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Rinder zuhause auf den Schlachthof vorbereiten senkt den Stress

Meldung  | 

Kann man Jungrinder schon auf dem Betrieb auf Situationen vorbereiten, die sie später im Schlachthof erwarten? Eine FiBL-Studie zeigt: Tiere, die mehrmals ruhig durch einen Panelgang getrieben und kurz fixiert wurden, wiesen bei der Schlachtung tiefere Cortisolwerte auf. Gleichzeitig erleichtert die Methode das Handling im Betriebsalltag.

Die Untersuchung zeigte, dass vorbereitete Tiere bei der Schlachtung im Schlachthof geringere Cortisolwerte hatten als Tiere der Kontrollgruppe. Foto: FiBL, Eva Föller

Jungtiere aus der Mutterkuhhaltung leben meist in stabilen Herdenverbänden und haben vergleichsweise wenig engen Kontakt zu Menschen. Am Tag der Schlachtung treffen deshalb gleich mehrere ungewohnte Situationen zusammen: die Trennung von der Mutter, das Verladen, der Transport sowie fremde Geräusche, Gerüche und Abläufe im Schlachthof. Dies kann bei den Tieren Stress auslösen.

Training auf dem Betrieb

Für die Studie trainierten fünf Mutterkuhbetriebe insgesamt 38 Jungrinder. Als Vergleich dienten 37 Tiere aus anderen Betrieben, die keine entsprechende Vorbereitung erhalten hatten. Die Kontrolltiere wurden jeweils auf denselben Transporten unter denselben Bedingungen zum Schlachthof gebracht.

Trainierte Tiere durchliefen auf ihrem Herkunftsbetrieb mindestens drei Mal einen schmalen Panelgang und wurden anschliessend kurz auf einer Waage oder in einem Behandlungsstand fixiert. Dabei kam die Methode «Low Stress Stockmanship» (LSS) zum Einsatz. Diese nutzt das natürliche Verhalten der Tiere: Die betreuende Person baut gezielt Druck auf und nimmt ihn wieder weg, sobald das Tier die gewünschte Bewegung ausführt.

Im Schlachthof erfassten die Forschenden des FiBL unter anderem Rückwärtsbewegungen, Lautäusserungen, den Einsatz von Elektrotreibern sowie physiologische Stressindikatoren im Blut. Besonders aussagekräftig war dabei die Messung des Stresshormons Cortisol.

Weniger Stress messbar

Bei den Verhaltensbeobachtungen zeigten sich keine statistisch gesicherten Unterschiede zwischen trainierten und nicht trainierten Tieren. Anders sah es bei den Blutwerten aus: Die trainierten Tiere hatten signifikant tiefere Cortisolwerte als die Kontrolltiere. Der Effekt war besonders bei männlichen Tieren ausgeprägt.

Die Forschenden werten dies als Hinweis darauf, dass die vorbereiteten Tiere die Schlachthofsituation weniger belastend erlebten. «Die Ergebnisse bestätigen, dass bereits eine vergleichsweise einfache und wenig zeitaufwändige Vorbereitung auf dem Betrieb die Stressbelastung bei der Schlachtung reduzieren kann», so FiBL- Nutztierexpertin Milena Burri.

Nutzen auch im Betriebsalltag

Neben den Effekten auf das Tierwohl sahen die beteiligten Landwirtinnen und Landwirte weitere Vorteile. Alle Befragten beurteilten die Methode positiv und gaben an, die im LSS-Kurs erlernten Techniken weiterhin anzuwenden. Das Training erleichtere das Treiben, Separieren, Wiegen und Behandeln der Tiere und könne auch die Sicherheit der betreuenden Personen verbessern.

Der Aufwand hielt sich laut den Betrieben in Grenzen. Nach dem Aufbau der Einrichtung benötigten die meisten rund zehn Minuten pro Tier und Trainingseinheit. Mehrere Teilnehmende würden die Methode anderen Mutterkuhbetrieben ausdrücklich weiterempfehlen.

Corinne Obrist, FiBL

Weiterführende Informationen

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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