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Werner Scheidegger – Pionier und Brückenbauer für Bio Suisse

Meldung  | 

Werner Scheidegger ist am 23. Oktober 2026 mit 90 Jahren gestorben. Mit ihm verliert der Schweizer Biolandbau einen Pionier, Brückenbauer und Visionär. Besonders als Gründungspräsident von Bio Suisse hat er dessen Entwicklung entscheidend geprägt.

Werner Scheidegger am Bio-Suisse-Hauptsitz in Basel im Jahr 2021. Foto: FiBL, Andreas Basler

Das Engagement von Werner Scheidegger wurzelte in der bäuerlichen Praxis und in der organisch-biologischen Bewegung von Hans Müller. Bereits 1955 stellte Scheidegger den elterlichen Hof in Madiswil (BE) auf Bio um. 1972 gründete er die Biofarm-Genossenschaft mit, präsidierte sie bis 1998 und führte sie viele Jahre als Geschäftsführer. In einem ehemaligen Schulhaus in Kleindietwil wurde das Betriebszentrum der Biofarm errichtet und die Genossenschaft wurde zu einer bis heute wichtigen Vermarktungsplattform (v.a. für Biogetreide). 

Bäuerliche Selbsthilfe, Vermarktung und Weiterbildung gehörten für Werner Scheidegger zusammen. Der mehrtägige Biolandbaukurs von 1977 mit dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, wurde zum Modell für spätere kantonale Kurse. Scheidegger engagierte sich auch 18 Jahre von 1975 bis 1993 im FiBL-Stiftungsrat. 

Die Stärke von Werner Scheidegger war es, unterschiedliche Sichtweisen zusammenzuführen. Als der Bund gemeinsame Biorichtlinien wiederholt ablehnte, suchten die Bioorganisationen eine privatrechtliche Lösung. Werner Scheidegger vermittelte und trug wesentlich zu den 1980 verabschiedeten Richtlinien bei. Damit legte er mit den Bioorganisationen und dem FiBL einen wichtigen Grundstein für die Glaubwürdigkeit des Biolandbaus in der Schweiz.

1981 wurde Scheidegger Gründungspräsident des Dachverbands VSBLO (Vereinigung schweizerischer biologischer Landbau-Organisationen), der heutigen Bio Suisse. Der Verband wurde rechtlicher Träger der Knospe, die Biofarm als erste auf ihren Produkten verwendete. Seine Erfahrung half beim Aufbau der Geschäftsstelle, des Kontrolldienstes und des Lizenzvertragssystems. Aus gemeinsamen Überzeugungen entstanden tragfähige Strukturen – die Grundlage für die Erfolgsgeschichte der Knospe.

Auch politisch kämpfte Werner Scheidegger beharrlich für den Biolandbau. Mit dem FiBL und weiteren Mitstreitern erreichte er 1988 die Anerkennung der Bio-Suisse-Richtlinien für Umstellungsbeiträge im Kanton Bern. 1989 bewirkte sein Vorstoss bei der Eidgenössischen Getreideverwaltung die Befreiung der Knospe-­Betriebe von Überschuss-Verwertungs­beiträgen. Der Bundesrat genehmigte dies: eine erste Anerkennung der Richtlinien auf Bundesebene und für Scheidegger ein grosser persönlicher Erfolg. 1993 folgte die Anerkennung dieser Richtlinien für Direktzahlungen des Bundes. Im gleichen Jahr startete Coop Schweiz die «Naturaplan»-Offensive mit Bioprodukten. Bio Suisse wurde ein wichtiger Partner von Coop. Bemerkenswert: Eine schweizerische Bioverordnung wurde erst 1997, nach weiteren politischen Vorstössen, veröffentlicht. 

Wer mit Werner Scheidegger zusammenarbeitete, erinnert sich an seine Freundlichkeit, Offenheit und Gelassenheit, aber auch an seinen Humor. So schrieb er zum Beispiel einst, dass anfänglich gewisse Bundesbehörden «resistenter gegen Bio waren als Biokartoffeln gegen Krautfäule». Im Herzen blieb er Bauer und verstand zugleich die Anliegen des Handels. Er sagte einmal, dass er für die Händler der Bauer war und für die Bauern der Händler, und dass ihm dies half, Verständnis für verschiedene Sichtweisen zu haben. Seine Vision war, dass Bio zur Norm wird – getragen von Bauernfamilien und von Menschen, die bewusst einkaufen.

Mit Werner Scheidegger verliert die Biolandbau-Bewegung eine grosse und weitherum geschätzte Persönlichkeit. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.

Otto Schmid, FiBL - langjähriger Wegbegleiter im Vorstand von Bio Suisse

 

Hinweis: Dies ist eine tagesaktuelle Meldung. Sie wird nicht aktualisiert.

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