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«Bio allein kann nicht alle Probleme lösen»

Meldung  | 

Als Präsident des FiBL-Stiftungsrats setzt sich der ehemalige Direktor des Bundesamtes für Landwirtschaft Bernard Lehmann für einen anspruchsvollen, aber offenen Biolandbau ein, der die gesamte Landwirtschaft inspiriert. Markt, Agrarökologie, Klima, Forschung, Kommunikation: Er plädiert für einen systemischen Ansatz, ohne sich auf simple Lösungen einzulassen. Das Bioaktuell Magazin hat mit ihm gesprochen.

Stark engagiert: Bernard Lehmann, Stiftungsratspräsident von FiBL Schweiz, früherer Direktor des Bundesamts für Landwirtschaft und ehemals ETH-Professor. Foto: Blaise Guignard

Herr Lehmann, wo steht der Biolandbau heute – in der Schweiz und weltweit?

Bernard Lehmann: In der Schweiz liegt der Bioanteil am Lebensmittelmarkt wertmässig bei 12,3 Prozent und mengenmässig bei etwas über 10 Prozent. Bei der landwirtschaftlichen Nutzfläche sind es 18,4 Prozent. Global hingegen fällt der Bioanteil sehr gering aus. Doch die Statistiken zum zertifizierten Biolandbau erzählen nur einen Teil der Geschichte. In vielen Regionen arbeiten Millionen von Bauernfamilien nach Prinzipien, die nahe am Biolandbau sind, ohne jedoch zertifiziert zu sein. Sie setzen nur wenige synthetische Betriebsmittel ein – teils, weil ihnen die Mittel dazu fehlen. Manche haben schon vor langer Zeit Systeme entwickelt, mit denen die Bodenfruchtbarkeit erhalten werden kann.

Andere wiederum erschöpfen ihre Böden, aus Unwissenheit oder weil ihre wirtschaftliche Lage sie dazu zwingt, den Ertrag kurzfristig zu maximieren. Als ich früher mit der Welternährungsorganisation FAO zusammenarbeitete, war die Überlegung daher: Wenn zertifizierter Biolandbau nur einen kleinen Teil der weltweiten Landwirtschaft ausmacht, dann muss auch der Rest vorangebracht werden. Das erklärt unter anderem, warum die Agrarökologie an Bedeutung gewonnen hat.

Sollte man also eher auf zertifizierten Biolandbau setzen oder auf eine breiter anwendbare Agrarökologie?

Man sollte die beiden nicht gegeneinander ausspielen. Die Vielfalt der landwirtschaftlichen Gegebenheiten ist enorm. In Kamerun, zum Beispiel, habe ich während der Corona-Zeit vor mehreren Hundert Studierenden einen Kurs über Agrarökologie gehalten. Manche fragten uns, wieso wir ihnen diese Methoden empfählen, wo doch die Länder des globalen Nordens in grossem Umfang Betriebsmittel eingesetzt hätten, um ihre Erträge zu steigern. Einige Jahre später richtete die Institution einen agrarökologischen Bauernhof ein, auf dem die Studierenden verschiedene Anbausysteme vergleichen: Bio, regenerative Landwirtschaft, Agrarökologie mit reduziertem Betriebsmitteleinsatz und so weiter. Genau solche Herangehensweisen finde ich interessant.

Vielerorts stehen nämlich nicht Bio und Agrarökologie im Wettbewerb, sondern diese Ansätze und ein auf Betriebsmitteln basierendes Intensivierungsmodell. Die Industrie bringt Herbizide, Düngemittel, herbizidresistentes Saatgut und manchmal auch gentechnisch veränderte Organismen auf den Markt, und bietet den Landwirtinnen und Landwirten Lösungen, die auf den ersten Blick attraktiv erscheinen: weniger Arbeitsaufwand, kurzfristig höhere Erträge und eine vereinfachte Bewirtschaftung. Die Gefahr besteht jedoch darin, eine Grüne Revolution zu wiederholen, deren Auswirkungen auf die Umwelt wir selbst teilweise korrigieren mussten.

