecta Ausnahmegesuche für den Kauf nicht-biologischer Tiere, im nächsten fehlt das Futter. Foto: FiBL, Thomas Alföldi

Während der Monate Januar und Februar durchlaufen unsere Auditoren und Auditorinnen die jährlich wiederkehrenden Ausbildungstage. Sie werden auf Aktualitäten und Neuerungen vorbereitet, um für die Hauptkontrollsaison gewappnet zu sein. Im Spätwinter 2025/26 war noch nicht vorhersehbar, welche Folgen die klimatischen Bedingungen vielerorts für Tierhaltungsbetriebe haben würden.

Start mit Futter- aber ohne Feuchtigkeitsvorräte im Boden

Betriebe mit Raufutterverzehrern profitierten von den günstigen Ernteverhältnissen der Jahre 2024 und 2025 und verfügten vielfach über ansehnliche Futtermittelreserven. Der Weidebeginn konnte als Folge trockener Bodenverhältnisse in den meisten Regionen frühzeitig ins Auge gefasst werden.

Gleichzeitig meldeten uns Betriebe, die ihren Tierbestand erweitern wollten, ein ungenügendes Angebot an biologischen Nutztieren. Die angebotenen Tiere würden den qualitativen Erwartungen nicht entsprechen und seien zu teuer. Im Frühjahr 2026 erreichten uns deshalb zahlreiche Gesuche für den Zukauf nicht-biologischer Tiere. 

Die Grundstimmung auf den Betrieben war positiv. Die spärlichen Niederschläge des Frühjahres ermöglichten auch den Betrieben ohne Tierhaltung eine verzögerungslose, fristgerechte und bodenschonende Verrichtung der anstehenden Arbeiten. Die Konservierung des ersten Raufutterschnittes fiel quantitativ durchschnittlich bei hervorragender Qualität aus.

Die erste Hitzewelle und ausbleibender Niederschlag im Mai

Die erste Hitzewelle in der zweiten Maihälfte, vielerorts verbunden mit ungewöhnlicher Trockenheit für die Jahreszeit, war der Vorbote des Hitze- und Dürresommer 2026. Dieser wird lange in Erinnerung bleiben und möglicherweise einen richtiggehenden Paradigmenwechsel in der schweizerischen Biolandwirtschaft auslösen. 

Aus den kontrovers geführten Debatten sind unterschiedliche Ansichten über notwendige Massnahmen als Reaktion auf die Klimaveränderung zu hören. Ein zeitnaher runder Gesprächstisch unter den verschiedenen Partner*innen scheint dringend notwendig.

Nahtloser Übergang zu endloser Hitze- und Trockenheitsperiode 

Nach ein paar Junitagen mit moderateren Temperaturen, aber auch ohne Niederschläge, folgte eine Hitzewelle der nächsten. Anfang Juli trafen die ersten Gesuche für den Zukauf von nicht Knospe-Grundfutter auf unserer Zertifizierungsstelle ein. Der Strom von Anfragen ist nachvollziehbarerweise bis heute nicht verebbt. Die Niederschläge der letzten Wochen fielen vielerorts zu spät und meist zu dürftig aus, um eine Konservierung von Futtermittelvorräten zu ermöglichen.

Das Bioregelwerk eröffnet unter gewissen Umständen die Möglichkeit, den Zukauf von nicht konformem Grundfutter bei der Zertifizierungsstelle zu beantragen. Die Kriterien sind im Kriterienkatalog für Ausnahmebewilligungen festgelegt. Wenn im Handel kein regelkonformes Raufutter angeboten wird, kann die Zertifizierungsstelle befristet und einzelbetrieblich den Zukauf von ergänzenden Futtermitteln bewilligen.

In besonders unter Trockenheit und Hitze leidenden Regionen waren Betriebe bereits ab Mitte Juli gezwungen, ihre Winterkonserven einzusetzen, um ihre Tierbestände zu versorgen. Die Weideflächen boten teilweise erschreckende Anblicke. Erste Alpwirtschaften zogen als Folge von fehlendem Futter oder Wasser die Talfahrt in Betracht. Dies verstärkte die Not der betroffenen Betriebe zusätzlich.

