Explorativer Feldversuch: Bekämpfung des Erdmandelgrases beim Austrieb
Seit Jahrzehnten scheitert die chemische Bekämpfung des Erdmandelgrases an den ruhenden Knöllchen im Boden. Wer das Erdmandelgras nachhaltig ausrotten will, muss seine biologische Schwachstelle ausnutzen: Regelmässiges, oberflächliches Abschaben oder Hacken beim Austrieb vor dem 5-Blattstadium ist sehr wirksam, um das Erdmandelgras auszuhungern. Die mechanische Bekämpfung zum richtigen Zeitpunkt und mit ausgeklügelter Strategie ist nicht aufwendiger als die chemische Bekämpfung.
Die Bekämpfung des Erdmandelgrases gleicht oft einem Kampf gegen Windmühlen. Selbst wenn oberirdisch keine Pflanze mehr zu sehen ist, ruhen im Boden unzählige Mandeln wie ein unsichtbares Minenfeld. Herbizide stossen hier an ihre Grenzen: Eine flächige chemische Behandlung erfasst die ruhenden Mandeln in der Tiefe nicht. Ab einer geringen Befallsdichte – etwa 1 bis 3 Pflanzen pro Quadratmeter – wird eine flächige Spritzung zudem unrentabel und umweltschädigend. Die Bekämpfung von Einzelpflanzen wird unumgänglich, wobei die mechanische Einzelpflanzenbekämpfung keineswegs aufwendiger ist als der Einsatz von Herbiziden.
Die verwundbare Phase des Austriebs
Um das Erdmandelgras wirksam zu bekämpfen, muss man seine Biologie genau beobachten und verstehen. Die grösste biologische Schwachstelle bietet die Pflanze im Moment des Austriebs:
- Austrieb aus der Mandel: Aus der tief liegenden Mandel wächst zunächst ein einzelner, schnurartiger Spross gegen die Oberfläche.
- Die kritische Entwicklungsphase: Erst wenn dieser Spross an der Oberfläche Licht empfängt, bildet das Erdmandelgras eigene Wurzeln und Blätter aus. Bis zu dieser Phase lebt die Pflanze ausschliesslich von den Reserven der Muttermandel.
- Flach trennen statt tief umbrechen: Wird die auflaufende Pflanze genau jetzt – bevor sich mehrere Blätter und ein echter Wurzelballen bilden – flach (maximal 5 cm tief) gehackt oder abgeschabt, wird der Spross von seinen Nährstoffen abgeschnitten. Die Pflanze wird verschüttet und stirbt oder vertrocknet an der Sonne.
Dieses Prinzip des oberflächlichen Hackens ist auch bei einer Schwarzbrache entscheidend. Ein tiefes Bearbeiten des Bodens ist nicht nötig. Wichtig ist, durch regelmässiges, oberflächliches Hacken während der gesamten Vegetationszeit das Anwachsen und die Wurzelbildung in dieser kritischen Phase mit möglichst minimalem Aufwand zu verhindern. Eine tiefere Bodenbearbeitung ist nur gelegentlich angebracht, um das Auflaufen ruhender Mandeln zusätzlich anzuregen. Dabei muss zwingend darauf geachtet werden, dass keine Erdmandeln in tiefere Schichten vergraben werden.
Vegetationszeit verkürzen und Nester sichtbar machen
Zudem lässt sich der Arbeitsaufwand durch folgende erprobte Fruchtfolgestrategie erheblich verringern. Bei einer Schwarzbrache sollte der Boden über den Winter begrünt werden. Die Einsaat darf jedoch nicht vor Ende September erfolgen, da sich sonst im milden Spätherbst noch neue Pflanzen mit Mandeln bilden können.
Besonders geeignet sind Getreidearten wie Gerste, Roggen oder Sandhafer, die im Folgejahr möglichst spät gemulcht oder vor Juli geerntet werden, denn erst nach dem längsten Tag beginnt die intensive Mandelbildung. Durch die langanhaltende Begrünung im Frühjahr kann das Auflaufen des Erdmandelgrases bis zu einem Monat verzögert werden, weil der Boden sich langsamer erwärmt und die Gründüngung das Erdmandelgras stark konkurrenziert.
Spätestens wenn sich das Erdmandelgras stärker entwickelt, muss die Gründüngung gemulcht oder das Getreide geerntet werden. Wird die Mulchschicht oder das Getreidestroh möglichst lange auf dem Feld belassen, kann diese Abdeckung das Auflaufen um einen weiteren Monat verzögern. Mit diesen Massnahmen kann die Vegetationszeit des Erdmandelgrases auf nur drei Monate reduziert werden. Eine Bekämpfung mit Schwarzbrache oder Hacken wird erst zwischen Juli und Ende September notwendig. Die Mulchschicht hat einen weiteren sehr hilfreichen Vorteil. Die Befallsnester werden hervorragend sichtbar und können gezielt abgegrenzt werden, da als erstes das Erdmandelgras und Wurzelunkräuter die Mulchschicht durchdringen.
Disziplin, Ausdauer und Zeit sind unerlässlich
Bei starkem Befall bleibt die mehrjährige Schwarzbrache weiterhin das Mittel der Wahl, um die Masse an Mandeln im Boden auszuhungern. Ist die Dichte nach einigen Jahren auf wenige Exemplare abgesunken, lohnt sich die flächige Bodenbearbeitung nicht mehr. Dennoch muss jede einzelne verbleibende Pflanze konsequent an der Bildung neuer Mandeln gehindert werden. Sonst beginnt der Teufelskreis von vorn.
Besondere Aufmerksamkeit verlangt der Spätsommer und Herbst. Von Ende August bis Mitte Oktober neigt das Erdmandelgras dazu, selbst als kleines Pflänzchen sehr schnell neue Mandeln zu bilden. In diesem Zeitfenster ist das regelmässige, flache Schaben oder Hacken nicht zu vernachlässigen.
Die Ausrottung des Erdmandelgrases erfordert Disziplin, Ausdauer und ein jahrelanges Monitoring. Auch wenn auf einer Parzelle über mehrere Jahre hinweg keine grüne Pflanze mehr gesichtet wurde, ist das Feld selten vollständig sauber. Im Boden verbleiben oft schlummernde Mandeln, die nach Jahren der Ruhe plötzlich austreiben können. Wer die Kontrollen zu früh einstellt, riskiert die unbemerkte Vermehrung und die Bekämpfung beginnt von Neuem.
Arbeitskreis Erdmandelgras
Um betroffene Betriebe praxisnah zu begleiten, mit Beratung zu unterstützen und den gegenseitigen Erfahrungsaustausch zu fördern, bildet Bio Suisse einen Arbeitskreis zur Bekämpfung des Erdmandelgrases. Interessierte Landwirtinnen und Landwirte können sich direkt per E-Mail melden bei Urs Guyer.
Urs Guyer
Weiterführende Informationen
Explorativer Feldversuch: Mulch kann Erdmandeln im Boden reduzieren (Rubrik Pflanzenbau)
Laufende Forschung zur Erdmandelgrasregulierung (Rubrik Pflanzenbau)
Unkrautregulierung im Ackerbau (Rubrik Pflanzenbau)
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 30.10.2026