In diesem Zusammenhang kann die Agrarökologie einen realistischen Mittelweg und einen Schritt in Richtung nachhaltigere Systeme darstellen. Sie ermöglicht eine schrittweise Reduktion der Abhängigkeit von Betriebsmitteln sowie eine Verbesserung der Praktiken, ohne alle Auflagen einer Biozertifizierung erfüllen zu müssen. Manche Betriebe können danach einen Schritt weiter gehen und auf Bio umstellen, sofern sie über das nötige Wissen, die technischen Voraussetzungen und die erforderlichen Absatzmärkte verfügen. Wichtig ist auch, die 98 Prozent der weltweiten Landwirtschaft voranzubringen, die heute noch nicht biozertifiziert sind.

Was macht den Biolandbau noch einzigartig, wenn andere Landwirtschaftsformen dessen Prinzipien übernehmen?

Dass die regenerative Landwirtschaft, die integrierte Produktion oder andere Nachhaltigkeitsansätze an Bedeutung gewinnen, ist natürlich positiv. Doch für Konsumentinnen und Konsumenten sind sie oft viel weniger leicht nachvollziehbar. Bio hat einen grossen Vorteil: Es ist auf den ersten Blick klar erkennbar – wo Bio draufsteht, ist Bio drin. Die anderen Modelle müssen oft eine ganze Reihe von Praktiken erklären. In einem Kontext, in dem es immer mehr Nachhaltigkeitsansätze gibt, bleibt diese Transparenz ein grosser Pluspunkt.

Setzt dieser Vorteil voraus, dass bezüglich der strengen Biorichtlinien keine Kompromisse eingegangen werden?

Ja. Technisch gesehen könnte man sich immer Kompromisse vorstellen, wie den ausnahmsweisen Einsatz von ein wenig synthetischer Chemie oder die Einführung einer Technologie, mit der sich ein bestimmtes Problem lösen lässt. Sobald man jedoch immer mehr Ausnahmen zulässt, verwischen sich die Grenzen. Das erklärt auch die Vorbehalte, die geäussert wurden, als der ehemalige Direktor des FiBL, Urs Niggli, die Debatte über neue gentechnische Verfahren anstiess. Man kann durchaus über deren wissenschaftlichen oder agronomischen Nutzen diskutieren. Aber wenn der Biolandbau anfängt, sie einzusetzen, wo zieht man dann noch die Grenze? Die Aufgabe des FiBL besteht genau darin, den Biolandbau innerhalb dieses Rahmens voranzubringen und gleichzeitig Erkenntnisse zu gewinnen, die auch der Agrarökologie und der gesamten Landwirtschaft zugutekommen können.

Doch der Biomarkt stagniert. Stösst er an seine Grenzen?

Ich würde eher von einem Markt sprechen, der eine gewisse Reife erreicht hat. Bio war kein Strohfeuer, und das ist schon ein beachtlicher Erfolg. Der Biolandbau hat dazu beigetragen, bestimmte Anliegen nachhaltig in der Gesellschaft zu verankern. Entscheidend bleibt jedoch der Preis. Bioproduzentinnen und -produzenten werden in der Regel besser bezahlt, die Mengen sind geringer, die Wertschöpfungsketten müssen getrennt werden, die Verpackung ist teurer: All das schlägt sich im Endpreis nieder. Und die Haushalte können oder wollen nicht mehr als einen bestimmten Betrag für Lebensmittel ausgeben.

Gleichzeitig nimmt der Qualitätswettbewerb zu: IP-Suisse, die regenerative Landwirtschaft und andere stellen ebenfalls ihre Umweltleistungen in den Vordergrund. Das ist das Schicksal der Pioniere: Ihre Ideen werden irgendwann von anderen aufgegriffen, wodurch sich der Wettbewerb verschärft. Bio muss also weiterhin unter Beweis stellen, welchen konkreten Mehrwert es bietet.

Wie lassen sich die Anforderungen des Biolandbaus mit dem wirtschaftlichen Druck vereinbaren, dem die Schweizer Landwirtschaft ausgesetzt ist?

Auch der Biolandbau bleibt von den allgemeinen Problemen der Landwirtschaft nicht verschont. Die Schweizer Betriebe haben grosse strukturelle Veränderungen durchlaufen, um die steigenden Kosten aufzufangen und ihre Effizienz zu steigern. Die Frage ist, wie weit sich diese Entwicklung noch fortsetzen kann. Wenn die Gesellschaft landwirtschaftliche Betriebe einer bestimmten Grösse und Struktur erhalten will, muss sie bereit sein, diese zu finanzieren. Viele Landwirtinnen und Landwirte sagen übrigens, dass sie lieber bessere Preise als mehr Prämien hätten: «Preise statt Prämien.»