Die Auswertung der Gesuche und die Rückmeldungen an unserer Hotline deuten darauf hin, dass die Romandie sowie das Mittelland besonders von den klimatischen Bedingungen betroffen waren. Positive Rückmeldungen zum Erntejahr 2026 sind in der klaren Minderheit. Sie kamen am ehesten aus dem Voralpengebiet sowie einigen Regionen des Kantons Graubünden.

Task Force aus Labelgebern und Zertifizierungsstellen

Mit dem Anstieg der Gesuche im Hochsommer wurde ein wöchentlicher Austausch zwischen den Kontrollstellen und Labelgebern eingeführt. Die Entscheidungshoheit, welche Futtermittel und Mengen aufgrund von Ertragsausfällen bewilligt werden dürfen, liegt bei den Labelgebern und beim Bundesamt für Landwirtschaft. 

Der Beschluss von Bio Suisse, keine Ausnahmegesuche für nicht richtlinienkonforme Ackerfuttermittel zu bewilligen, stiess bei einigen Betrieben auf Unverständnis. Dabei ist zu berücksichtigen, dass lediglich Ertragsausfälle bewilligt werden dürfen. Viele Anfragen betrafen Ergänzungsfuttermittel für reine Grünlandbetriebe, welche ohnehin nicht bewilligt werden.

Muster erkennbar

Die Betrachtung der erteilten Bewilligungen der letzten Jahre zeigt Muster auf:

  • In klimatisch günstigen Erntejahren beklagen viele Biobetriebe ein aus ihrer Sicht ungenügendes Angebot an biologischen Nutztieren. Kritisiert werden sowohl Verfügbarkeit als auch Qualität und Preise. Als Folge beantragen die Betriebe den Zukauf nicht-biologischer Tiere. Aus Sicht der Zertifizierungsstelle stellt sich die Frage, warum die eigene Remontierung an Bedeutung verloren hat.
  • In Jahren wie diesem ist hingegen zu wenig konformes Futter im Angebot. Die Aussagen der Futtersuchenden decken sich dabei leider mit den Rückmeldungen zum Angebot von Biotieren: begrenzte Mengen, ungenügende Qualität und überhöhte Preise. Notleidende Betriebe prangern die mangelnde Solidarität unter Berufskolleg*innen an. Dieses Jahr wurden zudem Stimmen laut, die von Ackerbaubetrieben forderten, Zwischenfutter für den Verkauf zu produzieren. 

Wie geht es weiter? 

Vielerorts sind Stichworte wie fehlende Nachhaltigkeit, Futtermittelvorräte, hitzetolerante Pflanzensorten und Tierrassen, kleinere Tierbestände, neue Anbausysteme, sparsamerer Umgang mit Wasser in der ganzen Gesellschaft, fehlende Beratungstätigkeiten, Emissionsverminderung- und Kompensation zu hören. Dabei herrscht Ratlosigkeit, ob dieses Jahr ein Ausreisser oder der Beginn einer neuen Normalität ist.

Als Kontroll- und Zertifizierungsstelle hat Bioinspecta die Aufgabe, die Einhaltung der gesetzlichen und privaten Vorgaben sicherzustellen und Betriebe dabei zu unterstützen. Im laufenden Jahr wurden nahezu 25 % der Personalressourcen in die verzögerungslose Bearbeitung der Gesuche um Futtermittelzukäufe eingesetzt.

In Anbetracht der dürftigen Winterfuttervorräte auf vielen Biobetrieben ist allen ein langer Weideherbst und kurzer Winter zu wünschen. Genügend Niederschläge und ein früher Weidebeginn 2027 könnten die dringend benötigte Entspannung bringen.

Andreas Müller, Bioinspecta

Weiterführende Informationen

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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