Die vergangenen Monate haben gezeigt, wie massiv der Klimawandel die Schweizer Landwirtschaft bereits trifft. Politik und Branche sind aus Sicht von Bio Suisse noch nicht ausreichend vorbereitet. Jedoch sieht der Verband in der AP 30+ positive Ansätze, weil das Thema Klimaschutz nun doch aufgenommen wird: Neu legt das Klima- und Innovationsgesetz ein Reduktionsziel für Treibhausgasemissionen in der Land- und Ernährungswirtschaft fest. Für Bio Suisse ist zentral, dass die Erreichung dieses Ziels als gemeinsame Aufgabe des gesamten Landwirtschafts- und Ernährungssystems verstanden wird. Daraus dürfen keine individuellen Reduktionsverpflichtungen für einzelne Landwirtschaftsbetriebe abgeleitet werden.
Zudem darf die Emissionsreduktion nicht dazu führen, dass sich Produktion und damit verbundene Emissionen ins Ausland verlagern. Eine reine Betrachtung einzelner Produkte würde ebenfalls zu kurz greifen. Das gesamte Ernährungssystem muss im Blick bleiben, damit Klimaschutz nicht zu neuen Zielkonflikten führt – etwa mit der Biodiversität oder der Flächenkonkurrenz zwischen Nahrungs- und Futtermittelproduktion.
Klimaresilienz stärken
Gleichzeitig fordert Bio Suisse deutlich mehr Massnahmen zur Klimaresilienz. Hier ist die Vorlage des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) noch viel zu mager. Längere Hitze- und Trockenperioden stellen die Landwirtschaft zunehmend vor grosse Herausforderungen. Um die Produktion und Versorgungssicherheit zu gewährleisten, braucht es Investitionen in die Wasserretention – von naturnahen Massnahmen wie Agroforst bis zu Wasserspeichern und effizienter Bewässerungsinfrastruktur. Auch bauliche und technische Massnahmen gegen Wetterextreme wie Sturm und Hagel sowie Schädlinge müssen stärker unterstützt werden.
Dafür braucht es einfache Bewilligungsverfahren, gezielte Investitions- und Strukturverbesserungsbeiträge, verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Positiv bewertet Bio Suisse die geplante Förderung robuster Sorten über Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel.
Keine Lebtagesleistung, kein GPS-Tracking
Das BLW plant sowohl bei der Biodiversitätsförderung als auch bei den Produktionssystembeiträgen neu eine ergebnisorientierte Ausgestaltung. Über mögliche Indikatoren wurde an der Sommer-PK diskutiert. Klar abgelehnt wird die Lebtagesleistung (gesamte Lebensleistung einer Kuh im Verhältnis zu ihren Lebenstagen) als Indikator für die Senkung der Treibhausgasemissionen in der Milchproduktion. Bio Suisse sieht darin einen Widerspruch zur standortangepassten Milchproduktion und zur Ressourceneffizienz sowie eine Schwächung des Standortvorteils Grasland Schweiz. Stattdessen fordert Bio Suisse eine Stärkung der graslandbasierten Milch- und Fleischproduktion, etwa über eine Abtränkprämie.
Kritisch beurteilt der Verband die Einführung von GPS-Sendern zur Erhebung eines Weide-Raus-Index. Den Kosten für Technologie und Datenauswertung steht aus Sicht von Bio Suisse ein geringer Mehrnutzen gegenüber. Zudem drohen Fehlentscheide, etwa wenn Kühe wegen Hitze nicht aus dem Stall gehen, obwohl sie könnten. Hinzu kommt die Skepsis gegenüber der zunehmenden Überwachung.
Neuer Boden- und Baumindex
Die geplante Erfassung eines Boden- und Baumindex erhielt an der Sommer-PK ein positiveres Urteil. Bei den Hochstamm-Feldobstbäumen will das BLW das heutige massnahmenorientierte System durch eine ergebnisorientierte Förderung ersetzen. Künftig könnten alle Laubbäume auf der landwirtschaftlichen Nutzfläche berücksichtigt und möglicherweise über Luftbilder erfasst werden. Beim Bodenindex wird die Bodenbedeckung gemessen. Dazu wird aktuell eine satellitenbasierte Messung getestet, mit vielversprechenden Zwischenresultaten.
Differenziert beurteilte die Sommer-PK den Vorschlag, in der Biodiversitätsförderung ab Qualitätsstufe II auf Bewirtschaftungsvorschriften zu verzichten und stärker auf Ergebnisse zu setzen. Positiv erachtet wird die Flexibilität, kritisch beurteilt wird das Risiko einer Nicht-Erreichung der Ziele, da neben der Bewirtschaftungsweise auch äussere Faktoren wie die Witterung Einfluss auf das Ergebnis haben. Entscheidend ist für den Verband, dass das Biodiversitätsniveau in der Landwirtschaftszone nicht sinkt und die erzielten Fortschritte nicht verloren gehen.
Die Berg- und Alpwirtschaft stützen
Für die Direktzahlungen sind in der AP 30+ insgesamt 640 Millionen Franken weniger vorgesehen. Aus Sicht von Bio Suisse schwächen diese Kürzungen die Landwirtschaft, während die Anforderungen an die Zielerreichung steigen. Gerade für die Berg- und Alpwirtschaft braucht es stabile agrarpolitische Rahmenbedingungen und verlässliche Zahlungsrahmen.
Für die Verbesserung der Einkommenssituation im Berggebiet sieht Bio Suisse zudem noch keinen konkreten Vorschlag des BLW. Auch hier fordert sie die bereits erwähnte Förderung der graslandbasierten Tierhaltung. Zudem braucht es eine bessere Abgeltung der Biodiversitätsdienstleistungen, einen höheren Steillagenbeitrag, Tierwohlbeiträge für Kleinwiederkäuer sowie einen verbesserten Zugang zu den Strukturverbesserungsgeldern. Als unnötig erachtet Bio Suisse die Erhöhung der SAK-Schwelle (Standardarbeitskraft).
Einladung zum Mitwirken
Bio Suisse lädt die Mitgliedorganisationen zur Mitwirkung an der Stellungnahme ein. Inputs aus der Branche sind ebenfalls willkommen. Die Vernehmlassung der AP 30+ endet am 8. Dezember 2026.
Vernehmlassung AP 30+
Alle Infos und Dokumente sowie weiterführende Links zu den einzelnen Vorlagen, aber auch zur Liste der zur Vernehmlassung eingeladenen Organisationen und zur Vernehmlassung für Privatpersonen sind online beim Bund abrufbar.
www.blw.admin.ch/agrarpolitik-2030
Laura Spring, Bio Suisse
Dieser Artikel erschien im Bioaktuell Magazin 8|26.