Im Biosektor gibt es jedoch eine relativ starke Gemeinschaft. Die Produzentinnen und Produzenten fühlen sich recht gut betreut. Bio Suisse ist demokratisch organisiert und pflegt enge Beziehungen zum Einzelhandel. Dies hat sicherlich zur Solidität des Modells beigetragen.

Zu dieser Gemeinschaft gehört auch das FiBL. In der Landwirtschaft und Wissenschaft ist das Institut sehr präsent. Aber ist es auch in der breiten Öffentlichkeit sichtbar genug?

Eine der Stärken des FiBL ist gerade das Engagement seiner Forscherinnen und Forscher im Wissenstransfer. Forschung und Beratung waren schon immer eng miteinander verbunden: Es geht nicht nur darum, Wissen zu produzieren, sondern auch, es zu vermitteln, sich mit der Praxis und zunehmend auch mit der Gesellschaft auszutauschen.

Was sich in letzter Zeit verstärkt hat, ist die institutionelle Kommunikation. Früher stützte sie sich vor allem auf Medienkonferenzen, Seminare oder den Jahresbericht. Heute bemühen wir uns vermehrt darum, das Interesse der breiten Öffentlichkeit zu wecken und eine Wirkung zu erzielen. Es handelt sich um eine relativ neue Entwicklung, die noch professionalisiert werden muss.

Diese Sichtbarkeit ist auch wichtig, um unsere Finanzierung zu diversifizieren. Das Institut ist stark gewachsen, und neben öffentlichen Mitteln und Forschungsprojekten gibt es weiteres Potenzial bei Stiftungen, Firmen, Grossspendern oder im Crowdfunding. Wir müssen diese Beziehungen besser strukturieren. Organisationen wie die Schweizer Berghilfe machen dies auf sehr professionelle Weise. Wir verfügen bereits über ein starkes Image. Es muss aber sehr diverse Zielgruppen ansprechen können. Um solche Unterstützung zu gewinnen, müssen die Menschen wissen, was wir tun, und verstehen, was wir Gutes bewirken.

Sie sprechen von einem FiBL, das versucht, die Gesellschaft besser zu erreichen. Spiegelt sich diese Entwicklung auch in seinen Forschungsschwerpunkten wider?

Ja. Wir haben unsere Strategie kürzlich neu definiert, um uns stärker von einer in Silos organisierten Forschung zu lösen und das Ernährungssystem als Ganzes zu betrachten. Unter anderem aus diesem Grund beschäftigen wir uns nun auch mit Ernährungssystemen und Konsumverhalten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Klimaresilienz. Die Forschung darf jedoch nicht mehr ausschliesslich nach einem Top-down-Modell funktionieren, bei dem die Forscherinnen und Forscher Lösungen liefern. Sie muss auch von der Praxis lernen. Meine Erfahrungen in Afrika und Asien haben mich in dieser Hinsicht tief geprägt.

Ich denke oft an jenen Landwirt aus der Elfenbeinküste, der sich weigerte, seine traditionelle Yamswurzel-Sorte zugunsten einer angeblich ertragreicheren Sorte aufzugeben. Dreissig Jahre später, da der Erhalt der genetischen Vielfalt zu einer wichtigen strategischen Herausforderung geworden ist, erscheint seine Entscheidung weit weniger irrational als damals! Die Wissenschaft muss weiterhin lernfähig bleiben. Sie kann sich auch einer Form der Weisheit öffnen.

Sie haben die Klimaresilienz als einen der Schwerpunkte des FiBL genannt. Ist der Biolandbau wirklich resilienter gegenüber dem Klimawandel?

