Angrenzend an das Land von Kathrin und Rafael Lenz verläuft der Mülibach. Als das Ehepaar vor zehn Jahren den Betrieb Hegisau kaufen konnte, waren die Ufer des Baches auf langen Abschnitten komplett mit dem invasiven Japanknöterich (Reynoutria japonica) zugewachsen und die Beiden machten sich berechtigte Sorgen, dass sich diese Problempflanze über kurz oder lang auch auf ihrem Land breitmachen würde.
Knöterich eindämmen
Doch wie sollte der Knöterich bekämpft werden? Nicht umsonst gilt diese Pflanze als hochinvasiv. Auch aus kleinsten Wurzeln und sogar aus Stängelstücken kann sie wieder austreiben, sodass eine mechanische Bekämpfung nicht nur äusserst aufwendig ist, sondern bei unsachgemässem Vorgehen sogar zum Eigentor werden kann.
Aus dem Input der Gemeindestelle Landwirtschaft wurde schliesslich die Idee geboren: kann man diesem Unkraut vielleicht mit Beweidung den Garaus machen?
Gedacht, getan. In Absprache mit der Gemeinde Fischenthal wurden die Flächen beidseitig des Baches mit Flexinet eingezäunt und die betriebseigenen Schafe auf die Fläche gestellt. Die Beweidung erfolgt im Auftrag der Gemeinde und Familie Lenz erhält pro Laufmeter Bach fünf Franken Unkosten-Entschädigung. Die genauen Dienstbarkeiten wurden in einer Leistungsvereinbarung festgelegt. Im Laufe der Jahre kamen noch zwei weitere Bachabschnitte dazu, sodass die Familie Lenz unterdessen drei Bachabschnitte mit ihren Schafen pflegt.
Aller Anfang ist schwer…
Der Initialaufwand war gross: ungestörte Knöterichbestände sind so dicht, dass kaum ein Durchkommen besteht. Im Wirrwarr der alten Triebe ist schon das Erstellen eines Zaunes schwierig und die Schafe haben keine Chance, ins Innere der Fläche vorzudringen. Deshalb mussten zuerst die alten Stängel weg. Rafael Lenz mähte diese im Frühling, bevor die Pflanzen wieder zu wachsen begannen. Das Pflanzenmaterial schichtete er zu grossen Haufen auf und führte diese dann der Kehrichtverbrennung zu.
So bekamen die Schafe Zugang zu den neuen Trieben. Und dann warteten Rafael und Kathrin Lenz gespannt: Würden die Schafe den Knöterich fressen?
Schafe lieben Knöterich…
Tatsächlich: Die Schafe fressen den Knöterich nicht nur, sie wissen ihn sogar überaus zu schätzen. Junge Triebe und Blätter fressen sie bereitwillig, älteres, verholztes Material hingegen nicht mehr.
Mitte Mai waren die Schafe bereits einige Tage auf der Fläche und von den Knöterichen war nicht mehr viel übrig. Einzig an sehr unzugänglichen Ecken waren noch Knöterich-Pflanzen zu sehen. Das Gras hingegen hatten die Schafe noch nicht gross angerührt.
«Die Schafe haben den Knöterich sehr gern», bestätigt Kathrin Lenz. Dabei scheint es keinen Unterschied zwischen den Rassen oder beim Alter der Tiere zu geben. Auch hinsichtlich Nährstoffgehalt des Knöterichs hat Kathrin Lenz einen positiven Eindruck: «Leider gibt es keine Untersuchungen zu den genauen Gehalten des Knöterichs, das würde uns natürlich unglaublich interessieren! Was wir aber sagen können, ist, dass in den ersten Jahren, als die Tiere praktisch nur von Knöterich lebten, unsere Lämmer teilweise regelrecht verfettet waren.»
Um eine ausgewogene Ernährung sicherzustellen und allfällige unerwünschte Effekte der Fütterung mit Knöterich abzufedern, zäunt Familie Lenz immer so, dass den Tieren auf den Flächen auch noch Gras zur Verfügung steht.
…der Knöterich die Schafe nicht!
Das Projekt läuft nun seit 8 Jahren und die Beweidung hat einige sehr positive Effekte:
- Die Knöterichpflanzen wurden durch die Beweidung geschwächt und bilden nicht mehr so hohe und dichte Bestände wie zu Beginn des Projekts.
- Dadurch, dass der Knöterich weniger hoch wird, gelangt nun wieder Licht auf den Boden und andere Pflanzen können sich etablieren. So sinkt das Erosionsrisiko an den Bachufern erheblich.
- Durch das kontinuierliche Beweiden gelangt der Knöterich nicht mehr zur Blüte und kann sich somit nicht mehr generativ vermehren. (Wobei die vegetative Vermehrung in Mitteleuropa die deutlich grössere Rolle in der Verbreitung dieser Pflanze spielt)
- Auf den betroffenen Flächen steigt die Biodiversität wieder, beispielsweise durch Frühblüher am Bachufer.
Doch Beweidung ist nicht gleich Beweidung. Ein anderer Bachabschnitt wird als Dauerweide mit Ziegen genutzt. Ein Augenschein zeigt, dass dort der Knöterich viel üppiger wächst.
Aus den Erfahrungen, die Familie Lenz gemacht hat, haben sie einige Punkte zusammengestellt, die sie für den Erfolg ihres Projekts verantwortlich machen:
- Falls vorhanden: verholzte Stängel im Frühjahr mähen und der Entsorgung (Kehrichtverbrennung) zuführen
- Knöterich jung bestossen (30 bis maximal 50 Zentimeter Wuchshöhe)
- Knöterichflächen während der gesamten Vegetationsperiode alle fünf bis sechs Wochen bestossen
- Kurze Bestossung (sieben bis zehn Tage) mit hoher Besatzdichte
- Flächen zwischen Knöterichstöcken mit Gras einsähen
- Nicht nur Knöterichflächen bestossen, sondern grosszügig einzäunen
Aufwändiges Einzäunen
Natürlich hat jedes System seine Nachteile. Für die Familie Lenz besonders nachteilig ist der hohe Arbeitsaufwand der mit dem Einzäunen von kleinen und unförmigen Weidestücken einhergeht. Bezogen auf den Futterertrag, den die Schafe aus diesen Flächen herausholen, ist der Arbeitsaufwand recht hoch. Da beide Bachufer gleichzeitig beweidet werden, muss der Zaun den Bach überspannen – eine besondere Herausforderung bei schwankendem Wasserstand. Die Lösung: Dachlatten mit Isolatoren in verschiedenen Höhen, die eine flexible Anpassung des Stromdrahts ermöglichen.
Weiterempfehlen erwünscht
Für die Familie Lenz hat sich die Beweidung mit Schafen als erfolgreiche und nachhaltige Methode zur Bekämpfung des Japanknöterichs erwiesen. «Die Schafe haben uns gezeigt, dass man Neophyten auch ohne Chemie (die im Gewässerraum sowieso nicht gestattet wäre) in den Griff bekommen kann», sagt Kathrin Lenz. Besonders erfreulich sind die ökologischen Nebeneffekte: mehr Biodiversität, weniger Erosion und eine schrittweise Rückeroberung der Flächen durch heimische Pflanzen. Die beiden würden sich wünschen, dass die Neophytenbekämpfung mit Beweidung vermehrt den Weg in die Praxisempfehlungen findet.
Laura Gisler, TerrABC
Wir bedanken uns bei TerrABC für die Publikationsgenehmigung für diesen Artikel.
Weiterführende Informationen
Beitrag auf TerrABC (terrabc.org)
Invasive Pflanzen (Rubrik Pflanzenschutz)
