Eagle zeigte in den Praxisversuchen des FiBL eine bessere Standfestigkeit als Snowbird. Foto: FiBL, Katrin Carrel
Für Speisehafer ist ein hohes Hektolitergewicht zentral. Es beeinflusst die Verarbeitungsqualität und damit auch die Vermarktungsmöglichkeiten. Laut Katrin Carrel haben zwei Faktoren darauf einen besonders grossen Einfluss: die Saatdichte und die Lageranfälligkeit des Bestandes.
Wie dicht sollte Winterhafer gesät werden?
Katrin Carrel: Praxiserfahrungen zeigen, dass sich für Winterhafer eine Saatdichte von etwa 280 bis 330 Körnern pro Quadratmeter bewährt hat. Je nach Tausendkorngewicht und Keimfähigkeit entspricht dies rund 1,0 bis 1,4 Kilogramm Saatgut pro Are.
Zu hohe Saatdichten führen zu längeren und dünneren Halmen, wodurch das Lagerrisiko steigt. Gleichzeitig konkurrieren die Pflanzen untereinander stärker um Wasser und Nährstoffe. Dies kann die Kornfüllung beeinträchtigen und zu einem tieferen Hektolitergewicht führen.
Bis wann ist eine Aussaat möglich?
Als optimaler Saatzeitpunkt gilt die Periode von Ende September bis etwa zum 10. Oktober. Die Saattiefe sollte zwischen drei und fünf Zentimetern liegen, auf schweren Böden eher bei drei Zentimetern. Nach der Saat wird in der Regel Walzen empfohlen.
Welche Faktoren beeinflussen die Standfestigkeit von Hafer?
Für einen standfesten Haferbestand sind ein tiefer Unkrautdruck und eine nicht zu intensive, frühe Düngung entscheidend. Hafer verfügt über ein phänomenales Wurzelsystem und kann Nährstoffe effizient erschliessen. Da Hafer früher gesät wird als Weizen, sollte zu Vegetationsbeginn im März mit Gülle gedüngt werden. Späte, hohe Düngergaben zu Schossbeginn erhöhen hingegen das Lagerrisiko.
Winterhafer benötigt insgesamt etwa 80 Kilogramm Stickstoff pro Hektare. Dabei sollte die Nährstoffnachlieferung aus dem Boden berücksichtigt werden. In vielen Fällen genügt eine Güllegabe mit circa 30 bis 60 Kilogramm Stickstoff pro Hektare.
Wie halte ich Unkräuter in Schach?
Hafer reagiert etwas empfindlicher auf den Striegeleinsatz als Weizen. Er kann ab dem Dreiblatt-Stadium mit einem mittleren Zinkendruck oder im Frühling gestriegelt werden, wenn der Boden «schüttfähig» ist. Bei flacher Saat empfiehlt es sich, mit dem Striegeleinsatz bis im Frühjahr zu warten.
Auf Flächen mit hohem Unkrautdruck kann ein falsches Saatbett sinnvoll sein. Der pfluglose Anbau ist möglich, setzt jedoch aufgrund des Lagerrisikos einen geringen Unkrautdruck voraus.
Welche Winterhafersorten eignen sich?
Die zwei für den Bioanbau empfohlenen Winterhafersorten sind Eagle und Snowbird. Snowbird erzielt tendenziell etwas höhere Erträge und ein höheres Hektolitergewicht als Eagle. Zudem gilt sie als weniger anfällig für die hafertypischen Mykotoxine T-2 und HT-2. Eagle zeigte in den Praxisversuchen des FiBL jedoch eine bessere Standfestigkeit als Snowbird.
Biofarm empfiehlt die Herbstaussaat von Winterhafer, da die Bestände die Qualitätsanforderungen beim Hektolitergewicht einfacher erreichen und die Erträge mit durchschnittlich 50kg/a höher sind als beim Sommerhafer. Weitere Informationen und Hinweise zum Anbau finden sich im Merkblatt von Biofarm.
Interessierte Betriebe melden sich bei Hansueli Brassel: E-Mail, 062 957 80 52
Interview: Corinne Obrist, FiBL
Weiterführende Informationen
Merkblatt Bio-Hafer Knospe CH für Speisezwecke von Biofarm (biofarm.ch)
Hafer (Rubrik Pflanzenbau)