Man muss hier aufpassen: Bio hat gewisse Vorteile, ist aber kein Wundermittel. In diesem Jahr haben einige Biobetriebe die Dürre besser überstanden – dank humusreicherer Böden, die mehr Wasser speichern können, oder dank vielfältigerer Anbausysteme. Aber auch konventionelle Betriebe, die beispielsweise ihren Mais früh genug ausgesät hatten, erzielten gute Ergebnisse. Man kann also aus einem einzigen Jahr keine allgemeingültigen Schlüsse ziehen. Was man aber sagen kann, ist, dass bestimmte Praktiken des Biolandbaus die Klimaresilienz potenziell stärken: Bodenqualität, Kultur- und Sortenvielfalt sowie Anbausysteme, die weniger stark von einer einzigen technischen Massnahme abhängig sind. Eine meiner Beobachtungen in Kamerun spricht für sich selbst: Als Studierende verschiedene Systeme nebeneinander testeten, wurden die Unterschiede während einer Trockenperiode so deutlich, dass ein Student, der eher konventionell arbeitete, auf die Parzelle seines Nachbarn blickte und zu mir sagte: «Nächstes Jahr mache ich es so wie er.»

Die Anpassung an den Klimawandel geht jedoch weit über den Biolandbau hinaus. Schon vor fünfzehn Jahren habe ich mich dafür ausgesprochen, dass wir uns stärker auf die Anpassung konzentrieren statt nur auf die Eindämmung. Wir haben Zeit verloren. Heute liegt der Schwerpunkt auf robusten Sorten, Bodenfruchtbarkeit, Pflanzenschutz, Ertragssicherung, aber auch auf Infrastrukturen zur Wasserspeicherung und Bewässerung. In Sri Lanka habe ich vor fast zwanzig Jahren Systeme gesehen, die dazu dienten, während einer Saison Wasser zu speichern, um so die Trockenzeit zu überstehen. In der Schweiz fangen wir gerade erst an, ernsthaft über solche Lösungen zu diskutieren.

Der Biolandbau kann also besondere Vorteile bieten. Die Anpassung an den Klimawandel ist jedoch eine Herausforderung, die die gesamte Landwirtschaft betrifft. Der Klimaschutz bleibt wesentlich; er reicht aber allein nicht mehr aus.

Setzt diese Anpassung auch eine Transformation unseres Ernährungssystems voraus?

Allerdings! Man kann nicht mehr nur das berücksichtigen, was auf dem Feld passiert. Das Ziel ist eine sichere Ernährung für alle, die mit den Grenzen der Natur vereinbar ist. Ein grosser Teil der weltweiten Ackerfläche dient heute der Produktion von Tierfutter, obwohl die Felder direkt für die menschliche Ernährung genutzt werden könnten. Zudem wird ein beträchtlicher Teil der Ernte verschwendet oder zur Energieerzeugung verwendet. Weltweit produzieren wir bereits genügend Kalorien.

Wenn wir die Lebensmittelverschwendung reduzieren und die Konkurrenz zwischen Nahrungsmitteln und Futtermitteln verringern, wird es möglich, eine viel grössere Bevölkerung zu ernähren, ohne die Produktion überall intensivieren zu müssen. Dies setzt auch eine Änderung der Ernährungsgewohnheiten voraus. Es geht nicht darum, Fleisch zu verbieten. Aber es sollte wieder zu einem wertvollen Nahrungsmittel werden: etwas, das man seltener, dafür aber in besserer Qualität konsumiert. Die ständige Botschaft, dass billiger besser sei, erscheint mir problematisch.

Lässt sich die Weltbevölkerung trotz der teilweise geringeren Erträge wirklich mit mehr Bio ernähren?

Genau das hat eine Studie gezeigt, an der das FiBL beteiligt war: Der Bioanteil, den das globale Ernährungssystem verkraften kann, hängt stark von der Weiterentwicklung des Systems selbst ab. Man muss jedoch weiterhin auf den Preis und die Erschwinglichkeit für arme Bevölkerungsgruppen achten. Dabei müssen auch die Kosten anders betrachtet werden. In vielen Dörfern fliesst heute ein immer grösserer Teil des Geldes in den Kauf von Herbiziden, Düngern oder Saatgut aus der lokalen Wirtschaft ab. Als das Unkraut noch von einheimischen Arbeitskräften mechanisch entfernt wurde, blieb dieses Geld eher im Dorf. Der im Geschäft bezahlte Preis erzählt also nicht die ganze Geschichte.

Ich würde nicht behaupten, dass sich die Menschheit morgen einfach zu 100 Prozent biologisch ernähren könnte. Allerdings erscheinen unsere derzeitigen Lebensmittel künstlich billig, da ein Teil der ökologischen und sozialen Kosten, die sie verursachen, nicht in den Preis einfliesst.

Kann der Biolandbau auch in sehr grossen Betrieben funktionieren und mehr Technologie integrieren?

Es gibt nicht unbedingt eine technische Grössenbeschränkung. In der Tierhaltung hängt das Tierwohl beispielsweise nicht automatisch vom Tierbestand des Betriebs ab. Die Wahrnehmung der Konsumentinnen und Konsumenten ist jedoch eine andere: Sie verbinden Bio oft mit einer humaneren, bäuerlichen Landwirtschaft. Ein riesiger Betrieb kann daher am Image des Labels kratzen, auch wenn er alle Standards einhält.

Im Pflanzenbau ist die Frage weniger heikel. Die Mechanisierung stand noch nie im Widerspruch zum Bioanbau, und intelligente Robotik kann äusserst interessant sein. Eine Technologie ist nicht deshalb problematisch, weil sie modern ist: Die Frage ist vielmehr, ob sie Fortschritte ermöglicht und gleichzeitig den Grundsätzen der biologischen Landwirtschaft entspricht.

Stimmt Sie Ihr Werdegang zwischen Forschung, Bundesamt für Landwirtschaft und FiBL optimistisch für die Zukunft?

Man muss Optimist und zugleich Realist sein. Ich habe viel gelernt und lerne immer noch dazu. Insbesondere muss man bereit sein, das, was man als rational ansieht, infrage zu stellen. Die Wissenschaft hat uns manchmal die unmittelbaren Vorteile bestimmter Innovationen aufgezeigt, bevor sie deren negative Auswirkungen gemessen hat. Hier kommt das Vorsorgeprinzip voll zum Tragen.

Aus technischer Sicht bleibe ich optimistisch. Ein Grossteil des Hungers in der Welt ist nach wie vor eher auf Konflikte zurückzuführen, als auf ein agronomisches Unvermögen, genügend Nahrungsmittel zu produzieren. Doch der Klimawandel spielt eine immer grössere Rolle und wirkt zudem als Spannungsverstärker. Wir sind nicht ausreichend vorbereitet, auch nicht in der Schweiz. Der Biolandbau hat dank seiner Vielfalt, Böden und Anbaumethoden gewisse Vorteile. Er allein kann aber nicht alle Probleme lösen. Ich bleibe also optimistisch, vorausgesetzt, dieser Optimismus dient nicht dazu, untätig zu sein.

Zur Person
Bernard Lehmann ist seit 2022 Präsident des FiBL-Stiftungsrats in der Schweiz. Von 2011 bis 2019 war er Direktor des Schweizer Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW). Zuvor bekleidete er über 20 Jahre lang den Lehrstuhl für Agrarökonomie an der ETH Zürich. Zudem hat er zwei Mandate der Vereinten Nationen inne: eines im Hochrangigen Expertengremium für Ernährungssicherheit und Ernährung (HLPE-FSN) und das andere im Ausschuss des Global Crop Diversity Trust, einer von der Welternährungsorganisation FAO und von Biodiversity International gegründeten gemeinnützigen Organisation, die sich für den Erhalt der Pflanzenvielfalt einsetzt. Des Weiteren ist er Präsident der Plattform Wissenschaft und Politik der Akademie der Naturwissenschaften Schweiz.

Blaise Guignard, freier Agrarjournalist

Eine gekürzte Version dieses Interviews erschien im Bioaktuell 9|26.

Weiterführende Informationen

Tagung «Le Bio e(s)t la Suisse»
Das FiBL, Bio Suisse und bio.inspecta blicken 2026 auf ein Jahrzehnt gemeinsamen Engagements in der Suisse romande zurück. Zum Abschluss dieses Jubiläums findet am Donnerstag, 10. Dezember 2026, im Salle de spectacle in Renens VD eine Tagung mit dem Titel «Le Bio e(s)t la Suisse – Die Schweiz is(s)t Bio» statt. Dabei kommen Akteur:innen der Schweizer Biobranche, politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger:innen sowie Personen zusammen, die sich für die Weiterentwicklung des Biolandbaus interessieren. Bernard Lehmann nimmt als Gastredner an der Tagung teil.

Infos, Programm und Kosten: 10ans.bioactualites.ch

 

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